Was bedeuten Teilhabe und Partizipation in der Kita?

Der Weg zu einem inklusiven und sozial gerechten Bildungssystem beginnt in der Kita: Um jedem Kind gute Entwicklungs- und Bildungschancen zu ermöglichen, braucht es Spiel- und Lern-Angebote, die seinem Entwicklungsstand angemessen sind und an denen es teilhaben kann. Ziel ist, dass sich jedes Kind im Kita-Alltag aktiv einbringen und zum Beispiel auf sein Spielen und Lernen Einfluss nehmen kann. Doch welche Wege gibt es, Teilhabe und Partizipation in der Kita umzusetzen und was müssen Fachkräfte dafür wissen und können? Diese Fragen beschäftigen eine von der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) initiierte Expertengruppe aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Personen, die in der Qualifizierung frühpädagogischer Fachkräfte oder im Arbeitsfeld Kita tätig sind.

Die Expertinnen und Experten trafen sich im März 2016 erstmals am Deutschen Jugendinstitut, um einen Gastvortrag von Professorin em. Dr. Annedore Prengel zu hören und den Forschungsstand zu diskutieren. WiFF-Leitung Professorin Dr. Anke König und Anna Gaigl moderieren die Expertengruppe.

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"Partizipation hat viele Gesichter"

Die ausgeprägteste Form sei das Spiel, sagt Erziehungswissenschaftlerin Dr. Annedore Prengel: "Wenn Kinder spielen, entscheiden sie selbst, was sie spielen, mit wem und womit." Auch Partizipationsstrukturen aus der Politik könnten in die Kita übertragen werden, etwa eine Kita-Verfassung, die die Mitbestimmung der Kinder sichert. So würden Kinder früh mit Umgangsweisen der Demokratie vertraut gemacht, sagt die emeritierte Professorin. Als Voraussetzung für Partizipation nennt sie, dass Erwachsene Kindern zuhören und ihre Wünsche aufgreifen.

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"Partizipation geht weit über das Mitmachen hinaus"

"Wir verstehen Teilhabe auch als Teilgabe", sagt Anna Gaigl. Jedes Kind kann demnach einen Beitrag zur Gestaltung des Miteinanders leisten. Teilhabe und Partizipation sind schon in den Menschen- und Kinderrechten verankert, betont sie. Um beides im Kita-Alltag umzusetzen, müsse auf mehreren Ebenen angesetzt werden: Die pädagogische Orientierung der Fachkräfte und die Interaktion zwischen Fachkraft und Kind spielen ebenso eine Rolle wie strukturelle Rahmenbedingungen.

Die Expertengruppe

Die 13 Mitglieder starke Expertengruppe "Inklusion: Teilhabe und Partizipation" trifft sich drei Mal am Deutschen Jugendinstitut. Beim zweiten Treffen im Juni 2016 gaben WiFF-Referentin Katja Flämig und Prof. Dr. Sascha Neumann von der Universität Fribourg in der Schweiz Einblicke in ihre aktuelle Forschung. Die dritte Sitzung folgt im Oktober 2016.

Im Mittelpunkt der Treffen steht die Erarbeitung eines Kompetenzprofils. Dieses beschreibt, was Kita-Fachkräfte wissen und können müssen, damit Teilhabe und Partizipation im Kita-Alltag gelingen. Zusammen mit dem fachwissenschaftlichen Hintergrund und Empfehlungen zur Umsetzung einer Weiterbildung zum Thema wird das Kompetenzprofil in der Publikationsreihe Wegweiser Weiterbildung veröffentlicht. Mit dieser Reihe unterstützt WiFF bei der Konzeption von Weiterbildungen für frühpädagogische Fachkräfte.