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Neuer Datenbericht erschienen : Frühe Bildung im Umbruch: Weiteres Personalwachstum in westdeutschen Kitas – Stagnation im Osten

Rund 895.000 Personen arbeiteten 2024 in Kindertageseinrichtungen und damit 54.000 mehr als 2022. Hinter dieser bundesweiten Dynamik verbergen sich un-gleiche Entwicklungen: Während in Westdeutschland das Personal in diesem Zeitraum um 7% gewachsen ist, wurden im Osten nur wenige neue Stellen geschaffen (+2%). Im Vergleich zu 2023 gab es in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sogar erste leichte personelle Rückgänge. Ein Grund sind die Geburtenzahlen, die im Osten seit einem Höchststand 2016 um 29% gesunken sind. Im Westen setzte der Rückgang erst nach 2021 ein. Seitdem hat sich die Zahl der Neugeborenen dort um 14% verringert. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren aller  Voraussicht nach verstärken, wie empirische Analysen des neu erschienenen Fachkräftebarometers Frühe Bildung 2025 der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) zeigen.

„Die Nachfrage nach Kita-Plätzen und Fachkräften wird in den kommenden Jahren regional stark variieren und die Situation für Träger und Kommunen schwer planbar machen“, sagt Professor Dr. Thomas Rauschenbach, Leiter der Autor:innengruppe Fachkräftebarometer. „Es ist wichtiger denn je, diese Entwicklung kleinteilig zu beobachten, damit Verantwortliche angemessen und rechtzeitig reagieren können.“

Ungleiche Voraussetzungen für Bildung und Betreuung
Nicht nur die zukünftigen Personal- und Platzbedarfe variiert zwischen den Landesteilen, sondern auch die Rahmenbedingungen für die pädagogische Arbeit. So ist im Westen eine Fachkraft im Durchschnitt für 3,4 Krippen- und 7,0 Kindergartenkinder zuständig. Im Osten ist der Personal-Kind-Schlüssel mit 5,3 Krippen- und 9,6 Kindergartenkindern pro Fachkraft deutlich schlechter. Bei den Anteilen der hoch qualifizierten Kräfte, die über einen einschlägigen Fachschul- oder Hochschulabschluss verfügen, liegen die ostdeutschen Länder vorne: Mit Ausnahme Berlins reicht die Spannbreite von 88% in Mecklenburg-Vorpommern bis hin zu 94% in Thüringen. In den westdeutschen Ländern variiert dieser Anteil zwischen 54% in Bayern und 75% in Hessen und Rheinland-Pfalz. Angesichts der gestiegenen Anforderungen an die Frühe Bildung fordern Expertinnen und Experten eine Quote von mindestens 72,5%.

„Der nachlassende Ausbaudruck eröffnet die Chance, die Kita-Qualität in allen Bundesländern entsprechend fachlich empfohlener Standards anzuheben“, so WiFF-Leitung Professorin Dr. Kirsten Fuchs-Rechlin, die die Autor:innengruppe gemeinsam mit Professor Rauschenbach leitet. „Dies ist dringend notwendig, um den Kindern bundesweit gleiche Bildungschancen und Fachkräften vergleichbare Rahmenbedingungen für ihre Arbeit zu ermöglichen.“

Verschiebungen bei der Qualifikation des Kita-Personals
Mit Blick auf die gesamtdeutsche Zusammensetzung des pädagogischen Personals in Kitas zeigen sich leichte Veränderungen innerhalb des Qualifikationsgefüges. Der Anteil ausgebildeter Erzieherinnen und Erzieher ist in den letzten zehn Jahren von 68 auf 63% zurückgegangen. Während im Osten der Prozentsatz einschlägig akademisch Qualifizierter von 6 auf 7% (gegenüber zuletzt 5% im Westen) leicht zugenommen hat, wurden im Westen mehr Personen ohne einschlägige Berufs- oder Hochschulabschlüsse eingestellt – ihr Anteil stieg von 5 auf 6% (gegenüber zuletzt 3% im Osten). Letztere bilden dennoch eine kleine Gruppe von bundesweit rund 60.000 Personen. Eine vergleichbare Anzahl an Personen, nämlich 54.000, waren 2024 noch in einer einschlägigen Ausbildung und zugleich in einer Kita tätig. Im Zehnjahresvergleich ist ihr Anteil deutschlandweit von 4 auf 7% angestiegen, was auf die Einführung praxisintegrierter, vergüteter Ausbildungsformate zurückzuführen ist, die mittlerweile auf allen Ausbildungsebenen für die Frühe Bildung angeboten werden. Trotz dieser Verschiebungen sind Kindertageseinrichtungen nach wir vor von einer hohen Fachlichkeit geprägt: 86% des pädagogisch und leitend tätigen Personals verfügen über einschlägige Berufs- und Hochschulabschlüsse.

Hohe Bindung an das Arbeitsfeld Frühe Bildung
Auch wenn sich die Zusammensetzung des Personals leicht verändert hat, bleibt die Bindung der einzelnen Beschäftigten an das Arbeitsfeld hoch, wie Analysen zur beruflichen Mobilität frühpädagogischer Fachkräfte zeigen. Im Jahr 2023 ergriffen nur 5% der Fachkräfte bei einem Jobwechsel einen Beruf außerhalb der Kindertagesbetreuung. Zahlenmäßig sind sogar etwas mehr Personen aus anderen Arbeitsfeldern in die Kindertagesbetreuung eingemündet, als sie Personen verlassen haben.


Über das Fachkräftebarometer Frühe Bildung
Das Fachkräftebarometer Frühe Bildung liefert alle zwei Jahre auf Basis amtlicher Daten ausführliche Informationen über Personal, Arbeitsmarkt, Erwerbssituation sowie Ausbildung und Qualifizierung in der Frühpädagogik sowie im Ganztag. Weitere Informationen sowie die Publikation zum kostenlosen Download: www.fachkraeftebarometer.de

Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) wurde 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendinstitut initiiert, um die Elementarpädagogik als Basis des Bildungssystems zu stärken. WiFF wird in Kooperation mit dem Forschungsverbund DJI/TU Dortmund durchgeführt und aus Bundesmitteln gefördert. 

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