Hintergrund

Durchlässigkeit in der Aus- und Weiterbildung früpädagogischer Fachkräfte

Ein durchlässiges Bildungssystem ermöglicht einerseits den Aufstieg, zum Beispiel zwischen beruflicher Ausbildung und Hochschulstudium (vertikale Durchlässigkeit) und andererseits den Wechsel auf gleicher fachlicher und formaler Ebene, etwa in ein anderes Bundesland oder europäisches Land (horizontale Durchlässigkeit). In Deutschland ist beides nur beschränkt möglich. Hürden bilden die föderale Struktur, die lange Zeit strikte Trennung zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung und unterschiedliche Regelungen der Länder innerhalb Europas. Es gibt jedoch bildungs- und arbeitsmarktpolitische  Bestrebungen, die Durchlässigkeit zu verbessern. Argumente dafür sind der sich schnell wandelnde Arbeitsmarkt, der demografisch bedingte Fachkräftemangel sowie die Verbesserung individueller Bildungschancen.

Der Deutsche Qualifikationsrahmen


Der Deutsche Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR) macht in Anlehnung an den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) Qualifikationen innerhalb Europas besser verständlich und ermöglicht, Unterschiede von Qualifikationen aufzeigen zu können. Damit wird das Ziel verfolgt, die Mobilität von Lernenden und Beschäftigten zu fördern. Gleichzeitig ermöglicht der DQR Chancen für mehr Durchlässigkeit zwischen unterschiedlichen Qualifizierungsorten. Zunächst berücksichtigt er alle formalen Qualifikationen in den Bereichen Schule, berufliche Bildung und Hochschulbildung und bildet sie auf acht Niveaustufen ab. Künftig sollen auch non-formale und informelle Kompetenzen erfasst werden, die in der Weiterbildung bzw. beiläufig am Arbeitsplatz oder in der Freizeit erworben wurden. Schlüssel dazu ist die Orientierung an Kompetenzen.

Anschlußfähige Aus- und Weiterbildung in der Frühpädagogik

Für die Aus- und Weiterbildung frühpädagogischer Fachkräfte ist die
Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung von besonderer Bedeutung. Seit 2004 bilden neben den Fachschulen für Sozialpädagogik auch Hochschulen Kita-Fachkräfte aus. Zudem soll laut dem Aktionsrat Bildung 2012 der Anteil an akademischem Personal in den Einrichtungen erhöht werden. Dafür gibt es unterschiedliche Maßnahmen: Die Öffnung des  Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte und die Anrechnung von Kompetenzen aus der Berufsausbildung bzw. -praxis auf ein Studium.

Anrechnung von Kompetenzen auf ein Studium


Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) hat sich 2002 dafür ausge-sprochen, bis zu 50 Prozent eines Hochschulstudiums durch Kenntnisse, die außerhalb der Hochschule erworben wurden, anzurechnen. 2009 hat sie beschlossen, den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte neu zu regeln, was in vielen Bundesländern dazu geführt hat, dass eine abgeschlossene Erzieherinnenausbildung den Hochschulzugang eröffnet. Doch die Hochschulen haben weiterhin die Autonomie, ihre Studierenden auszuwählen und Regelungen der Anrechnung zu treffen. Einen positiven Ausblick gibt eine Befragung der WiFF unter den Verantwortlichen von 54 kindheitspädagogischen Bachelor- und 5 Master-Studiengängen im Jahr 2011: In fast Dreiviertel der Studiengänge ist eine Anrechnung von Kompetenzen mögich.

Die Rolle der WiFF


Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte  (WiFF) engagiert sich als Teil der nationalen Qualifizierungsinitiative "Aufstieg durch Bildung" für eine bessere Verzahnung von beruflich und hochschulisch erworbenen Kompetenzen und für mehr Transparenz zwischen den Bildungsbereichen Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Beispiele sind:

  • Expertengruppe zum Thema "Anschlussfähige Bildungswege", die Maßnahmen für mehr Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung erarbeitet hat.
  • Kompetenzprofile in der Publikationsreihe "Wegweiser Weiterbildung", die es Fachkräften ermöglicht, eigene Kompetenzen zu überprüfen und zu erweitern. Qualifikationsprofile Frühpädagogik für die Ausbildung an Fachschulen und an Berufsfachschulen, auf die länderübergreifende kompetenzorientierte Lehrpläne folgten.
  • Modellprojekte, die aufzeigen auf, wie Lernorte kooperieren und Bildungswege anschlussfähig werden (AnKE, ZFS)
  • Studiengangsdatenbank, die Zugangsvoraussetzungen und Anrechnungsverfahren der Hochschulen erfasst und darstellt.