Kita-Träger sind noch zurückhaltend gegenüber Akademisierung frühpädagogischer Fachkräfte

16.05.14

Neben der Erzieherinnenausbildung an Fachschulen etablieren sich kindheitspädagogische Studiengänge, die ebenfalls für die Arbeit in Kitas qualifizieren. Diese Akademisierung des Berufsfeldes ist mit Ambivalenzen und Konflikten verbunden. Das Projekt "Akademisierung frühpädagogischer Fachkräfte" (AKIPÄD) erforschte, wie hochschulisch ausgebildete Fachkräfte und ihre spezifischen Kompetenzen in die Praxis integriert werden.

Nicht alle Studierenden der Kindheitspädagogik wollen nach ihrem Studium in einer Kita arbeiten, da die beruflichen Rahmenbedingungen nicht ihren Erwartungen entsprechen. Die Einschätzung der Träger ist ambivalent: Sie stehen den neuen Studiengängen zwar grundsätzlich positiv gegenüber und halten eine Steigerung der Akademikerinnen-Quote für wünschenswert und fachlich sinnvoll. Doch hat nur die Minderheit der Kita-Träger vor, gezielt hochschulisch gebildetes Personal einzustellen. Und wenn, dann vor allem für Leitungspositionen. Im Interview äußerten Trägervertreterinnen und Trägervertreter die Sorge, den Fachkräften mit einem akademischen Abschluss weder ein angemessenes Gehalt noch Aufstiegschancen bieten zu können. Insgesamt stehen sie der Akademisierung des Berufsfeldes zurückhaltend gegenüber.

"Der Einsatz von akademisch ausgebildeten Kräften in Kitas wird vielfach gefordert. Die Träger setzen diese Forderung jedoch noch nicht auf breiter Basis um", so die Projektleitung Dr. Sybille Stöbe-Blossey vom Institut Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen. "Notwendig sind Kooperationen mit den Hochschulen und eine bessere Information der Träger über die Studiengänge. Zudem sind eine angemessene Organisationsentwicklung für multiprofessionelle Teams in den einzelnen Kitas sowie Karrierewege für akademisch ausgebildetes Personal erforderlich."

Akademisierung in der Frühpädagogik
Der Akademisierungsprozess im Elementarbereich ist in Deutschland eine neue Entwicklung: Seit 2004 bieten Hochschulen kindheitspädagogische Studiengänge an. Der Einsatz von Akademikerinnen und Akademikern ist in Kindertageseinrichtungen bislang die Ausnahme. Laut Statistischem Bundesamt verfügen 3,7% des Kita-Personals über ein Studium. Dies entspricht 20.163 Fachkräften, von denen nur 1.017 Kindheitspädagogik studiert haben.

Über AKIPÄD
Das Verbundprojekt "Akademisierung frühpädagogischer Fachkräfte – Zwi-schen Arbeitsplatznähe und Professionalisierung" wird durchgeführt vom Institut für soziale Arbeit e.V. (ISA) in Münster und dem Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen. Das Forscherteam hat in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Thüringen Träger und Studierende der Kindheitspädagogik befragt sowie Fallanalysen von Studi-engängen und bei Kita-Teams durchgeführt. Weitere Informationen: www.akipaed.de

Kontakt PD
Dr. Sybille Stöbe-Blossey Universität Duisburg-Essen, Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ)
0203/379-1806
sybille.stoebe-blossey(at)uni-due.de

André Altermann
ISA e.V. (Institut für Soziale Arbeit), Münster
0251/92536-0
andre.altermann(at)isa-muenster.de