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Erwartung und Wirklichkeit Wie Erzieher:innen und Kindheitspädagogog:innen den Berufseinstieg erleben
Ob pädagogische Nachwuchskräfte erfolgreich in den Beruf einmünden und dort langfristig verbleiben, entscheidet sich oftmals bereits während Ausbildung oder Studium, spätestens jedoch in der Phase des Berufseinstiegs. Welche Ausbildungsformate wählen angehende Erzieher:innen und Kindheitspädagog:innen? Was wünschen sie sich für den Berufseinstieg? Wie gut kommen sie nach dem Abschluss im Job an und wie zufrieden sind sie mit ihrer Tätigkeit? Das untersucht die WiFF im Zeitraum von 2024 bis 2026 mit einer Panelstudie, für die Erzieher:innen und Kindheitspädagog:innen vor und nach ihrem Abschluss befragt werden.
Ausbildungsformate sprechen unterschiedliche Zielgruppen an
Um möglichst viele Personen für eine frühpädagogische Ausbildung zu gewinnen, wurden in den vergangenen Jahren sowohl in der fachschulischen Ausbildung zur Erzieherin als auch im Studium der Kindheitspädagogik neben der klassischen Vollzeitausbildung neue Formate eingeführt. Diese sind mit hohen Praxisanteilen und einer Vergütung verknüpft oder können berufsbegleitend absolviert werden. Diese Strategie ist aufgegangen, wie die Ergebnisse der WiFF-Panelstudie zeigen. 39% der Schüler:innen in einer berufsbegleitenden Ausbildung sind älter als 35 Jahre und 41% haben bereits eigene Kinder (gegenüber 9 und 13% in der vollzeitschulischen Ausbildung). Jede dritte hat bereits eine nicht-einschlägige Berufsausbildung abgeschlossen. Damit spricht die berufsbegleitende Ausbildung vor allem Quereinsteigende an. In der praxisintegrierten Ausbildung (PiA) finden sich mit 65% die höchsten Anteile von Personen mit Hochschulreife sowie mit Migrationshintergrund (30%) (gegenüber 36% und 19% in der vollzeitschulischen Ausbildung). Studierende der Kindheitspädagogik mit Migrationshintergrund zeigen dagegen keine Präferenz für bestimmte Studiengänge, ihr Anteil liegt in Vollzeit- und dualisierten Formaten bei 17 bzw. 18%. In den dualisierten Formaten haben immerhin 7% der Befragten ohne Hochschulreife das Studium aufgenommen.
Angehende Erzieher:innen interessieren sich häufiger für das Arbeitsfeld Kita als Studierende der Kindheitspädagogik
Kurz vor Ausbildungsende planen rund zwei Drittel der Fachschüler:innen eine Tätigkeit in der Kindertagesbetreuung. Unter den PiA-Auszubildenden, von denen 92 % bereits während der Ausbildung in einer Kita tätig sind, liegt dieser Anteil bei 70 %. Für die Hilfen zur Erziehung interessieren sich 22 % der angehenden Erzieher:innen, für die Schulkindbetreuung 20 % und für die Offene Kinder- und Jugendarbeit 14 %. Obwohl die Studiengänge der Kindheitspädagogik auf frühe Bildung ausgerichtet sind, strebt nur etwa die Hälfte der Studierenden eine Tätigkeit in einer Kindertageseinrichtung an. An zweiter Stelle stehen die Hilfen zur Erziehung (35 %), gefolgt von den Frühen Hilfen (22 %) sowie der Frühförderung bzw. Sonderpädagogik und der Schulsozialarbeit (jeweils 19 %).
Für die spätere Berufstätigkeit wünschen sich die angehenden Erzieher:innen und Kindheitspädagog:innen vor allem ein gutes Teamklima, gesunde Arbeitsbedingungen und eine ausgewogene Work-Life-Balance. Karrieremöglichkeiten und Gehalt haben für sie die geringste Bedeutung.
Quelle: WiFF-Panel - Welle 1 / Kohorte 1 2024
Absolvent:innen treffen auf unterschiedliche Arbeitsmarktchancen in West und Ost
Neun Monate nach Abschluss sind 89% der Studienteilnehmer:innen erwerbstätig, 13% haben eine weitere Qualifizierung begonnen − teilweise parallel zur Erwerbstätigkeit. Nur 6% sind arbeitslos gemeldet oder befinden sich in Mutterschutz bzw. Elternzeit. Ob die Absolvent:innen ihre Berufswünsche realisieren konnten, hängt vom Wohnort ab. Sinkender Kinderzahlen verschlechtern die Arbeitsmarktchancen in der Kindertagesbetreuung in Ostdeutschland bereits deutlich.
Während im Westen 78% der Befragten in der Frühen Bildung arbeiten, sind es im Osten nur 55%. Von denjenigen, die während der Ausbildung dieses Berufsfeld anstrebten, arbeiten im Osten lediglich 47% tatsächlich dort, im Westen hingegen 64%. Auch bei den Beschäftigungsbedingungen müssen ostdeutsche Berufseinsteiger:innen Abstriche machen: 35% sind zum Befragungszeitpunkt befristet angestellt, mehr als doppelt so viele wie im Westen (16%). Eine vollzeitnahe oder Vollzeitstelle haben im Westen 72%, im Osten lediglich 58%. Dies wirkt sich auf das Bruttoeinkommen aus: So verdienen Westen 56 % der frisch ausgebildeten Fachkräfte mehr als 3.000 Euro pro Monat, im Osten liegt dieser Anteil nur bei 35 %.
Quelle: WiFF-Panel - Welle 2 / Kohorte 1 2025
Kindheitspädagog:innen kommen etwas schwerer im Job an als Erzieher:innen
Die Berufseinsteiger:innen kommen gut im Job an: sie haben eine klare Vorstellung ihrer Zuständigkeiten und der Erwartungen, die an sie gestellt werden. Sie haben das Gefühl, über die nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu verfügen, um ihre Aufgaben zu bewältigen. Sie sind gut in das Team integriert und fühlen sich von ihren Arbeitgebern wertgeschätzt und akzeptiert. Entsprechend liegt die Arbeitszufriedenheit der Befragten im oberen Mittelfeld.
Dennoch bewirbt sich jede achte neue ausgebildete Fachkraft zum Zeitpunkt der Befragung bereits auf eine andere Stelle. Das betrifft insbesondere die Kindheitspädagog:innen, die mit 26% doppelt so häufig einen Wechsel beabsichtigen, als die Erzieher:innen (12%). In der WiFF-Panelstudie zeigt sich, dass die studierten Kindheitspädagogi:innen signifikant unzufriedener mit ihrer Arbeit sind als Erzieher:innen. Sie erleben häufiger eine sogenannte Gratifikationskrise, diese bezeichnet ein Ungleichgewicht zwischen den beruflichen Anforderungen und der wahrgenommenen Belohnung. Insbesondere der Zeitdruck ist ein belastender Faktor für die Berufseinsteiger:innen.
Quelle: WiFF-Panel - Welle 2 / Kohorte 1 2025
Maßnahmen, die die Einbindung in das Team fördern, sind für die Personalbindung am wirksamsten
Ein sozial unterstützendes und strukturiertes Onboarding sowie angemessene Rahmenbedingungen können nicht nur Belastungen im Berufseinstieg reduzieren, sondern auch die Arbeitszufriedenheit und das organisationale Commitment stärken sowie die Wechselabsicht senken
Die Befragten erhalten viel Unterstützung durch Kolleg:innen und Arbeitgeber. Dieses „soziale Onboarding“ wirkt sich besonders positiv auf den Einstieg in die neue Tätigkeit aus, da es Rollenklarheit schafft und die Bindung an den Arbeitgeber stärkt. Am häufigsten sind niedrigschwellige Maßnahmen wie die Begrüßung durch eine Führungskraft, eine feste Ansprechperson und die Führung durch die Einrichtung. Etwa zwei Drittel erhalten Einführungsunterlagen oder regelmäßige Mitarbeitendengesprächen, etwa die Hälfte wird durch Mentoring unterstützt. Ein verbindlicher Einarbeitungsplan kommt hingegen nur bei einem Viertel zum Einsatz. Im Vergleich der einzelnen Maßnahmen zeigen sich regelmäßige Mitarbeitendengespräche als besonders wirksam, da sie das Stress- und Belastungsempfinden der Neuankömmlinge reduzieren. Auch die Rahmenbedingungen tragen dazu bei, dass die Berufseinsteiger:innen sich wohl fühlen. Dazu zählen insbesondere eine angemessene Personal-Kind-Relation sowie ausreichende Zeitressourcen für die Vor- und Nachbereitung der pädagogischen Arbeit.