Fachberatung im Krisenmanagement – Multitasking mit Fokus auf Gesundheitsschutz

10.07.20

Blitzlichter aus der WiFF-Fachberatungsstudie zur Corona-Situation

Erste Zwischenergebnisse der WiFF-Studie "Fachberatung in Kindertageseinrichtungen" zeigen auf, wie die befragten Fachberaterinnen und Fachberater die Corona-Zeit wahrnehmen und wie sich ihre Tätigkeit durch die Pandemie verändert hat. Die 25 Interviews wurden im Zeitraum März bis Juni 2020 geführt.

Erweitertes Aufgabenspektrum für die Fachberatung

Die Mehrheit der befragten Fachberaterinnen und Fachberater berichtet von einem "wahnsinnigen Mehraufwand", den sie aufgrund von Corona zu leisten haben. Sowohl das Arbeitspensum als auch die Aufgabenpalette haben sich enorm ausgeweitet: von der Beratung der Träger und Leitungskräfte bei der Planung und Umsetzung von Not­betreuung und Gesundheitskonzepten über die Erstellung von Hygieneplänen für die Kita bis hin zu Handreichungen für Eltern und (digitalen) Angeboten für die Kinder zu Hause. Sie "informieren" und "beruhigen" zudem die Kita-Fachkräfte bei Sorgen und Ängsten hinsichtlich der eigenen Sicherheit und Gesundheit im Umgang mit Corona und des eigenen Infektionsrisikos.

Corona-Pandemie als Belastungsprobe für die Teams

Kitas sind für ihr gutes Arbeitsklima bekannt. Das scheint Corona zu ändern. Aus Sicht der Fachberatungen stellt sich die Situation in den Teams als "neue Zerreißprobe" dar. Die Teams sind in dieser Krise deutlich anfälliger für "Konflikte". Die Fachkräfte erleben die Situation als herausfordernd und belastend - mit negativen Folgen für die Zusammenarbeit. So ist es wenig erstaunlich, dass die Aufgabe der Fachberatungen auch darin besteht, die Leitungen dabei zu begleiten, die Teams in der aktuellen Zeit zusammenzuhalten.

'Social Distancing' als neue Herausforderung

Aufgrund der Kontaktbeschränkungen und des "Betretungsverbots" in den Kindertagesein­richtungen wählen die befragten Fachberaterinnen und Fachberater übereinstimmend Telefon und E-Mail, um mit den pädagogischen Mit­arbeiterinnen und Mitarbeitern in Kontakt zu treten. Viele empfinden es als herausfordernd, sich über bestimmte Themen per Video oder Telefon auszutauschen und Fallbesprechungen, Konflikt­beratung und Supervision auf Distanz durchzuführen.

Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung

Auch begegnen einige Fachberaterinnen und Fachberatern bei ihrem Einsatz von Videokonferenzen und Online-Seminaren Probleme bei datenschutzrechtlichen Aspekten. Die eigene und die technische Ausstattung der Kitas schätzen einige Fachberatungen in den Interviews als nicht ausreichend ein, um die Einrichtungen gut zu beraten und somit, auch langfristig gesehen, auf digitalem Wege in Kontakt zu treten.

Fachberatung gestaltet den Übergang zum Regelbetrieb

Die befragten Fachberatungen berichten explizit über ihre Gedanken zum Übergang von der "Notbetreuung" in Kleingruppen, zur stufenweisen Öffnung der Betreuungskapazitäten bis hin zum regulären Kita-Alltag. Die Fachberaterinnen und Fachberater gehen davon aus, dass die Betreuung der Kinder, aufgrund der Abwesenheit vom Kita-Alltag von teils mehreren Monaten, wieder behutsam gestartet werden muss, eventuell auch begleitet durch ein Eingewöhnungskonzept. Auch ist es aus Sicht der Fachberatungen wichtig, die mit der Corona-Situation einhergehende Belastungssituation für die pädagogischen Mitarbeitenden, für die Leitungskräfte und auch für sich selbst sensibel wahrzunehmen und zu thematisieren.

Fazit: Fachberatung hat in der Krise Systemrelevanz

Die einzelnen Erfahrungsberichte der befragten Fachberaterinnen und Fachberater und die daraus resultierenden Blitzlichter zeigen die Vielfalt der Themen und Herausforderungen auf, mit denen sich die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Leitungs- und Fachkräfte aber auch die Träger  in der Krise konfrontiert sehen. Bei der Bewältigung der Corona-Pandemie leisten die Fachberatungen  dabei eine bedeutsame Unterstützungs-, Begleitungs- und Beratungsarbeit für das frühkindliche Betreuungssystem.

Blitzlichter aus der WiFF-Fachberatungsstudie zur Corona-Situation (PDF)

Kontakt:

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Anna-Katharina Kaiser, Wissenschaftliche Referentin

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