Welche Bedeutung hat Teilhabe für Kinder mit und ohne Behinderung?

In der Diskussion über Inklusion in Kindertageseinrichtungen ist in den letzten Jahren die "Teilhabe" in den Mittelpunkt gerückt. Zentrale Fragen dabei sind, welche Rolle die Kita bei der Teilhabe von Kindern mit Behinderung spielen kann, wie der Alltag in Kitas beschaffen ist und wie Kinder sozial eingebunden sind. Ein Team der WiFF geht deshalb seit Frühjahr 2015 der Frage nach, wie sich Teilhabe in der Kita konkret zeigt. Die Forscherinnen beobachten dazu den Kita-Alltag von Kindern mit und ohne Behinderung.

Was bedeutet Teilhabe?
Studie zur Teilhabe im Kita-Alltag
Forschungsdesign: Die Studie besteht aus zwei Teilstudien
Erste Ergebnisse der ethnografischen Forschung
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Was bedeutet Teilhabe?

Der Begriff Teilhabe wird im frühpädagogischen Diskurs häufig unpräzise verwendet, vor allem in Abgrenzung zum Begriff Partizipation.

Das Ziel der Studie ist es, den Begriff Teilhabe empirisch zu beschreiben und offenzulegen, welche Anforderungen Kinder und frühpädagogische Fachkräfte in inklusiven Settings zu bewältigen haben. Dabei werden vor allem die zeitliche Organisation, räumliche Gegebenheiten, der Umgang mit den Dingen des Kita-Alltags sowie die körperliche Dimension sozialer Interaktion in den Mittelpunkt gestellt, weil diese Ebenen in bisherigen Studien der Integrationspädagogik kaum berücksichtigt wurden.

Obwohl sich Teilhabe auf alle Kinder bezieht, unabhängig von individuellen Fähigkeiten und sozialer oder kultureller Zugehörigkeit, liegt der Fokus der Studie auf der Heterogenitätsdimension "Behinderung" (Kinder mit "Eingliederungshilfe" nach SGB VIII/XII).

Studie zur Teilhabe im Kita-Alltag

Gegenstand der Studie

Untersucht wird, wie verschiedene Situationen des Kita-Alltags (z.B. Freispiel, Essensituationen) beschaffen sind, wenn Kinder mit Behinderung teilnehmen und wie Kinder mit und ohne Behinderung den integrativen Alltag (mit)gestalten. Ausgehend von diesen Beobachtungen werden Faktoren identifiziert, die das gleichberechtigte Miteinander aller Kinder auf der Interaktions- und Strukturebene fördern bzw. erschweren.

Methodisches Vorgehen

Für die Studie wurde ein qualitatives Design entworfen, das dazu geeignet ist, die verschiedenen Dimensionen und Ebenen von integrativ arbeitenden Kitas zu erfassen.WiFF führt die Studie in ca. 15 integrativ arbeitenden Einrichtungen in Sachsen-Anhalt und Bayern durch. Die Daten werden anhand teilnehmender und videogestützter Beobachtung in der Kita und Befragung der Fachkräfte erhoben.

Anwendung der Studienergebnisse

Die Ergebnisse sollen einen Beitrag zur Entwicklung einer wissenschaftsbasierten inklusiven Frühpädagogik leisten und für den Aufbau einer inklusiven Handlungsdidaktik in Weiterbildungen für Kita-Fachkräfte genutzt werden.

Forschungsdesign: Die Studie besteht aus zwei Teilstudien

Teilnehmende Beobachtung

Ethnografischer Zugang: Über einen Zeitraum von mehreren Monaten nimmt eine Forscherin beobachtend am alltäglichen Geschehen in zwei Kindertageseinrichtungen teil. Sie beobachtet verschiedene Situationen des Alltags am Vormittag. Dabei stehen raum-zeitlich-materielle Dimensionen und die komplexen organisatorischen Zusammenhänge im Vordergrund. Die Beobachtungen werden anhand von Audio-Aufzeichnungen und schriftlichen Notizen protokolliert und ausgewertet.

Videographie

Videoaufzeichnungen der Aktivitäten von Kindern mit und ohne Behinderung im integrativen Kita-Alltag: Zwei Kinder pro Gruppe werden für jeweils circa eine Stunde mit dem Camcorder begleitet. Hier wird der Blick stärker auf die Kinder als zentrale Akteure der integrativen Arbeit gelenkt sowie die Interaktion mit dem unmittelbaren Umfeld in den Blick genommen. Dabei steht die Perspektive des Kindes im Vordergrund.

Gruppendiskussionen mit pädagogischen Fachkräften und ein Fragebogen zu den Strukturdaten der Einrichtung ergänzen diese Teilstudie.

Erste Ergebnisse der ethnografischen Forschung

Veröffentlichungen

In allen teilnehmenden Einrichtungen spielte das Thema Helfen eine wichtige Rolle. Wie Hilfesituationen im integrativen Kita-Alltag entstehen, wie räumliche und zeitliche Gegebenheiten diese beeinflussen und welche Funktion diese helfenden Tätigkeiten haben, beleuchten zwei Artikel:

Beutin, Anna/Flämig, Katja: "Helfen ist nicht immer hilfreich. Erkenntnisse aus einer laufenden Studie zum Thema Teilhabe. In: kindergarten heute, Ausgabe 1/2018, S. 34-37

Beutin, Anna; Flämig, Katja; König, Anke (2018): Hilfearrangements in integrativen Kindertageseinrichtungen. Ethnografische Annäherungen an Teilhabe von Kindern im integrativen Alltag. In: Bloch, Bianca; Cloos, Peter; Koch, Sandra; Schulz, Marc; Smidt, Wilfried (Hrsg.): Kinder und Kindheiten. Frühpädagogische Perspektiven. Weinheim und Basel, Beltz/Juventa, S. 165-176.

Fallvignetten

Im Rahmen der Studie haben die Forscherinnen alltägliche Kita-Situationen, die sie mit der Videokamera beobachtet haben, verschriftlicht. Diese kurzen Fallstudien, genannt Vignetten, können Kita-Teams und Teilnehmende in Weiterbildungen zur gemeinsamen Reflexion und Diskussion anregen.

Fallvignetten zum Thema Teilhabe und Partizipation sind hier enthalten:

Weitere Fallvignetten zu Aufteilungsverfahren in integrativen Kitas stellten Anna Beutin und Dr. Katja Flämig auf dem WiFF-Bundeskongress im November 2017 vor. 

Kontakt


Anna Beutin

089/62306-383


Dr. Katja Flämig

0345/68178-24