Hintergrund

Kompetenzorientierte Weiterbildung als Element der Professionalisierung

Bildungsprozesse für alle Kinder inklusiv gestalten, Sprachbildung unterstützen, die Einrichtung mit dem Sozialraum vernetzen – die Ansprüche an frühpädagogische Fachkräfte steigen und werden komplexer. Die dafür erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten können nicht einmalig in der Ausbildung an einer Fach- oder Hochschule erworben werden. Um fachliche und personale Kompetenzen als Grundlage professionellen Handelns weiterzuentwickeln, bedarf es kontinuierlicher Weiterbildung. Kita-Fachkräfte haben in Deutschland dafür im Schnitt Anspruch auf fünf Tage bezahlten Bildungsurlaub bzw. Bildungsfreistellung pro Kalenderjahr.

Vielfältige Weiterbildungsangebote erschweren den Vergleich

Bildungswerke, Volkshochschulen, berufliche Schulen sowie freiberuflich Tätige bieten frühpädagogische Weiterbildungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Methoden an. Fast die Hälfte der Anbieter ist in frei-gemeinnütziger Trägerschaft, zu denen die Wohlfahrtsverbände und Religionsgemeinschaften zählen. Daneben gibt es öffentliche Träger, privat-gewerbliche und Einpersonenunternehmen. Dies geht aus einer Befragung der WiFF von knapp 500 Weiterbildungsanbietern in den Jahren 2009 und 2010 hervor. Im Unterschied zur Ausbildung wird der Weiterbildungssektor nicht zentral auf Länderebene gesteuert: Anbieter-übergreifende verbindliche Vorgaben für Themen und ihre fachliche und didaktische Aufbereitung fehlen. Die einzelnen Angebote lassen sich deshalb hinsichtlich ihrer Qualität nur schwer vergleichen.

Kompetenzorientierte Weiterbildungen erweitern Handlungsfähigkeit

In der Weiterbildung setzen sich zunehmend kompetenzorientierte Lehr-Lernformate durch. Anstoß dazu gab der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) bzw. der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR), der die Ausrichtung des allgemeinen und beruflichen Bildungssystems auf Kompetenzen fordert.

Weiterbildnerinnen und Weiterbildner, die ihre Angebote kompetenzorientiert gestalten, orientieren sich an den Teilnehmenden: Sie knüpfen an der Ausbildung und den Praxiserfahrungen der Fachkräfte an, identifizieren relevante Handlungsanforderungen und gestalten Lehr-Lernprozesse so, dass sie den Transfer in die Praxis unterstützen. Ziel einer kompetenzorientierten Didaktik ist, dass Fachkräfte ihre Handlungsfähigkeit vor dem Hintergrund wissenschaftlich fundierten Wissens reflektieren und erweitern. Kompetenzmodelle helfen dabei, alle dazu relevanten Teilkompetenzen zu berücksichtigen. Hierzu zählen Wissen, Fertigkeiten, Sozial- und Selbstkompetenz.

WiFF-Kompetenzprofil in Anlehnung an den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR)

Ziel ist die Wirksamkeit in der Praxis und die Höherqualifizierung

Auf der pädagogisch-didaktischen Ebene soll Kompetenzorientierung dazu beitragen, Bildungsprozesse effektiver und praxiswirksamer zu machen. Darüber hinaus ermöglichen sie den modularen Aufbau von Weiterbildungen. Verbunden mit der Vergabe von Credit Points können Weiterbildungen dann auf eine Ausbildung oder ein Studium angerechnet werden und beruflichen Aufstieg ermöglichen. Dies ist jedoch bislang nur sehr eingeschränkt möglich (Thema Durchlässigkeit).

Der Beitrag von WiFF

  • WiFF unterstützt die Gestaltung kompetenzorientierter Weiterbildungen in der Frühpädagogik mit Kompetenzprofilen, die im Mittelpunkt der Publikationsreihe "Wegweiser Weiterbildung" stehen.
  • WiFF hat gemeinsam mit einer Expertengruppe Qualitätsstandards für frühpädagogische Weiterbildungen erarbeitet, die unabhängig von Themen und Formaten formuliert sind.
  • WiFF führt von 2015 bis 2018 eine Weiterbildungsstudie durch, die aktuelle Trends, Rahmenbedingungen sowie die Bedeutung in frühpädagogischer Weiterbildung untersucht und das Zusammenwirken des Systems der Weiterbildung mit dem der Kindertagesbetreuung beleuchtet.
  • WiFF hat Daten zur Weiterbildung von Kita-Fachkräften erhoben und dazu Weiterbildungsanbieter (WiFF Studie Nr. 6), Weiterbildnerinnen und Weiterbildner (WiFF Studie Nr. 23), Fachkräfte (WiFF Studie Nr. 15) und Fachberatungen (WiFF Studie Nr. 20) befragt. Zudem wurden die Programme von Weiterbildungsanbietern analysiert (WiFF Studie Nr. 10).