Professorin Dr. Monika Zimmermann

erforscht seit 2006 das Potential früher naturwissenschaftlicher Bildung mit Fokus auf Ermöglichungsdidaktik für pädagogische Fachkräfte und legt dabei ihren Schwerpunkt auf nachhaltige Praxiswirksamkeit. Sie promovierte über die sogenannte naturwissenschaftliche Frühförderkompetenz (NFFK). Wissenschaftliche Gesamtleitung des Studienganges Sozialpädagogik und Management der Internationalen Berufsakademie (iba), Diplom-Pädagogin, Personal & Business Coach, Systemische Paartherapeutin, Wissenschaftsexpertin im Bereich Coaching (DBVC); Haupt-Fokus in Lehre und Forschung: Professionalisierung (sozial-)pädagogischer Fachkräfte.


Welche Chancen sehen Sie in naturkundlicher/naturwissenschaftlicher Bildung in der Kita?


Erkenntnisprozesse im und durch den Bereich der Naturwissenschaft können ein Schlüssel zu eigenständigem Denken und Handeln sein und selbstwirksame Bildungsprozesse initiieren. Neugierde, Lust am freien Denken und am Explorieren selbst gestellter Fragen sind Tugenden der menschlichen Spezies, die, bleiben sie ein Leben lang erhalten, konstruktive persönlichkeits- und gesellschaftsformende Auswirkungen haben können. Hierfür können bereits in der Kita bedeutsame Grundlagen gelegt werden. Naturwissenschaftliche Bildung darf kein Selbstzweck zur Vermittlung naturwissenschaftlichen Wissens sein. Naturwissenschaftliche Konstruktionen können fruchtbare Momente im Bildungsprozess sein, die persönliche Kompetenzen wie Offenheit, Reflexionsfähigkeit, Entdecker- und Gestaltungslust, Fehlertoleranz und Perspektivwechsel fördern.


Welchen Aspekt der naturkundlichen/naturwissenschaftlichen Bildung möchten Sie in der Expertengruppe stark machen?


Wichtig sind mir die Perspektive der pädagogischen Fachkräfte mit ihren spezifischen Voraussetzungen, Stärken und Bedürfnissen sowie ein gelingender Theorie-Praxis-Transfer. Gemäß der systemischen Maxime "Wenn du etwas stärken willst, bekämpfe es!" ist es nicht zielführend, den Fokus auf das (scheinbare) bereichsspezifische Unwissen der pädagogischen Fachkräfte zu legen. Hilfreicher für eine nachhaltige Praxis-Implementation ist die konsequent an den in der Praxis Handelnden orientierte und individuell unterstützte Auseinandersetzung mit professionellen Zielen, (Vermeidungs-)Haltung und Möglichkeiten. Um gemeinsam mit den Fachkräften den Theorie-Praxis-Transfer zu ermöglichen, müssen auch Aus- und Fortbildner die Unkontrollierbarkeit von Bildungsprozessen aushalten.

Ich denke an ein Zitat von Antoine de Saint-Exupery: "Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer." Übergreifendes Ziel ist demgemäß, Wahrnehmungs- und Handlungsfähigkeit durch den Aufbau eines positiven professionellen Selbstkonzepts didaktisch zu ermöglichen.


Welches Phänomen der Natur bzw. der Naturwissenschaften fasziniert Sie persönlich am meisten?


Als besonders bedeutsam erachte ich das erkenntnistheoretische "Phänomen" oder Prinzip der Komplementarität und seine Bedeutung für die intra- und intersubjektive Kommunikationsabhängigkeit menschlicher Erkenntnisfähigkeit (vgl. das Elefantengleichnis). Insbesondere die Parallelen zu Persönlichkeitstheorien und Grundlagen systemischer Therapie faszinieren mich.


Welchen Bezug hatten Sie als Kind zu naturkundlichen/naturwissenschaftlichen Themen – gibt es ein Schlüsselerlebnis?

Interesse und Begeisterung waren immer vorhanden, mit Fokus auf interdisziplinäres Lehren und Lernen und auf das Verstehen übergreifender Zusammenhänge ausgerichtet. Diverse Lehrer im Gymnasium waren hilfreiche Anti-Vorbilder in Naturwissenschaftsdidaktik. Didaktisches Schlüsselerlebnis: "Cosmic Voyage".