Die Personalnot in den Kitas ist im vergangenen Jahr noch gewachsen!

12.03.20

Ergebnisse der DKLK-Studie 2020

Der Mangel an Erzieherinnen und Erziehern ist mittlerweile so gravierend, dass 75 % der Kita-Leitungen nicht einmal mehr Zeit finden, sich weiterzubilden. Vier von fünf Kita-Leitungen (78,5 %) beklagen, dass es innerhalb der letzten 12 Monate noch schwieriger geworden ist, offene Stellen zu besetzen. Über digitale Unterstützung – etwa durch Verwaltungs-und Kommunikationssoftware – verfügt nur ein Teil der Kitas. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen DKLK-Studie 2020, die im Rahmen des Deutschen Kitaleitungskongresses in Düsseldorf vorgestellt wurde und die ein aufschlussreiches Stimmungs-und Meinungsbild der Führungskräfte in den Kindertagesstätten zeichnet.

An der Umfrage, welche zum mittlerweile zum sechsten Mal erhoben wurde, haben 2.795 Kita-Leitungen teilgenommen. Die Studie wurde unter wissenschaftlicher Begleitung durch Prof. Dr. Ralf Haderlein, Hochschule Koblenz, erhoben. Er zeigte auf, dass der schon jetzt gravierende Personalmangel in den Kitas sich eher noch auswachsen werde. „Trotz aller Bemühungen konnte der Fachkräftemangel in den Kitas bislang nur in begrenztem Umfang adressiert werden und auch für die Zukunft steht zu befürchten, dass die bisherigen Maßnahmen bei Weitem nicht ausreichen werden“, sagte er. Denn der Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern steige – beispielsweise durch den angekündigten Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz in der Grundschule.

Weitere Ergebnisse der Studie:

  • Für knapp 90 % der Kita-Leitungen ist die enorme Arbeitsbelastung Ursache für den hohen Krankenstand ihrer Fachkräfte.
  • 69 % der Befragten bewerten die aktuelle Arbeitsbelastung als akut gesundheitsgefährdend.
  • Drei von vier Kita-Leitungen (76 %) bewerten das öffentliche Bild ihrer Tätigkeit als vorurteilsbehaftet. Die mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung enttäuscht gerade jüngere Leitungskräfte. Mehr als die Hälfte in dieser Altersgruppe beklagt sogar sehr starke bis starke Vorurteile in den Köpfen der Gesellschaft.
  • Lediglich 2,9 % der Kita-Leitungen empfinden angemessene Wertschätzung durch die Politik.
  • Knapp 50 % aller Kitas verfügen über eine ausreichende Ausstattung mit digitalen Endgeräten. 29,4 % der Einrichtungen verfügen nur über eine schlechte oder sehr schlechte digitale Infrastruktur.

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), nahm auf die Ergebnisse Bezug: „Kein Wunder, dass die hilflos erscheinenden Versuche der Politik, dem Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen, bei pädagogischen Fach-und Leitungskräften auf Kopfschütteln stoßen – umso mehr, wenn man dagegen die geplante Verwendung der Mittel aus dem Gute-Kita-Gesetz betrachtet: Viele Bundesländer haben angekündigt, einen großen Teil der zusätzlichen Finanzmittel nicht etwa in spürbare Maßnahmen zur Qualitätssteigerung – an erster Stelle eine Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels und Strategien zur Gewinnung von Fachkräften – zu stecken, sondern diese stattdessen für eine Senkung oder (Teil-)Abschaffung der Elternbeiträge einzusetzen (z.B. Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Nordrhein-Westfalen).“

Stephan Behlau, Landesvorsitzender des VBE Nordrhein-Westfalen, forderte bessere Arbeitsbedingungen für die Kita-Beschäftigten, um den Beruf auch für den Nachwuchs attraktiver zu machen. „Die Landesregierung sollte nicht immer auf das hohe Engagement der Fachkräfte setzen, sondern ihnen spürbare Wertschätzung entgegenbringen, sie entlasten und dadurch mehr Menschen für den Beruf begeistern."

„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, dafür zu sorgen, dass wichtigen Anliegen und Probleme von Kitaleitungskräften, Fachberatungen und Trägervertretungen bundesweit dauerhaft eine Stimme gegeben wird und diese bei allen zuständigen Bildungsverantwortlichen und der Politik gehört wird“, erklärte Michael Gloss, Geschäftsführer bei der Wolters Kluwer Deutschland GmbH mit Blick auf den DKLK und die DKLK-Studie.

Der für die Kitas in Nordrhein-Westfalen zuständige NRW-Familienminister Dr. Joachim Stamp würdigte in einem Grußwort die Bedeutung des DKLK: „Kita-Leitungen nehmen eine Schlüsselrolle bei der qualitativen Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildung ein. Damit sie ihre Arbeit bestmöglich umsetzen können, benötigen sie auch gute Rahmenbedingungen. Es ist das Ziel der nordrhein-westfälischen Landesregierung, die Qualität der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung weiter zu verbessern.“ Er betonte: „Der Deutsche Kitaleitungskongress ist für Fachkräfte, Fachberatungen und Träger eine hervorragende Gelegenheit, sich über die aktuellen Entwicklungen in der frühkindlichen Bildungslandschaft zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen.“

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