Interview mit WiFF-Leitung Prof. Dr. Kirsten Fuchs-Rechlin


14.02.2020

Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) ist im Januar 2019 in eine vierte Förderphase gestartet. Im darauffolgenden Mai hat Professorin Dr. Kirsten Fuchs-Rechlin die Leitung des Projekts übernommen. Im Interview berichtet die Erziehungswissenschaftlerin über die inhaltlichen Schwerpunkte der WiFF in den kommenden drei Jahren und über bereits angelaufene Aktivitäten.

"Unsere Ergebnisse sollen das Arbeitsfeld weiterbringen"

Prof. Dr. Kirsten Fuchs-Rechlin


Sie haben letztes Jahr die Projektleitung der WiFF übernommen. Was konnten Sie bisher anstoßen?

WiFF ist mit einer ganzen Reihe von Aktivitäten gestartet. Dazu zählen eine Studie zur beruflichen Entwicklung beziehungsweise den Karrierewegen von frühpädagogischen Fachkräften und eine Studie zur Fachberatung. Damit setzen wir neue inhaltliche Schwerpunkte und greifen gleichzeitig bekannte Themen der WiFF auf, die durch die Dynamik im System der Frühen Bildung wieder an Aktualität gewonnen haben. Im Herbst haben wir zudem eine Expertengruppe einberufen, die sich mit der Gesundheitsförderung in Kitas beschäftigt. Gemeinsam erarbeiten wir Empfehlungen für kompetenzorientierte Weiterbildungen zu diesem Thema, die in einen neuen Band aus der Reihe "Wegweiser Weiterbildung" einfließen werden. Und nicht zuletzt fand im Dezember 2019 der erste Bundeskongress in dieser Förderphase statt, der sich ebenfalls dem Thema Karriere in der Kita widmete.

Eine Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher gilt nach wie vor als Sackgasse.


Warum sind Karrieren in der Kita ein Thema für die WiFF?

Bei der Wahl ihres Berufs orientieren sich junge Menschen längst nicht mehr nur am Einkommen, sondern sie fragen vor allem nach Optionen, also beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten. Eine Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher gilt aber in dieser Hinsicht nach wie vor als Sackgasse. Das ist in Zeiten von Fachkräftemangel und Kita-Ausbau nicht hinnehmbar. Uns geht es deshalb zum einen darum, die Potenziale aufzuzeigen, die dieser Beruf aktuell schon bietet. Zum anderen wollen wir herausarbeiten, welche Faktoren die berufliche Entwicklung im Arbeitsfeld Kindertagesbetreuung fördern oder hemmen. Damit möchten wir Impulse für die Implementierung von Karrierewegen in den Einrichtungen setzen.


Welcher rote Faden zieht sich durch die aktuelle Förderphase?

Die Professionalisierung der frühpädagogischen Fachkräfte bedarf einer Professionalisierung des gesamten Systems der Kindertagesbetreuung. Deshalb legen wir in dieser Förderphase unseren Fokus noch stärker auf die Stützsysteme. So geht die eingangs erwähnte Studie zu den Kita-Karrieren auch darauf ein, wie Weiterbildungen Aufstiegs- oder Fachkarrieren flankieren und fördern können und welchen Standards sie dafür genügen müssen. Auch die Fachberatung ist ein wichtiges Stützsystem auf der Ebene der Träger, wenn es darum geht, Qualitätsimpulse zu setzen und Leitungen oder Kita-Teams zu stärken.


Welche Aktivitäten sind bis Ende 2022 noch geplant?


Wir werden uns weiterhin mit der Ausbildung von Fachkräften beschäftigen und zwar auf allen Ebenen des Bildungssystems: von der Berufsfachschule über die Fachschule bis hin zur Hochschule. Bei den an Fachschulen ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern beschäftigen wir und etwa mit der Diversifizierung der Ausbildungsmodelle. Im Rahmen eines Ausbildungsmonitorings wollen wir zudem auf die Fachschulen selbst schauen. Davon erhoffen wir uns vertiefte Erkenntnisse über die Ausbildungslandschaft. Daran anknüpfend planen wir eine Befragung von Fachschullehrkräften, die insbesondere deren Zugangswege in den Beruf beleuchtet.

Es bedarf einer Professionalisierung des Kita-Systems.


Eigene empirische Untersuchungen haben bei der WiFF einen hohen Stellenwert. Was macht die Forschung des Projekts aus?


Wichtig ist, dass unsere Ergebnisse das Arbeitsfeld weiterbringen. Darum beziehen wir die Akteure in alle Phasen des Forschungsprozesses aktiv ein: von der Konkretisierung der forschungsleitenden Fragen bis zur Entwicklung von Schlussfolgerungen für die Praxis auf Basis der gewonnenen Ergebnisse.

Die größte Herausforderung liegt darin, die Expansion des Systems zu bewältigen und dabei die Qualität nicht nur zu halten, sondern weiter zu verbessern.


Wo sehen Sie in den nächsten Jahren die größten Herausforderungen für die Frühe Bildung?

Die größte Herausforderung sehe ich darin, die Expansion des Systems zu bewältigen und dabei die Qualität nicht nur zu halten, sondern weiter zu verbessern. Wir beobachten mit Sorge die durch den Fachkräftemangel hervorgerufene Tendenz, die bisher erreichten Standards - wie etwa bei der Ausbildung -  zu untergraben, obwohl es eigentlich um deren weitere Anhebung gehen müsste. Hier besteht also ein dringender Handlungsbedarf. Doch Veränderungen sind im Kita-System, an dem viele verschiedene Akteure mitwirken, gar nicht leicht umzusetzen. In der Vergangenheit war deshalb bereits mehrfach von der Notwendigkeit einer kohärenten Steuerung die Rede. Diese Forderung hat nichts an Aktualität eingebüßt.