Potenzial von Fachkräften mit Migrationshintergrund bleibt in Kitas ungenutzt

16.05.14

In Kindertageseinrichtungen sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund unterrepräsentiert und oftmals beruflich schlechter gestellt. Im "Nationalen Aktionsplan Integration" haben sich Bund und Länder verpflichtet, den Anteil der Fachkräfte mit Migrationshintergrund zu erhöhen und die Anerkennung von ausländischen Bildungs- und Berufsabschlüssen zu erleichtern. Welche Rahmenbedingungen sind dafür notwendig? Welche Potenziale bietet die Öffnung des Arbeitsfelds für kulturelle Vielfalt? Dies erforschte das Projekt "Pädagogische Fachkräfte mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten" der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Dreiviertel aller befragten Leitungen von Fachschulen, die Erzieherinnen und Erzieher ausbilden, finden ein interkulturell orientiertes Schulprofil wichtig. Allerdings denken sie kaum daran, mehr Migrantinnen und Migranten als Lehrkräfte zu gewinnen. Bedia Akbaş, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt, stellt fest: "Exklusion und diskriminierende Zuschreibungen gegenüber Migrantinnen und Migranten werden in der Ausbildung kaum thematisiert, obwohl alle interviewten Fachschülerinnen und Fachschüler mit Migrationshintergrund von solchen Erfahrungen berichten." Auch im Berufsleben sind Fachkräfte mit Migrationshintergrund schlechter gestellt: Sie sind häufiger befristet beschäftigt und seltener in Leitungspositionen, wie eine Befragung von 347 Kitas ergab. Das Forscherteam schließt daraus, dass diversitätsbewusste und diskriminierungskritische Elemente im professionellen Selbstverständnis sowie in Konzepten von Kindertagesstätten strukturell verankert werden müssen. Zudem bedarf es einer Personalpolitik für Fachschulen und Einrichtungen, die es ermöglicht, mehr Menschen mit Migrationshintergrund als Lehrkräfte und in Leitungspositionen einzustellen. Projektleiter Prof. Dr. Rudolf Leiprecht empfiehlt die "Entwicklung von verbindlichen Leitlinien und Standards der migrationsgesellschaftlichen
Öffnung in frühpädagogischen Einrichtungen und der Aus- und Weiterbildung,
welche im Sinne von Qualitätsmanagement und Organisationsentwicklung
überprüfbar und zertifizierbar sein sollten."

Anerkennung ausländischer Abschlüsse ist unzureichend
Fachkräfte, die im Ausland eine pädagogische Qualifikation erworben haben,
stoßen in Deutschland auf Hürden wenn sie in ihrem Beruf arbeiten wollen. Denn ob und auf welchem Niveau sie in der Kita tätig sein können, hängt stärker von den Verfahrensweisen der einzelnen Bundesländer als von ihren Qualifikationen ab. Die Entwicklung einer einheitlichen Richtlinie, auf die sich Kultusministerkonferenz und Länder 2011 verpflichtet haben, ist bisher nicht erfolgt. „Daraus resultiert eine Verfahrensungerechtigkeit und eine zu geringe Anerkennungsquote“, bemängelt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Iris Gereke. Auch die Qualifizierungsmaßnahmen in den Bundesländern sind oftmals nicht ausreichend auf die Bedarfe und Kompetenzen der Zugewanderten ausgerichtet. Die Personalausstattung der Anerkennungsstellen der Bundesländer entspricht zudem weder der steigenden Zahl der Anträge noch dem hohen Beratungsbedarf. Die Folge sind abgebrochene Anerkennungsverfahren und ein schlechter Informationsstand bei zugewanderten Fachkräften. Dabei weist die Untersuchung nach: Bei einem schnellen Zugang zum Berufsfeld, einer begleitenden Einstiegsphase sowie einem offenen Kita-Team sind Zugewanderte innerhalb kürzester Zeit sehr erfolgreich beim Erwerb der erforderlichen Sprach- und Fachkenntnisse für die Kita.

Über das Forschungsprojekt
Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg hat für das Projekt "Fachkräfte
mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten: Ressourcen - Potenziale
- Bedarfe" alle zuständigen Anerkennungsstellen der Bundesländer, zugewanderte Fachkräfte, Leitungen von Fachschulen für Sozialpädagogik und von Kindertagesstätten per Fragebogen befragt. Zusätzlich wurden Interviews mit den Anerkennungsstellen und den zugewanderten Fachkräften, sowie Fachschülerinnen und Fachschülern und Kita-Fachkräften mit Migrationshintergrund durchgeführt, ergänzt um Gruppendiskussionen mit
Kita-Teams. Weitere Informationen

Kontakt
Dipl.-Päd. Iris Gereke
0441/798-2375
iris.gereke(at)uni-oldenburg.de