Dr. Michael Wünsche

leitet den Bachelor-Studiengang "Kindheitspädagogik" an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.


Warum ist ein starker Bezug zum Praxisfeld für die frühpädagogische Ausbildung wichtig?


Fach- und Hochschulen können nur einen Ausschnitt von Praxiskompetenzen lehren und zu deren Entwicklung beitragen. Erst das Praxisfeld bietet die Möglichkeit, Theoriewissen anzuwenden und zu erproben. Entscheidend für die Ausbildung von Handlungskompetenz ist, dass gemeinsam mit dem Lernenden eine theoretisch und forschungsmethodisch fundierte Reflexion des Handelns stattfindet, die unterschiedliche Perspektiven einbezieht.


Was funktioniert gut bei der Kooperation der Lernorte Fachschule und Kitapraxis? Was muss in der Zusammenarbeit verbessert werden?


Ob die Kooperationen gelingen hängt davon ab, ob sich die Beteiligten als gleichwertig und gleichrangig anerkennen. Im Sinne der Ko-Konstruktion sollte die Interpretation und Bewertung von Handlungspraxen gleichermaßen bei den Lehrkräften von Fach- und Hochschulen sowie bei den Mentorinnen und Mentoren in den Einrichtungen liegen. Das bedeutet auch zu überdenken, in welcher Form und von welchem Lernort Kompetenzen geprüft werden und wie Lernende diese nachweisen können. 

Welche Bedeutung haben die Interaktion im Kita-Team und der kollegiale Austausch für das Mentoring der Nachwuchskräfte?

Teamlernen ist ein zentraler Bestandteil des organisationalen Lernens in den Kitas. Es erfordert einen stetigen Austausch darüber, wie sich Theorie und Praxis brechen oder auch widersprechen und welchen Einfluss individuell- biografisch basierte Wertungen auf das Handeln haben. Mehrdeutigkeit und Ambivalenzen, die bei diesem Austausch zu Tage treten, gehören zum Lernprozess.

Was bräuchte es, damit der Lernort Praxis als gleichberechtigte Ausbildungsinstanz neben der Schule bestehen kann? 

Der Lernort Praxis muss aufgewertet werden. Dazu zählt auch, dass die an der Ausbildung beteiligten Personen an beiden Lernorten gleichwertig qualifiziert sind – auch formal. Eine Grundlagenqualifikation der Praxismentorinnen und -mentoren, wie sie beispielsweise vom Bundesprogramm Lernort Praxis empfohlen wird, führt nicht weit genug.