Hintergrund

Qualifizierung für das Arbeitsfeld Kita

Die frühpädagogische Ausbildung hat sich in den vergangenen Jahren im Spannungsfeld zweier Anforderungen entwickelt: Einerseits stieg der Bedarf an Fachkräften mit der Anzahl der Kinder, die ab dem ersten Lebensjahr in der Kita betreut werden. Andererseits sind mit dem Ausbau der Betreuungsplätze die Ansprüche an die pädagogische Arbeit und damit an die Qualifikation der Fachkräfte gestiegen. Dies hat dazu geführt, dass neue Wege in das Arbeitsfeld entwickelt wurden und die Zahl der Nachwuchskräfte enorm gewachsen ist.

Großteil der Fachkräfte kommt von Fachschulen

Seit 2004 gibt es mit kindheitspädagogischen Studiengängen eine akademische Ausbildungsform, die für die Arbeit in Kitas qualifiziert. Bislang verfügt allerdings nur knapp 1% aller Fachkräfte über einen solchen Studienabschluss. Gleichzeitig wurden Möglichkeiten des Quereinstiegs in das Berufsfeld eröffnet. Den Großteil der Fachkräfte bilden nach wie vor Fachschulen für Sozialpädagogik aus: Rund 70% machen dort einen Abschluss zur staatlich anerkannten Erzieherin bzw. zum Erzieher. Mit teilzeit- und praxisintegrierten Modellen haben Fachschulen in den letzten Jahren neue berufsbegleitende Angebote geschaffen. Berufsfachschulen bilden darüber hinaus Kinderpflege- und Sozialassistenzkräfte aus, die etwa 13% des pädagogischen Personals ausmachen.

Fach- und Hochschulen erhöhen Kapazitäten

Auf den steigenden Bedarf an Kita-Fachkräften haben die Ausbildungsinstitutionen mit einem Ausbau ihrer Kapazitäten reagiert: So ist die Zahl der Fachschulen von 491 im Schuljahr 2011/12 um rund 21% auf 593 im Schuljahr 2014/15 angestiegen. Auch die Hochschulen haben ihr Angebot an früh- bzw. kindheitspädagogischen Studiengängen insbesondere zwischen 2004 und 2011 stark ausgebaut. Danach entstanden zwar noch neue Studiengänge, jedoch oftmals an Hochschulstandorten, an denen bereits kindheitspädagogische Studiengänge existieren. Zuletzt war die Entwicklung sogar leicht rückläufig: 2015 gab es rund 69 Bachelor-Studiengänge an 51 Hochschulstandorten. Mehr als Dreiviertel davon werden an Fachhochschulen angeboten. Die zehn Master-Studiengänge, die das WiFF-Studiengangsmonitoring zählt, sind ausschließlich an westdeutschen Hochschulen bzw. Universitäten angesiedelt.

Zahl der Nachwuchskräfte so hoch wie nie zuvor

Quelle: Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2017, S. 135

2014/15 haben rund 35.750 Personen an Fachschulen eine Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher begonnen, 71% mehr als im Schuljahr 2007/08. Auch die Zahl der Absolventinnen und Absolventen ist gestiegen: zwischen 2007/08 und 2013/14 um gut 50% auf knapp 26.750. Für das Schuljahr 2016/17 liegen die Zahlen noch nicht vor, es kann aber mit rund 33.000 ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher gerechnet werden. Dies wäre ein Anstieg um 74% in sechs Jahren.

Noch deutlicher zeigt sich der Zuwachs in den kindheitspädagogischen Studiengängen: 2015 wurden 3.427 und damit fast 30 Mal so viele Anfängerinnen und Anfänger erfasst wie 2004. Die Zahl der Absolventinnen und Absolventen von Bachelor-Studiengängen erhöhte sich von 114 im Jahr 2007 um das rund 20-Fache auf 2.365 im Jahr 2015. Dadurch hat sich die Zahl der Kindheitspädagoginnen und -pädagogen in Kitas allein zwischen 2012 und 2016 auf 4.557 mehr als vervierfacht. Im Vergleich zu den deutschlandweit knapp 385.000Erzieherinnen und Erziehern ist dieser Anteil jedoch immer noch gering.

Nur einen geringen Anstieg verzeichnen die Sozialassistenzkräfte im ersten Ausbildungsjahr; die Zahl der Kinderpflegeassistenzkräfte ist sogar gesunken. Gleiches gilt für die Absolventinnen und Absolventen. Damit zeigt sich, dass unter den Nachwuchskräften der Anteil an ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern gegenüber dem der Assistenzkräfte überproportional steigt.

Der Beitrag von WiFF

  • Mit dem "Fachkräftebarometer Frühe Bildung", das 2017 zum zweiten Mal erschienen ist, analysiert WiFF auf Grundlage der amtlichen Statistik die Entwicklungen in den Bereichen Personal, Arbeitsmarkt und Qualifizierung in der Frühen Bildung in Deutschland.
  • In einer Studiengangsdatenbank erfasst WiFF alle frühpädagogischen Studiengänge mit Informationen u.a. zu Inhalten, Zugangsvoraussetzungen und Studienplatzzahl.
  • WiFF hat Akteurinnen und Akteure der Aus- und Weiterbildung im Arbeitsfeld Kita befragt und die Ergebnisse in den Publikationsreihen der WiFF und in Auszügen auf dem WiFF-Webportal veröffentlicht.
  • In Fachforen diskutiert WiFF Themen der frühpädagogischen Ausbildung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Praxis.
  • Vertreterinnen und Vertreter der Länderministerien haben mit Unterstützung der WiFF Qualifikationsprofile für die Ausbildung an Fachschulen und an Berufsfachschulen entwickelt. Daran anknüpfend wurde ein bundesweiter Lehrplan für Fachschulen erarbeitet, um die Ausbildung in den Ländern zu vereinheitlichen.