Tagung: Das Essen der Kinder – zwischen Pädagogisierung, Konsum und Kinderkultur

06.12.2018 bis 07.12.2018
Universität Bielefeld/Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF)
Methoden 1, 33615 Bielefeld

Tagung des Zentrums für Kindheits- und Jugendforschung (ZKJF) in Kooperation mit der
Frankfurt University of Applied Sciences und der Technischen Hochschule Köln

In der europäischen Kulturgeschichte der Moderne ist Ernährung eng mit pädagogischen Erwartungen und Zielen verknüpft. Dies zeigt sich aktuell in den kritischen Debatten zum Ernährungsverhalten westlicher Gesellschaften, in denen Ernährung und Essenssituationen als bedeutende Erziehungs-, Bildungs- und Präventionsgegenstände verhandelt werden. Wenngleich diese Perspektiven quer über die Lebensphasen hinweg als relevant erkannt werden, ist es gerade das Essen von Kindern, das im Blick der (fach-)öffentlichen Aufmerksamkeit steht.

Vor dem Hintergrund von Befunden zur Gewichtszunahme von Kindern und zu esskulturellen Transformationen, in denen die Verlagerung der nutritiven Sorgearbeit von der Familie hin zu pädagogischen Einrichtungen und die Diagnose des Bedeutungsverlustes der Familienmahlzeit eine prominente Rolle spielen, wird ein Problemdiskurs um die kindliche Ernährung geführt. In modernisierungskritischem Modus werden die Entwicklungen vielfach als Verlust basaler ernährungs- und gesundheitserzieherischer Lernräume, Spiegel familialer Erosion, aber auch Aufgabe und Chance für öffentliche Erziehung und Bildung diskutiert. Schließlich werden Kinder heute vermehrt in pädagogischen Einrichtungen verpflegt.
Die entsprechenden Diskurse sind von präskriptiven Annahmen zum kindlichen Essen und zur pädagogischen Relevanz von Essenssituationen und Nahrungskonsum geprägt. Das kindliche Essverhalten wird hierbei als grundlegend anders als das der Erwachsenen bestimmt: als maßlos und triebgesteuert. Essenssituationen werden wiederum als pädagogische Situationen par excellence gehandelt. Diese Diskursfiguren haben eine lange Tradition in der pädagogischen Kindheitsgeschichte der Moderne und zählen bis heute zu den kaum hinterfragten Selbstverständnissen pädagogischer Verhandlungen zur kindlichen Ernährung. Dabei liegt wenig Empirie zum konkreten Umgang und den subjektiven Perspektiven von Kindern auf Essen und Ernährung vor. Selbiges lässt sich zu den vielfältigen alltagspraktischen Arrangements der Essensversorgung und den sich hierbei vollziehenden Erziehungs- und Sorgepraktiken feststellen. Auch stehen systematische Untersuchungen zu pädagogischen Dimensionen von Essen in der Kindheit aus, in deren Rahmen das Verhältnis zwischen der älteren und der jüngeren Generation im Kontext der Nahrungsversorgung bislang kaum untersucht ist.

Die Veranstalter möchten die Debatte um das Essen von Kindern und dessen Pädagogisierung mit kultur- und erziehungswissenschaftlichen sowie kindheitstheoretischen Perspektiven erweitern. Zwei Anliegen stehen dabei im Zentrum: Zum einen sollen die Breite und Vielfalt an Essensarrangements der Kindheit sichtbar gemacht und in ihrer pädagogischen Relevanz untersucht werden. Zum anderen soll den kindlichen Perspektiven auf die kulinarische Welt und ihren Aneignungstätigkeiten Raum gegeben werden, um neue Einblicke in Praktiken des Kindseins zu erhalten.

Keynotes:

  • Dr. Daniel Kofahl (Büro für Agrarpolitik und Ernährungskultur – APEK): "Natürlich achte ich auf die Ernährung meiner Kinder" – Eine Soziologie kommunikativ-medialer Räume alimentärer Kindheit
  • Prof. Dr. Burkhard Fuhs (Universität Erfurt): Das Essen von Kindern als Third Culture. Zur Frage der Eigenständigkeit kindlicher Esskultur in Familien mit zwei Küchentraditionen
  • Prof. Dr. Lotte Rose (Frankfurt University of Applied Sciences) und Prof. Dr. Marc Schulz (Technische Universität Köln): Das neugierige und widerständige Kind. Praktiken und Diskurse der Erziehung des Kinderessens

Informationen zu den Anmeldemodalitäten sollen demnächst folgen.

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