Hintergrund

Arbeitsfeld Kita - mehr Personal, fehlende Anerkennung

17.01.2018

Der Arbeitsmarkt Frühe Bildung expandiert: 2017 arbeiteten in Kitas bundesweit rund 590.000 pädagogische Fachkräfte und Leitungen und damit 67% mehr als 2006. Ein Grund für das enorme Stellenwachstum ist der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Ein- und Zweijährige. Personell aufgestockt haben insbesondere Einrichtungen, in denen Kinder unter drei Jahren betreut werden. Mit umgerechnet rund 28.300 zusätzlichen Vollzeitstellen haben reine Krippengruppen zwischen 2006 und 2017 kontinuierlich personell aufgestockt (+97%). Die meisten Personalressourcen binden die erweiterten Kindergartengruppen (mit und ohne Zweijährige): Hier hat sich die Beschäftigtenzahl seit 2011 um rund 37.000 auf 219.000 rechnerische Vollzeitstellen erhöht. 

Stabile Struktur von Arbeitsmarkt und Beschäftigten

Mit einem Plus von 15% zwischen 2012 und 2015 ist die Anzahl der Beschäftigten in der Frühen Bildung deutlich stärker gewachsen als auf dem Gesamtarbeitsmarkt (+4%). Trotz dieser Expansion zeigt sich das Berufsfeld erstaunlich wandlungsresistent: So sind die Personalanteile öffentlicher und freier Träger seit 2007 nahezu unverändert. Ebenfalls stabil ist das Verhältnis von Voll- und Teilzeitarbeit: Sechs von zehn Beschäftigten arbeiteten 2007 wie 2016 in Teilzeit. Das in Kitas am häufigsten anzutreffende Qualifikationsprofil ist das der staatlich anerkannten Erzieherin bzw. des staatlich anerkannten Erziehers. 70% der pädagogischen Fachkräfte  haben heute, wie bereits zehn Jahre zuvor, diesen Berufsabschluss. Mit einem Frauenanteil von über 90% ist der Arbeitsmarkt weiblich dominiert. Sechs von zehn Beschäftigten in der Frühen Bildung arbeiteten 2016 in Teilzeit.

Das Verhältnis zwischen jüngerem und älterem Kita-Personal ist ausgewogen. Neben dem Zustrom überdurchschnittlich vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter 30 Jahren, zeichnet sich ein längerer Verbleib im Arbeitsfeld ab. So ist die Anzahl der über 50-Jährigen im vergangenen Jahrzehnt um 139% auf 164.000 Personen stark gestiegen. Fachkräfte in dieser Altersgruppe machen knapp ein Drittel (29%) der Kita-Belegschaft aus und bilden damit die größte Beschäftigungsgruppe im Jahr 2016.

Präsentation Fachkräftebarometer 2017, Personalwachstum und Ausbildung - zentrale Ergebnisse, S. 13

Fachkräfte vielerorts gesucht

Insbesondere in westlichen Ballungsräumen wird qualifiziertes Personal händeringend gesucht. Dabei ist der Arbeitsmarkt nahezu ausgeschöpft: 2016 waren bei der Bundesagentur für Arbeit in der Frühen Bildung rund 10.000 Personen arbeitslos gemeldet. 12% weniger als noch 2012. Die relative Arbeitslosigkeit, die Arbeitslosenquote, betrug 2015 nur noch 1,6% und erreichte damit ihr bisher niedrigstes Niveau.

Ausreichend qualifizierte Fachkräfte zu finden bleibt eine Herausforderung in der Frühen Bildung. Nach Berechnungen des Forschungsverbunds Deutsches Jugendinstitut/Technische Universität Dortmund beträgt bis 2025 die Personallücke in der Kindertages- und Grundschulbetreuung bis zu 329.000 Fachkräfte. Die Zahl berücksichtigt neben demografischen Faktoren nicht erfüllte Elternwünsche sowie ein verbessertes Fachkraft-Kind-Verhältnis.

Bestreben nach Aufwertung und höheren Löhnen

Mit einem Plus von 8% stieg das Bruttomonatsentgelt in der Frühen Bildung zwischen 2012 und 2015 etwas stärker als die Löhne auf dem Arbeitsmarkt insgesamt. Der Abstand zwischen dem Lohnniveau in der Frühen Bildung und den Löhnen aller Beschäftigten hat sich damit etwas verringert. Dennoch wurden die Beschäftigten in der Frühen Bildung 2015 mit einem Median-Gehalt von 3.037 € knapp 50 € schlechter entlohnt als die Beschäftigten insgesamt.

Um die Löhne zu erhöhen und damit  die Sozial- und Erziehungsberufe aufzuwerten, haben 2015 die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zum Streik aufgerufen. Ziel war unter anderem die höhere tarifliche Eingruppierung von Erzieherinnen und Erziehern. Am 30. September 2015 haben Gewerkschaften und kommunale Arbeitgeber nach wiederholten Verhandlungen eine Einigung erzielt: Erzieherinnen und Erzieher wurden in eine neue höhere Entgeltgruppe eingestuft, wovon insbesondere jüngere Fachkräfte profitieren. Insgesamt erhalten Erzieherinnen und Erzieher zwischen 4 und 4,5% mehr Lohn. Leitungen erwarten Steigerungen zwischen 5 und 9%. Der Abschluss galt rückwirkend zum 1. Juli 2015 mit einer Laufzeit bis 2020.

Der Beitrag von WiFF

  • Mit dem Fachkräftebarometer Frühe Bildung hat WiFF ein Instrument geschaffen, um die Dynamiken des Arbeitsmarktes im Zeitverlauf darzustellen.
  • Wie sich die Akademisierung im Kita-Team und aus Sicht der Träger gestaltet, behandeln die WiFF-Studien Nr. 25 und 26.
  • Analysen zum Arbeitsplatz Kita  vertiefen einzelne Aspekte zu Beschäftigungsbedingungen in der Frühen Bildung.
  • WiFF engagiert sich für die Professionalisierung der Fachkräfte als Grundlage einer höheren Anerkennung der frühpädagogischen Arbeit.
  • Wie sich ein Studium der Kindheitspädagogik auf Arbeitsmarktchancen und Karrierewege auswirkt, wird in der WiFF-Expertise Nr. 27 "Von der Hochschule an die Kita" untersucht.