Prof. Dr. Claudia Ueffing über Durchlässigkeit in der Aus- und Weiterbildung

Prof. Dr. Claudia Ueffing hat als Erzieherin ihre berufliche Laufbahn begonnen. Heute bildet sie als Professorin im Studiengang "Bildung und Erziehung im Kindesalter" Kindheitspädagoginnen und -pädagogen aus. Mit WiFF hat sie über ihren Ausbildungsweg, die Rolle von Weiterbildung und die Akademisierung in der Frühpädagogik gesprochen.


Welche Rolle spielten Weiterbildungen für Ihren beruflichen Werdegang?

Eine große Rolle. Ich habe viele Fortbildungen gemacht, um mich weiterzuentwickeln, was in dem Berufsfeld ja sehr üblich ist. Allerdings stieß ich bei dem Angebot an Grenzen, weil das Angebot sehr handlungsorientiert und wenig wissenschaftlich fundiert war. Daher habe ich mich dann für ein Studium und später für die Promotion entschieden.

Was hat Sie dazu bewogen, im pädagogischen Feld zu bleiben?
1. Ich schulde der Gesellschaft eine Beitrag für die Kinder.
2. Es macht mir Freude.
3. Ich bin überzeugt, dass meine Arbeit sich lohnt und wertvoll ist.

Wie schätzen Sie die Durchlässigkeit in diesem Beruf ein?
Eine "gläserne Decke" ist überall. Es war für mich schwer, diese zu durchbrechen. Fast wäre mir sogar meine Anstellung als Erzieherin zum Fallstrick für meine Berufung als Professorin geworden. Man braucht viel Geduld und einen langen Atem. Deutschland steht im europäischen Vergleich sehr schlecht da. Hier liegt ganz viel Verbesserungs-, Entwicklungs- und Handlungsbedarf, wofür ich nun in meinen Forschungsprojekten auch arbeite.

Welche Empfehlungen würden Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen geben?
a) Gesellschaftliche Ebene: Die Akademisierung des Fachpersonals für frühe Bildung, Erziehung und Betreuung muss trotz des Personalnotstandes weiter betrieben werden und darf nicht wie momentan in Deutschland stagnieren, sonst sinkt die Qualität des Angebots noch mehr.

b) Individuelle Ebene: Für mich hat es sich gelohnt und ich würde es immer wieder so machen. Alle Frauen kann ich nur ermutigen. Ich sehe es bei meinen Studierenden, die alle nach der beruflichen Ausbildung an die Hochschule München kommen: Sie vertiefen ihr Wissen und auf dieser Grundlage entwickeln sie ein neues professionelles Selbstverständnis mit hohem Selbstwertgefühl und fachlichem Standing. Das sind die Fachkräfte, die wir in Kitas – neben allen anderen – bei sich ständig verändernden gesellschaftlichen Herausforderungen brauchen.

c) Und ganz nebenbei: Es lohnt sich finanziell, wobei hier berufspolitisch dringend etwas getan werden müsste. Denn man muss von seinem Beruf leben können, was Fachkräfte von Kitas in Ballungszentren nicht mehr können. Das Tarifrecht muss auch hinsichtlich der akademisch ausgebildeten Fachkräfte überarbeitet werden, wobei wir wieder bei der gesellschaftlichen Ebene angekommen sind.