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Fachforum der WiFF Wer bildet Erzieherinnen und Erzieher aus? Qualifikationen und Kompetenzen von Lehrkräften und Praxisanleitenden für das Arbeitsfeld Kita

Im Fokus des WiFF-Fachforums am 10. September 2021 stand die Rolle der Lehrkräfte und Praxisanleitenden als wichtige Stellschrauben für die Qualität in der Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher. Am Vormittag wurde der Lernort Schule und vor allem die Ausbildung sowie Einstellungsvoraussetzungen und Qualifikationen der Lehrkräfte an den Fachschulen für Sozialpädagogik in den Blick genommen. Der Nachmittag fokussierte sich auf den Lernort Praxis und die Herausforderungen einer erfolgreichen Praxisanleitung in Zeiten des Fachkräftemangels.

Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Veranstaltung aus dem Haus der Bayerischen Wirtschaft in München online übertragen. Während sich die Referentinnen und Referenten sowie Teilnehmenden der Diskussionsrunden in Präsenz eingefunden hatten, verfolgten die über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Livestream die Vorträge, Filmeinspieler und Diskussionsrunden.

Herausforderungen am Lernort Schule und Lernort Praxis

„Die Expansion der Fachschulen und die Umstrukturierung der Erzieherinnen- und Erzieherausbildung hin zu praxisintegrierten Varianten führt in den Schulen und in der Praxis zu neuen Herausforderungen“ stellte WiFF-Leitung Professorin Dr. Kirsten Fuchs-Rechlin in ihrer Einführung fest. Die Schulen stoßen hinsichtlich des Lehrkräftebedarfs mittlerweile an ihre Grenzen. Entsprechend geben in einer aktuellen WiFF-Studie knapp 90% der Schulleiterinnen und Schulleiter von Fachschulen an, dass sie (teilweise) Schwierigkeiten haben, offene Lehrkräftestellen zu besetzen. Auch der für die Ausbildung mitverantwortliche Lernort Praxis hat aufgrund der mangelnden Personal-, Raum- und Zeitressourcen zunehmend Schwierigkeiten, eine systematische und theoriebasierte Reflexion der Praxiserfahrungen zu gewährleisten.

Trotz aller Herausforderungen und der Bedeutung, die Lehrkräften wie Praxisanleitenden als zentrale Akteure im Bildungsprozess angehender Erzieherinnen und Erzieher zukommt, haben sie bislang nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen zusteht. Im Vergleich zu anderen Bereichen des Schul- und Berufsbildungssystems ist wenig über diese Themen diskutiert und noch weniger geforscht worden. Die Weiterbildungsinitiative hat deshalb in diesem WiFF-Fachforum, die Situation der Lehrkräfte und Praxisanleitenden in der Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher in den Mittelpunkt gerückt.

Einstellungsvoraussetzungen für Lehrkräfte an Fachschulen für Sozialpädagogik – Eine Analyse der bundesländerspezifischen Regelungen

Die Absolventinnen und Absolventen der Studiengänge für das Lehramt der Beruflichen Fachrichtung Sozialpädagogik reichen nicht aus, um den Lehrkräftebedarf an den Fachschulen zu decken. Es müssen weitere Berufsgruppen als Lehrkräfte gewonnen, eingestellt und nachqualifiziert werden. Dr. Katharina Galuschka von der WiFF am DJI stellt die bundeslandspezifischen Regelungen für die Einstellung von Lehrkräften an den Fachschulen für Sozialpädagogik vor und beschreibt auch die Nachqualifizierungsmaßnahmen, die es für nicht einschlägig qualifizierte Lehrkräfte gibt.

Wege in den Beruf – Was Lehrkräfte an Fachschulen für Sozialpädagogik motiviert

Stephanie Kuhn und Severin Beilner berichten autobiografisch von Ihrem Weg zur Lehrkraft an der Fachakademie für Sozialpädagogik der Landeshauptstadt München. Sie berichten von Herausforderungen aber auch von den Chancen und den Möglichkeiten, die der Beruf mit sich bringt.

 

Lehren und Lernen an den Fachschulen für Sozialpädagogik – Herausforderungen der Lehrkräftebildung

Professor Dr. Uwe Uhlendorff von der Technischen Universität Dortmund zeigt die Herausforderungen für die Lehrkräfteausbildung in der Fachrichtung Sozialpädagogik auf und wie das universitäre Studium diesen gerecht wird. So umfassen die Herausforderungen eine hohe Diversität von beruflichen Arbeitsfeldern, heterogene Lerngruppen, sozialpädagogische Reflexivität und offene Curricula. Zudem gibt er Impulse, wie der Lehrerkräftemangel übergangsmäßig abgebaut werden könnte. Bsp. durch universitäre Aufbaustudiengänge für Absolventinnen und Absolventen der Fachhochschulen und des Lehramts Erziehungswissenschaft sowie der Einführung einer Ausnahmeregelung, die das ausschließliche Unterrichten der Fachrichtung Sozialpädagogik (Ein-Fach-Lehramt) ermöglicht.

Praxisanleitung in Kindertageseinrichtungen – Rahmenbedingungen und beruflicher Alltag

Bianka Ippenberger und Marie Panholzer, Kita-Leiterin und Stellvertreterin im Haus für Kinder Prinz-Eugen-in München, berichten von ihrem Alltag zwischen Leitungsaufgaben, Gruppendienst und Praxisanleitung. Für die Anleitung von Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern wünschen sie sich vor allem Zeit.

Voraussetzungen für erfolgreiches informelles Lernen in der beruflichen Bildung

Zeit ist auch der zentrale Faktor, den Professor Dr. Bernhard Schmidt-Hertha von der Ludwig-Maximilians-Universität München als zentrale Gelingensbedingung für informelles Lernen am Arbeitsplatz benennt, also dem Lernen durch unmittelbare Erfahrungen. Es wird gezeigt, das informelles Lernen stark von der Gestaltung der Arbeitsaufgaben abhängt und Reflexion erfordert. Dabei ist auch die Verzahnung informeller, non-formaler und formeller Lernwege wesentlich, da sich die unterschiedlichen Formen der Wissensaneignung sehr gut ergänzen können. Entsprechend kann informelles Lernen allein eine organisierte Weiterbildung nicht ersetzen.

Das Lernangebot „Praxisanleitung digital“ – Erfahrungen aus dem Bundesprogramm „Fachkräfteoffensive Erzieherinnen und Erzieher“

„Praxisanleitung digital“ ist eine digitale Lernplattform, die sowohl für Praxisanleitende als auch für Kita-Leitungen und Fachkräfte Informationen in unterschiedlichen e-Learning-Formaten sowie individualisierte Beratungs- und Austauschangebote zur Verfügung stellt. Professorin Dr. Catherine Walter-Laager von der Karl-Franzens-Universität Graz stellt die Lerninhalte der Plattform sowie erste Evaluationsergebnisse aus dem Projekt vor. Die Reflexion der eigenen Biographie sowie des eigenen Handelns ist ein wichtiger Teil des digitalen Lernangebotes. Die Aufgaben und Inhalte zur Selbstreflexion wurde auch von den Nutzerinnen und Nutzern als besonders zentral erachtet und besonders häufig genutzt.

Eindrücke aus dem Studio im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München

Blick in die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des WiFF-Fachforums
Moderator Nils Paul
Professorin Dr. Catherine Walter-Laager während ihres Vortrags
Die Diskussionsrunde Lernort Schule
Professor Dr. Uwe Uhlendorff
Professorin Dr. Catherine Walter-Laager
Professorin Dr. Catherine Walter-Laager und Nils Paul
Schlusswort von Professorin Dr. Kirsten Fuchs-Rechlin
WiFF-Leitung Professorin Dr. Kirsten Fuchs-Rechlin

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