Ergebnisse der Weiterbildungstrendstudie 2015

Zielgruppen frühpädagogischer Weiterbildungen

02.12.2015

Welche Zielgruppen sprechen Anbieter in ihren Ausschreibungstexten an? Im Rahmen der Weiterbildungstrendstudie wurde erhoben, welche Zielgruppe im Titel und Untertitel der Angebotsbeschreibung zu finden waren (Schlagwort "Zielgruppe" oder "Teilnehmende").

Qualifikation und Funktion

In gut zwei Drittel (2.699) der 3.963 ausgewerteten Veranstaltungen finden sich Angaben darüber, an wen sich die Weiterbildungen richten. In der Regel sind mehrere Personenkreise mit unterschiedlichen Qualifikationen, beruflichen Funktionen, Aufgaben- sowie Bildungsbereichen adressiert. Die Abbildung gibt einen Überblick über die Qualifikationen und Funktionszuschreibungen im Bereich Kindertageseinrichtungen, die in den Programmen der Fort- und Weiterbildungsanbieter zu finden waren.

Quelle: WiFF-Weiterbildungstrendstudie 2015; Dokumentenanalyse; N02.699


In der Ankündigung der meisten Angebote sind die Zielgruppen sehr vage formuliert. Mit 1.339 Nennungen (knapp 50%) sind die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwar die mit Abstand am häufigsten genannte Gruppe, aber auch die heterogenste. Gemeint sind alle pädagogisch Tätigen in einer Kindertageseinrichtung, unabhängig von Funktion oder Aufgabenbereich und beruflicher oder (fach)hochschulischer Qualifikation. Fast 90% der Angebote, die sich an pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richten, sprechen ausschließlich diese an. Mit 611 Nennungen (23%) am zweit-häufigsten adressiert werden "pädagogische Fachkräfte", die ebenfalls nicht weiter nach Qualifikation unterschieden werden.

Pädagogische Führungs- und Leitungskräfte werden an dritter Stelle genannt (490 Nennungen, knapp 18%). Bei ihnen steht die Funktion innerhalb der Einrichtung im Vordergrund. Es folgen Erzieherinnen und Erzieher mit knapp 14% (372 Nennungen) und Lehrkräfte (nicht spezifiziert nach Schulstufe) mit knapp 6% (159 Nennungen). Kinderpflegerinnen und -pfleger machen nur 5% (142) der Nennungen aus. Diese zuletzt aufgeführten Zielgruppen werden über ihre Qualifikation bzw. ihren Ausbildungshintergrund angesprochen. 

Dass Lehrkräfte häufiger als Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger angesprochen werden zeigt zum einen, dass die Bemühungen zur Förderung des Austausches zwischen Kita und Schule für eine erfolgreichere Gestaltung des Übergangs wahrgenommen und von den Weiterbildungsträgern bzw. Planungsverantwortlichen aufgegriffen werden. Zum anderen wird deutlich, dass Kinderpflege- und Sozialassistenzkräfte deutlich weniger bzw. überhaupt nicht als Adressatenkreis wahrgenommen werden. "Es wäre wünschenswert, dass diese Berufsgruppe stärker als Zielgruppe von Weiterbildungsveranstaltungen angesprochen wird, um deren Interesse und Weiterbildungsbereitschaft zu fördern", sagt WiFF-Referentin Dr. Christina Buschle, die die Weiterbildungstrendstudie durchführt. "Die Professionalisierungsbemühungen in der Frühpädagogik betreffen nicht nur Erzieherinnen und Erzieher, sondern auch die Kinderpflege- und Sozialassistenzkräfte, die bundesweit 13% der pädagogisch und leitend Tätigen in den Kitas ausmachen."

Ergänzend dazu wurde der Blick auf Quer- oder Wiedereinsteigende gerichtet. Diese wurden in 51 Veranstaltungen als Zielgruppe angesprochen.

Alter und Geschlecht

Die Ausschreibungstexte sind geschlechtsneutral formuliert. Nur drei der insgesamt knapp 4.000 Angebote richten sich explizit an Frauen. Es konnten ebenfalls nur drei Angebote herausgefiltert werden, die sich an Erwerbstätige ab 40 Jahren richten. Vor dem Hintergrund, dass 41% der Kita-Fachkräfte älter als 45 Jahre sind (Autorengruppe Fachkräftebarometer 2014), ist das eine sehr geringe Anzahl.

Bedeutung für die kompetenzorientierte Gestaltung von Weiterbildungen

Ein zentrales Merkmal der Kompetenzorientierung ist die Orientierung an den individuellen Erfahrungen und Kenntnissen der Teilnehmenden. Um Weiterbildungen kompetenzorientiert planen und gestalten zu können, muss neben dem Weiterbildungspersonal auch der Anbieter eine konkrete Vorstellung haben, an wen sich das Angebot richten soll. Allerdings findet sich in knapp einem Drittel (1.264) der analysierten Veranstaltungen keine Zielgruppe. 77% der Angaben sind darüber hinaus vage formuliert und scheinen nicht auf eine bestimmte Qualifikation, Aufgabe oder Funktion in der Kindertageseinrichtung ausgerichtet zu sein.

3% der Veranstaltungen wenden sich zudem an "Interessierte" (81 Nennungen). Weiterbildnerinnen und Weiterbildner müssen sich somit auf eine sehr heterogene Lerngruppe mit unterschiedlichstem Vorwissen einstellen.

Top-Themen in der frühpädagogischen Weiterbildung

20.08.15

Der Markt an Weiterbildungen für Kita-Fachkräfte ist groß und unübersichtlich. Welche Themen behandeln die Veranstaltungen aktuell? Lassen sich bildungspolitische Schwerpunkte und Anforderungen aus der Praxis erkennen? Um diese Fragen zu beantworten hat die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) rund 4.000 Ankündigungstexte für Weiterbildungen im Kita-Bereich analysiert. Sie stammen aus den Programmheften 2015 von knapp 50 Weiterbildungsanbietern deutschlandweit (Methode siehe unten).

Die ersten Ergebnisse der Analyse liegen vor. Zu den Top-10-Themen 2015 zählen:

1.    Entwicklungs-/Bildungs-/Lernprozesse
2.    Reflexion/Haltung/Selbstbild/Rolle der Fachkraft
3.    Kommunikation/Gesprächsführung/Konfliktmanagement
4.    Zusammenarbeit mit Eltern/Familien
5.    Musik/Tanz/Kreativität/Kunst/Kultur
6.    Kinder unter oder bis drei Jahre/Krippe
7.    Führung/Leitung
8.    Methoden/Didaktik
9.    Inklusion/Integration/Partizipation/Teilhabe
10.  Stressbewältigung/Selbst-/Zeitmanagement

"Die Analyse zeigt, dass sich bildungspolitische Akzente zwar in den Weiterbildungsangeboten widerspiegeln, diese aber nicht bestimmen", sagt WiFF-Referentin Dr. Christina Buschle, die die Programme untersucht hat. Mit "Inklusion/Partizipation" und "Kindern unter oder bis drei Jahren" sind unter den Top-Themen zwei, die aktuell in Politik und Praxis viel diskutiert werden. Weitere Themen, denen politisch Bedeutung beigemessen wird, wie "Sprachliche Bildung/Mehrsprachigkeit" und "Kindeswohlgefährdung/ Kinderschutz" folgen erst auf Rang 11 und 20. Insgesamt konnten 35 Themenkomplexe ausgemacht werden.

Die thematische Einordnung der Weiterbildungen erfolgte nach Schlagwörtern, die in Titel, Untertitel und Beschreibung der Veranstaltung genannt und als Schwerpunkte angekündigt wurden. Eine Veranstaltung wurde in der Regel mehreren Themen zugeschrieben. Ein starker Zusammenhang  zeigte sich zwischen "Entwicklungs-, Bildungs- und Lernprozesse" und "Kinder unter drei oder bis zu drei Jahren". Auch die Themen "Reflexion, Haltung, Selbstbild und Rollenverständnis" und "Stressbewältigung, Selbst- und Zeitmanagement" bzw. "Führung und Leitung" kamen bei vielen Veranstaltungen in Kombination vor. Gleiches gilt für "Kommunikation/Gesprächsführung/Konfliktmanagement" und "Zusammenarbeit mit Eltern und Familien".

"Die Analyse gibt einen Eindruck davon, welche Schwerpunkte Weiterbildungsanbieter setzen und welche Themen die Teilnehmenden nachfragen", fasst Dr. Christina Buschle zusammen. Unklar sei jedoch, ob das Angebot dem tatsächlichen Bedarf der frühpädagogischen Fachkräfte entspreche und ob die jeweiligen Veranstaltungen wie in den Programmen beschrieben durchgeführt und besucht werden.

Liste aller 35 Themen

Die WiFF-Weiterbildungstrendstudie 2015


Was wurde untersucht?

Beschreibungen von Weiterbildungsangeboten im Kita-Bereich, unabhängig vom Format, d.h. es sind Zertifikatskurse, Seminare, Fachtage und Workshops dabei.

Wie wurde die Auswahl getroffen?

Analysiert wurden die Programme von Weiterbildungsanbietern

  • mit mind. 20 Veranstaltungen für den Kita-Bereich
  • in öffentlicher und frei-gemeinnütziger Trägerschaft
  • in Städten mit mehr als 250.000 Einwohnern


Stichprobe

  • 3.963 Veranstaltungen von 47 Weiterbildungsanbietern
    - 13 in öffentlicher, 34 in frei-gemeinnütziger Trägerschaft
    - in 9 Bundesländer (BE, BW, BY, HB, HE, HH, NI, NW, SN)

Methode

  • Exploratives Design (Internetrecherche)
  • Qualitative Analyse der Weiterbildungsangebote: Attribute Coding (Quelle: Saldana, 2013)

Limitation
Die Analyse stellt nur einen kleinen Ausschnitt aus einer Vielzahl an Fort- und Weiterbildungsangeboten für den Bereich Kindertageseinrichtung dar und kann nicht als allgemeingültig bezeichnet werden. Inwiefern die Angaben in den Programmen der Weiterbildungsrealität ensprechen, kann die Dokumentenanalyse nicht beantworten.