Beschreibungen der Foren 1 bis 4

Forum 1) Sprache im Kita-Alltag: Bücher erleben, Sprachtherapie und -bildung in der Praxis

Moderation: Dr. Regine Schelle, WiFF

Beitrag 1: Praxiskonzepte Inklusiver Sprachlicher Bildung
Professorin Dr. Solveig Chilla, Pädagogische Hochschule Heidelberg, Professor Dr. Jörg Mußmann, Universität Linz, Frauke Henneberg, Elbkinder – Vereinigung Hamburger Kitas

Wie können vordergründig getrennte Bereiche wie Sprachtherapie und Kita-Alltag vereint werden? An dieser Frage reibt sich der sprachpädagogische Alltag oft. Selbst wenn die Kita ein gelingendes Konzept integrativer sprachlicher Bildung entwickelt hat, ist offen, inwieweit es im Übergang von der Kita in die Schule aufrechterhalten und als individuelle sprachliche Bildung weiter ausgebaut werden kann. Durchgängige inklusive Sprachbildung erfordert Professionalisierung und konkrete Ideen für Prävention und Beratung. Wir stellen zwei gelungene Projekte vor: "Sprachtherapie im Kita-Alltag" (Elbkinder) und ein Projekt aus Gießen, das den Übergang von der Kita in die Schule fokussiert.

Beitrag 2: Literacy in der Kita – Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte durch das Leseprojekt "Erlebte Bücher"

Robert Jurleta, Landeskompetenzzentrum zur Sprachförderung an Kindertageseinrichtungen in Sachsen (LakoS), Leipzig

Seit 2015 entwickelt, koordiniert und leitet das LakoS zusammen mit seinen Kooperationspartnern das Leseprojekt "Erlebte Bücher". Bei Fortbildungen erfahren pädagogische Fachkräfte, wie sie allen Kindern ermöglichen können, sich intensiv mit Inhalt und Sprache der Bücher zu beschäftigen. Dabei wird vermittelt, wie sich Bilderbücher gezielt in unterschiedlichen Bildungsbereichen einsetzen lassen. Die Evaluationsergebnisse flossen 2016 in die Weiterentwicklung des Projekts ein, das jetzt mit dem Fokus auf Inklusive und Interkulturelle Pädagogik weitere Fachkräfte schult.

Beitrag 3: Kita-Fachkräfte und Grundschulen gestalten die Sprachbildung gemeinsam – das Projekt "Sprachbrücken"
Andrea Molkentin, Stadt Dortmund, Christiane Mika, Libellen-Grundschule, Dortmund

Wie kann durchgängige Sprachbildung gelingen? Ein in Dortmund entwickelter Orientierungsrahmen hat zum Ziel, die Sprachbildung in Kitas und Grundschulen weiterzuentwickeln. Das Projekt "Sprachbrücken" erprobt die Umsetzung des Orientierungsrahmens modellhaft. Dazu werden fünf Netzwerke aus Kitas und Grundschulen begleitet und unterstützt. Die von ihnen gemeinsam erarbeiteten Konzepte sollen dazu beitragen, Kinder durchgängig zum Umgang mit Sprache zu ermutigen und sie in ihrer sprachlichen Entwicklung zu stützen, Mehrsprachigkeit und Vielfalt wertzuschätzen und eine gelingende Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit Eltern zu gestalten. Ein Referenznetzwerk hat seine Konzepte und Verfahren bereits in Filmsequenzen dokumentiert.

Forum 2) Praxisbeispiele aus den Fachschulen: Sprachbildung und Inklusion in der Fachkräfte-Ausbildung

Moderation: Joanna Kratz, WiFF

Beitrag 1: Sprachliche Bildung und Inklusion in der Ausbildung von Kita-Fachkräften am Beispiel einer Fachschule in Hamburg

Levka Koch-Jensen, Berufliche Schule Hamburg-Harburg

Eine qualitativ hochwertige Sprachbildung erfordert gut ausgebildete Fachkräfte. Der Vortrag geht aus vom Hamburger Bildungsplan für die Ausbildung von Erzieherinnen im Fach Sprache und Kommunikation. Grundlegend für die Umsetzung im Unterricht ist ein Qualifizierungsmodul Sprache, das von 2007 bis 2011 im Rahmen eines DFG-Transferprojekts zusammen mit der Universität Hamburg entwickelt wurde. Vorgestellt werden Arbeiten von Schülerinnen und Schülern, die kindliche Äußerungen analysiert und bewertet haben. Außerdem wird berichtet, wie sich die Umsetzung des Bildungsplans steuern lässt, etwa durch die zentrale Abschlussprüfung.

Beitrag 2: Das Modellprojekt "Sprache macht stark! – Fachschule"
Kerstin Mehler, Mannheimer Zentrum für Empirische Mehrsprachigkeitsforschung (MAZEM)

Die fachschulische Ausbildung vermittelt grundlegende Kompetenzen für Inklusive Sprachliche Bildung. Eine besondere Herausforderung stellt die heterogene Schülerschaft mit unterschiedlichen (mehr-)sprachlichen Kompetenzen dar. Der Beitrag stellt das Modellprojekt "Sprache macht stark! – Fachschule" vor: An sechs Fachschulen in drei Bundesländern wurden schulspezifische Curricula zur Sprachlichen Bildung kooperativ entwickelt und wissenschaftlich begleitet implementiert. Anhand von Best-Practice-Beispielen und Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitung wird diskutiert, wie Inklusion im Unterricht umgesetzt und Inklusive Sprachliche Bildung als Ausbildungsgegenstand vermittelt werden.

Beitrag 3: Der Aufbaubildungsgang Sprachbildung der Fachschulen für Sozialpädagogik in NRW – Qualitätsstandards entwickeln und Lehrer/innen für den Unterricht qualifizieren
Dr. Hedwig Metschies, Hönne-Berufskolleg, Menden

In Nordrhein-Westfalen ermöglichen Fachschulen den Studierenden nach Abschluss der Ausbildung über Aufbaubildungsgänge (ABG) berufsbegleitend eine vertiefte Professionalisierung. Einer davon ist der ABG „Sprachbildung“, der in allen Modulen dem Anspruch von Inklusion verpflichtet ist. Seine Konzeption wurde durch die Technische Universität Dortmund wissenschaftlich begleitet. Forschungsergebnisse zur Sprachbildung wurden herangezogen, um fachliche Standards für das Curriculum zu setzen. Der Vortrag stellt den ABG vor und berichtet, wie Lehrende an Fachschulen darin unterstützt werden, die Professionalisierung der Studierenden wirksam zu fördern. Zudem wird ein Professionalisierungskonzept präsentiert und sein Nutzen erläutert.

Forum 3) Weiterbildungen zum Thema Sprachbildung: Kommunikation unterstützen, Interaktion und Sprache fördern

Moderation: Dr. Christina Buschle, WiFF

Beitrag 1: "Hab’ ich dein Ohr nur, find’ ich schon mein Wort" – Sprachsensibles Handeln als Grundlage inklusiver Pädagogik
Mechthild Dörfler, Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie, Bensheim

Wechselseitig aufeinander bezogenes Hören, Reden und Handeln bilden die Basis für gelungene Interaktionen in Kitas. Sprachförderung ist daher effektiver, wenn das Kind ermutigt wird, sich aktiv zu beteiligen, und das Angebot dem Interesse des Kindes folgt. Der Beitrag zeigt auf, wie interaktions- und sprachfördernde Strategien miteinander verbunden werden können und wie auf diese Weise eine positive Lernumgebung entstehen kann. Er beruht auf Erfahrungen mit einer kommunalen Qualifizierungsinitiative zur Sprachbildung in Kitas. Diese zeigen, dass es Zeit braucht, Veränderungen im kommunikativen Handeln und in den Abläufen der Kita einzuüben, anzupassen und im Team weiterzuentwickeln. Über den Erfolg entscheidet nicht zuletzt das Zusammenspiel zwischen pädagogischen Fachkräften und der Leitung einer Einrichtung.


Beitrag 2: "Unterstützte Kommunikation für alle" als inklusives Lehr- und Lernfeld
in Kindertagesstätten

Professorin Dr. Barbara Hänel-Faulhaber, Maren Lukasczyk, beide Universität Hamburg,
Franziska Sterner, Elbkinder – Vereinigung Hamburger Kitas

Inklusive Sprachliche Bildung konzentriert sich derzeit überwiegend auf die Förderung von gesprochenen Sprachen. Forschungsergebnisse belegen jedoch, dass Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten auch visuell unterstützt werden können. Davon profitieren (nicht nur) Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Der Kita-Träger Elbkinder entwickelte auf Basis dieser Erkenntnisse das Fortbildungsmodul "Unterstützte Kommunikation (UK) für alle". Es hat zum Ziel, Formen der visuell unterstützten Kommunikation als alltagsintegrierte Sprachförderung in inklusiven Kitas einzuführen. Im Vortrag werden das Fortbildungsmodul sowie erste Ergebnisse aus der Begleitforschung vorgestellt: Ausgewertet wurde, wie häufig Kinder in drei Kitas vor und sechs Monate nach der erfolgten Intervention Gebärdensprache in der Kommunikation einsetzen.

Beitrag 3: Das Qualifizierungskonzept "Die Sprache der Jüngsten entdecken und begleiten"
Dr. Eva Born-Rauchenecker, Deutsches Jugendinstitut, München

Damit pädagogische Fachkräfte in Bezug auf Sprachliche Bildung professionell handeln können, müssen sie für sprachliche Entwicklungsprozesse in der Kindheit einerseits und für die vielfältigen Funktionen von Sprache und Kommunikation andererseits sensibel sein. Ein Qualifizierungskonzept, das das Deutsche Jugendinstitut in Kooperation mit Weiterbildnerinnen und Weiterbildnern entwickelt hat, soll diese Kompetenzen fördern. In der Qualifizierung wird nach Möglichkeit mit Video-Aufnahmen aus dem Kita-Alltag gearbeitet. Anhand der Video-Vignetten und einer Leitfragen-gestützten Reflexion können Fachkräfte Sprachkompetenzen von Kindern entdecken, pädagogisches Handeln analysieren und Sprachbildungspotenziale ausloten. Der Vortrag stellt das Qualifizierungskonzept sowie erste Erfahrungen mit der Umsetzung vor.

Forum 4) Befunde aus der Forschung: Wie Fachkräfte ein- und mehrsprachige Kinder ideal fördern können

Moderation: Tina, Friederich, WiFF

Beitrag 1: Inklusive und additive Sprachbildung mit bilingualen Kindern in Kitas: ein Vergleich anhand von Daten der BIVEM-Studie
Dorothea Posse, Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS), Berlin

Profitieren mehrsprachige Kinder in der Kita mehr von inklusiven alltagsintegrierten Angeboten oder stärker von additiver Sprachförderung in Kleingruppen? Diese Frage wird immer wieder aus pädagogischer, linguistischer und fachpolitischer Perspektive diskutiert. Der Berliner Interdisziplinäre Verbund für Mehrsprachigkeit (BIVEM) hat in einer Längsschnittstudie 160 zwei- bis dreijährige Kinder mit den Erstsprachen Russisch und Türkisch begleitet und ihre Entwicklung in beiden Sprachen über drei Jahre untersucht. In einer Gruppe wurden die pädagogischen Fachkräfte fortgebildet, in der anderen führten externe Fachkräfte in Kleingruppen mit den Kindern sprachförderliche Aktivitäten durch. Die Kontrollgruppe erhielt keine zusätzlichen Angebote. Im Vortrag werden die Maßnahmen und ihre Auswirkungen auf die Sprachentwicklung der Kinder vorgestellt.


Beitrag 2: Fachliche Kompetenzen im Bereich der Sprachbeobachtung – Ergebnisse einer Fragebogenerhebung

Dr. Tobias Ruberg, Universität Bremen

Frühpädagogische Fachkräfte sollen Entwicklungsrisiken bei Kindern frühzeitig erkennen und den Spracherwerb unterstützen, indem sie am individuellen Sprachentwicklungsstand des Kindes ansetzen. Diesen müssen Fachkräfte bei ein- und mehrsprachigen Kindern einschätzen können. 120 Fachkräfte aus zehn Bremer Kitas der Bund-Länder-Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS) wurden zu ihrem Wissen über Sprache und Spracherwerb, ihren Haltungen und Einstellungen sowie den Rahmenbedingungen von Sprachbeobachtung und -förderung befragt. Die Ergebnisse belegen einen erheblichen Qualifizierungsbedarf u.a. aufgrund des geringen Wissens über sprachliche Strukturen.


Beitrag 3: Alltagsintegrierte Sprachförderung – Konzept und Wirksamkeit im Rahmen
des KOMPASS-Projektes

Professorin Dr. Tanja Jungmann, Universität Rostock

Alltagsintegrierte Sprachförderung hat großes Potenzial, Inklusion zu fördern. Das Projekt KOMPASS (Kompetenzen alltagsintegriert stärken und schützen) hat 16 Fachkräfte fortgebildet. Danach wurden ihr sprachspezifisches Wissen und ihr sprachförderliches Verhalten in Alltagssituationen sowie die sprachlichen Kompetenzen von 142 Kindern erfasst und zueinander in Bezug gesetzt. Die Ergebnisse zeigen: Das Wissen der Fachkräfte und die kindlichen Sprachkompetenzen nahmen nach den Fortbildungen signifikant zu. Den größten Einfluss auf die kindlichen Sprachkompetenzen hat das spezifische Wissen der Fachkräfte, gefolgt von der Qualität der Kindertageseinrichtung und der Fortbildungsteilnahme der Fachkräfte. Anschließend an diese Befunde wird der Stellenwert alltagsintegrierter Sprachförderung in inklusiven Settings diskutiert.