Daten aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik

Kita-Leitungen im Profil

19. März 2014

Die Debatte über die Professionalisierung frühpädagogischer Fachkräfte hat die Leitung von Kindertageseinrichtungen stärker ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt. Sie leitet die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vertritt die Einrichtung nach außen und konzipiert die pädagogische Arbeit. Damit übernimmt sie eine Schlüsselposition bei der Entwicklung von Qualität in der Kita. Dennoch fehlen aktuelle Studien über ihre Aufgaben in der Praxis und damit verbundene Qualifikationsanforderungen.  Eine erste Annäherung ermöglicht die  Kinder- und Jugendhilfestatistik.

Danach lassen sich sechs Aufgabenprofile von Kita-Leitungen identifizieren. Etwas weniger als die Hälfte befasst sich ausschließlich mit Leitungstätigkeiten, alle anderen haben ein kombiniertes Aufgabenprofil: Gut ein Drittel (34 Prozent) ist zugleich Gruppenleitung, rund 16 Prozent übernehmen auch gruppenübergreifende Tätigkeiten und sechs Prozent sind auch Zweit- bzw. Ergänzungskraft im Gruppendienst. Wenige verantworten neben der Einrichtungsleitung die Eingliederung von Kindern mit Behinderungen (1 Prozent) und spezielle Verwaltungsaufgaben (0,4 Prozent). Insgesamt gibt es in Deutschland gut 45.000 Kita-Leitungen (Stand 1. März 2013) in rund 52.500 Kitas. In  sechs Prozent der Einrichtungen ist mehr als eine Leitungskraft tätig (Leitungsteam), in 20 Prozent hat niemand angegeben, als Leitung tätig zu sein.

Nur wenige Kita-Leitungen haben einen Hochschulabschluss

Unter den Kita-Leitungen verfügt ein Großteil über einen Fachschulabschluss, z.B. als Erzieherin. 15 Prozent haben einen einschlägigen Hochschulabschluss, beispielsweise in Sozial- oder Kindheitspädagogik. Betrachtet man nur Leitungskräfte, die keinen weiteren Aufgaben in der Kita haben, da sie vom Gruppendienst freigestellt sind, so zeigt sich mit 22 Prozent ein höherer Anteil an Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Im Vergleich zu anderen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe ist dieser Wert niedrig: So hatten hier Ende 2010 rund 55 Prozent der Beschäftigten, die überwiegend Leitungsaufgaben wahrnehmen, ein fachlich einschlägiges Studium abgeschlossen.

WiFF-Leitung Anke König spricht sich für bessere Rahmenbedingungen, akademische Ausbildung und kompetenzorientierte Weiterbildung aus
"Dass 20 Prozent der Kitas offiziell keine Leitung und mehr als die Hälfte noch andere Aufgaben zu erledigen haben, wird der verantwortungsvollen Position nicht gerecht", sagt WiFF-Leitung Professorin Dr. Anke König. "Im Sinne der Professionalisierung des Arbeitsfeldes müssen Leitungen ihre volle Arbeitszeit für diese Aufgabe verwenden können, also freigestellt sein. Die Träger sind deshalb gefordert, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Zudem muss ein Qualifizierungsprofil für Leitungen definiert werden. Die Komplexität der Managementaufgaben spricht für eine akademische Ausbildung. Die im Feld bereits tätigen Kita-Leitungen müssen die Möglichkeit bekommen, sich weiterzuqualifizieren. Hier sind insbesondere Weiterbildungen sinnvoll, die an den Kompetenzen der Fachkräfte ansetzen und das Handlungsrepertoire individuell erweitern".

WiFF-Expertengruppe erarbeitet Kompetenzprofil für Kita-Leitungen
Welche typischen Anforderungen Kita-Leitungen zu bewältigen haben und wie Weiterbildungen für sie kompetenzorientiert gestaltet und umgesetzt werden können, erarbeitet derzeit eine von der Weiterbildungsinitiative
initiierte Expertengruppe mit Vertreterinnen und Vertreter aus Praxis, Wissenschaft und Politik. Die Ergebnisse werden 2014 in der Publikationsreihe Wegweiser Weiterbildung veröffentlicht.

Ein ausführlicher Artikel zu diesem Thema von Karin Beher (WiFF) und Jens Lange (Technische Universität Dortmund) erscheint in Kürze in der Zeitschrift "TPS - Theorie und Praxis der Sozialpädagogik".

Profile im regionalen Vergleich

In Bremen und Hamburg mehr Fachkräfte, die ausschließlich leiten

Die Profile von Kita-Leitungen sind im regionalen Vergleich ganz unterschiedlich verteilt: Fachkräfte, die ausschließlich Leitungsaufgaben ausüben, finden sich besonders oft in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg. Im Osten ist die Kombination mit gruppenübergreifender Tätigkeit und im Westen die mit Gruppenleitung häufig.

Tabelle: Leitungen nach weiterem Arbeitsbereich und Region (Stand 01.03.2013, Anteile in %)

Quelle: Statistisches Bundesamt: Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und öffentlich geförderter Kindertagespflege 2013; eigene Berechnungen

AkademikerInnenquote pro Bundesland

In Bremen und Hamburg hat nahezu jede zweite Kita-Leitung studiert

Während unter den Kita-Fachkräften ohne Leitungsfreistellung der Anteil mit Hochschulabschluss zwischen einem Prozent (Saarland) und sieben Prozent (Hessen) schwankt, sind die Unterschiede bei den Kita-Leitungen mit Freistellung deutlich größer: In Baden-Württemberg, im Saarland und in Sachsen-Anhalt hat mit acht Prozent noch nicht einmal jede zehnte Leitung einen Hochschulabschluss, in Bremen (47 Prozent) und Hamburg (46 Prozent) hingegen nahezu jede zweite.

Abbildung: Anteil der Tätigen in Kindertageseinrichtungen mit fachlich einschlägigem Hochschulabschluss nach Leitungsfreistellung und Ländern am 01.03.2013 (Anteile in %)

Quelle: FDZ der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2013, eigene Berechnungen