Das Gleichheitsdilemma

am 24. und 25.04.2012 in München

Ein kontroverses Thema: Wie ist es zu beurteilen, dass der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) eine Erzieherinnen-Ausbildung an einer Fachschule als gleichwertig zu einem kindheitspädagogischen Bachelor-Studium betrachtet? Die zehn ReferentInnen der WiFF-Fachtagung „Das Gleichheitsdilemma“ Ende April 2012 entwickelten sehr verschiedene Perspektiven, aus denen sie die frühpädagogischen Ausbildungen betrachteten.

Einladung zum Dialog

Bernhard Kalicki, Leiter der Abteilung Kinder und Kinderbetreuung des Deutschen Jugendinstituts, steckt den thematischen Rahmen ab. Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) macht aus seiner Sicht Diskussionen dringend nötig.

O-Ton

Rückblick und Ausblick

In den letzten Jahrzehnten ist die Akademisierung der ErzieherInnen-Ausbildung nicht gelungen, sagt Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, Direktor des Deutschen Jugendinstituts. Doch muss das auf ewig so bleiben? Bietet die Diskussion über den DQR den Fachschulen für Sozialpädagogik nun vielleicht neue Möglichkeiten?

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Themenfrage

Worum geht es in der Debatte über den DQR eigentlich? Um die Professionalisierung des Personals? Nein, sagt Martin Baethge, Präsident des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen: Es gehe um Machtfragen. Baethge plädiert dafür, das notwendige Wissen über frühpädagogische Forschung an möglichst exzellenten Forschungseinrichtungen zu generieren.

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Wissenstest

Hat die Forschung bereits geklärt, wer was an welcher Ausbildungsinstitution lernt? Das hat sie viel zu wenig, betont Peter Cloos, Professor für Pädagogik der frühen Kindheit an der Universität Hildesheim. Es gebe allenfalls erste Befunde der Wissenschaft.

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Finanzfragen

Kann die Politik dafür sorgen, dass in einigen Jahren an jeder Kindertageseinrichtung mindestens eine akademisch ausgebildete PädagogIn arbeitet? Klaus Schäfer, Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, hält das für erstrebenswert. Gäbe es da nicht ein Finanzierungsproblem . . . Immerhin: Schäfer beobachtet, dass inzwischen selbst die einflussreichsten Ökonomen Deutschlands die Bedeutung der Frühpädagogik betonen.

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Gewerkschafts-Perspektive

Normalerweise achtet der öffentliche Dienst bei der Bezahlung darauf, welchen Berufsabschluss ein Mitarbeiter hat. Bei PädagogInnen ist das anders, stellt Ilse Schaad von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fest. Daran werde der DQR vorerst wohl nichts ändern – auch wenn er einiges in Bewegung bringe.

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Deutsche Regeln

Nicht das Können zählt, sondern der Abschluss, diagnostiziert Eberhard Funk vom Deutschen Verein. Das sei beim Deutschen Qualifikationsrahmen DQR anders – auch wenn dieser zumindest zunächst juristisch keine Bindungswirkung entfalte.

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Chancen

Die Fachschulen begrüßen, dass ein/e ErzieherIn im Deutschen Qualifikationsrahmen DQR so eingestuft wird wie ein/e Bachelor-AbsolventIn eines kindheitspädagogischen Bachelor-Studiums. Manfred Müller-Neuendorf, Schulleiter des Erzbischöflichen Berufskollegs in Köln, lobt diese Entscheidung und schlägt selbstbewusst neuartige Kooperationen vor.

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Risiken

Die Fachhochschulen befürchten, dass die aktuelle DQR-Entscheidung ErzieherInnen eher davon abhält, ein weiterbildendes Studium zu wagen. Claus Stieve, Professor für Erziehungswissenschaft an der Fachhochschule Köln, warnt vor solchen Konsequenzen und wirbt für eine Professionalisierung des Kita-Personals, die auf umfassende Kompetenzen achtet.

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Akademisches Profil

Hilmar Hoffmann, Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Osnabrück, wirbt für einen Ausbau der frühpädagogischen Forschung an den Hochschulen. Die vielfach geforderte Praxisnähe der Ausbildung stehe dem nicht entgegen.

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