Die Rolle der Kindertagespflege

Um den Rechtsanspruch für Kinder ab dem ersten Lebensjahr zu verwirklichen, wurde das Angebot der Kindertagespflege mit dem der Kindertageseinrichtungen gleichgesetzt. Die rechtlichen Grundlagen haben das 2005 in Kraft getretene Tagesbetreuungsausbaugesetzt (TAG) und das 2008 folgende Kinderförderungsgesetzt (KiFöG) geschaffen. Seitdem hat die Kindertagespflege einen zahlenmäßigen Aufschwung erlebt. Bei der Qualifikation und der Bezahlung der tätigen Personen gibt es allerdings große Unterschiede zu den Angestellten in Kindertagesstätten.

Der Ausbau in Zahlen

Tagespflegepersonen

Quelle: Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2014, S. 81

Die Anzahl der Tagespflegepersonen ist zwischen 2006 und 2014 um 47% von rund 30.400 auf knapp 44.900 gestiegen. Die Anzahl der betreuten Kinder hat sich im selben Zeitraum um 135% erhöht von rund 62.700 auf 147.500.

Betreute Kinder

Quelle: Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2014, S. 84

Insbesondere die Anzahl der Kinder pro Tagespflegeperson ist gestiegen: von durchschnittlich 2,1 Kinder im Jahr 2006 auf 3,3 im Jahr 2014.

Rahmenbedingungen

Die Tätigkeit in der Kindertagespflege ist kein Beruf im eigentlichen Sinne. Der Zugang ist nicht über einen Ausbildungsabschluss geregelt, auch entspricht die Bezahlung in der Regel nicht der einer qualifizierten Tätigkeit.

Qualifikationsniveau

Quelle: Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2014, S. 87

Für die Aufnahme einer Kindertagespflegetätigkeit genügt eine Grundqualifizierung zumeist im Umfang von ca. 160 Stunden. Das Qualifikationsniveau ist demensprechend niedrig: nur 31% verfügen 2014 über einen pädagogischen Abschluss. Die Gruppe derjenigen, die keinerlei (Grund-)Qualifizierung vorweisen kann, ist allerdings von 33% 2006 auf 5% 2014 deutlich gesunken.  

Vergütung

Quelle: Fachkräftebaromter Frühe Bildung 2014, S. 96

Die laufenden Geldleistungen der Jugendämter variieren stark und sind abhängig von der Qualifikation. Im Bundesdurchschnitt liegt der Stundensatz pro Kind zwischen 2,50 Euro für Unqualifizierte und 4 Euro für ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher. Vielerorts ist die Vergütung selbst bei einer Vollauslastung von 160 Betreuungsstunden pro Monat nicht ausreichend für die Existenzsicherung.

Alternative zur Kita?

Ob die Kindertagespflege dauerhaft an Bedeutung gewinnt, oder ob sie vielmehr Engpässe der institutionelle Bildung, Betreuung und Erziehung auffängt, ist offen. Bislang war das Personalwachstum in der Kindertagespflege immer dann am höchsten, wenn das Platzangebot für Kinder unter drei Jahren in Kindertageseinrichtungen niedrig war. Laut Statistischem Bundesamt war im März 2015 die Zahl der Kindertagespflegepersonen seit 2006 bundesweit erstmals leicht rückläufig (-1,7%) während die Zahl der Kindertageseinrichtungen weiter anstieg (+1,9%). Für Kinder unter drei Jahren dominiert die Kita als Ort der Betreuung: 85,4% der Eltern von Kindern dieser Altersgruppe nutzen eine Kita und nur 14,6% setzen auf die Tagespflege.