Wie zeigen sich Teilhabe und Partizipation in der Kita?

Wie können Teilhabe und Partizipation in der Kita umgesetzt werden und was müssen Fachkräfte dafür wissen und können? Diese Fragen beschäftigen eine von der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) initiierte Expertengruppe. Beim zweiten Treffen der Expertinnen und Experten im Juni 2016 trugen WiFF-Referentin Katja Flämig und Prof. Dr. Sascha Neumann von der Universität Fribourg vor, welchen Beitrag ihre aktuelle Forschung zur Beantwortung leisten kann.

In welchen Situationen wird die Behinderung eines Kindes thematisiert und warum?

Katja Flämig stellte ihre ethnografische Forschung zum Kita-Alltag von Kindern mit und ohne Behinderung vor, die Teil einer Studie der WiFF ist. Seit Sommer 2015 hat sie 16 Wochen in Einrichtungen verbracht, in denen Kinder mit und ohne Behinderung betreut werden. Dabei geht sie der Frage nach, warum in manchen Situationen des Kita-Alltags die Behinderung eines Kindes thematisiert wird und in anderen nicht, und welche Funktion die Thematisierung hat. Ihre Beobachtungen zeichnet sie mithilfe eines Audio-Aufnahmegeräts und schriftlicher Notizen auf. Anhand ihrer Fallbeispiele zeigte sie: Inwiefern die Behinderung eines Kindes in der Kita Bedeutung hat, hängt stärker von der Situation und den handelnden Personen ab als von den Merkmalen des Kindes.

Die Studie zur Teilhabe in der Kita wird von WiFF-Leitung Professorin Dr. Anke König, Anna Beutin und Katja Flämig in 20 integrativ arbeitenden Einrichtungen durchgeführt. Weiterführende Informationen zur Studie

Wie treten Kinder in der Kita als Akteure auf?

Werden sie an der Gestaltung des Tagesablaufs beteiligt? Unter welchen zeitlichen, räumlichen und personellen Bedingungen geschieht dies? Wie bringen sich Kinder ein? Und wie unterscheiden sich ihre Mitgestaltungsmöglichkeiten von denen Erwachsener? Das untersucht Professor Dr. Sascha Neumann mit seinem Team an der Universität Fribourg seit September 2015 in neun schweizerischen Einrichtungen, die nach einem partizipativen Konzept arbeiten. Das Team geht ebenfalls mittels teilnehmender Beobachtung vor. Deutlich werde, dass Partizipation in der Praxis viele Facetten hat: von "dabei sein" über "Alternativen wählen" bis hin zu "selbst entscheiden". In manchen Fällen stehe Partizipation im Gegensatz zu Sicherheitsaspekten, zum Beispiel beim Überqueren einer viel befahrenen Straße, oder zu organisatorischen Anforderungen, etwa wenn aus räumlichen Gründen Gruppen für verschiedene Aktivitäten eingeteilt werden. In vielen Fällen werden die partizipativen Praktiken aber auch gezielt dazu genutzt, organisatorische Anforderungen zu bewältigen. Das findet Professor Dr. Neumann nicht problematisch. Im Gegenteil: Je mehr Probleme partizipative Praktiken im Alltag lösen, desto wahrscheinlicher ist ihr Einsatz.

Ein zentrales Ziel des Projekts "Partizipation in der frühesten Kindheit (PINKS)" ist es, bewährte Beispiele für die Gestaltung eines partizipativen Bildungs- und Betreuungsalltags zu ermitteln und die Einrichtungen bei der Umsetzung frühkindlicher Partizipationsprozesse zu unterstützen.

Weitere Einblicke in das Projekt gibt Professor Dr. Sascha Neumann im Interview.

Die Expertengruppe

Die Expertinnen und Experten diskutierten die vorgestellten Fallbeispiele aus dem Kita-Alltag. Im Anschluss stellte WiFF-Referentin Anna Gaigl vor, welche Handlungsanforderungen im Hinblick auf Teilhabe und Partizipation an Fachkräfte gestellt werden.

Die 13 Mitglieder starke Expertengruppe "Inklusion: Teilhabe und Partizipation" trifft sich drei Mal am Deutschen Jugendinstitut. Beim ersten Treffen im März 2016 hielt Professorin em. Dr. Annedore Prengel einen Gastvortrag und benannte im Interview Formen der Partizipation. WiFF-Referentin Anna Gaigl beschrieb, wie Teilhabe und Partizipation mit Inklusion zusammenhängen und warum WiFF das Thema aufgreift. Die dritte Sitzung folgt im Oktober 2016.

Im Mittelpunkt der Treffen steht die Erarbeitung eines Kompetenzprofils. Dieses beschreibt, was Kita-Fachkräfte wissen und können müssen, damit Teilhabe und Partizipation im Kita-Alltag gelingen. Zusammen mit dem fachwissenschaftlichen Hintergrund und Empfehlungen zur Umsetzung einer Weiterbildung zum Thema wird das Kompetenzprofil in der Publikationsreihe Wegweiser Weiterbildung veröffentlicht. Mit dieser Reihe unterstützt WiFF bei der Konzeption von Weiterbildungen für frühpädagogische Fachkräfte.