
Den Abschluss der Auftaktveranstaltung bildete ein Podiumsgespräch mit Vertretern der Länder, Kommunen, Träger und der Ausbildung zu der Frage, welche Bedeutung die Weiterbildung frühpädagogischer Fachkräfte in ihrem Arbeitsfeld hat.
Die Podiumsteilnehmer waren auf Länderebene Dagmar Friedrich, Ministerialrätin im MGFFI in Nordrhein-Westfalen und Andreas Hilliger, Abteilungsleiter im MBJS in Brandenburg. Die kommunale Ebene vertrat Jörg Freese vom Deutschen Landkreistag und als Trägervertreter sprach Frank Jansen, Geschäftführer des Verbandes Kath. Tageseinrichtungen für Kinder (KTK). Die Seite der Ausbildung wurde von Prof. Dr. Petra Strehmel, Professorin an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg und Vorsitzende der BAG - BEK (Bundesarbeitsgemeinschaft - Bildung und Erziehung im Kindesalter) sowie von Eckehard Zühlke von der Bundesvereinigung Evangelischer Ausbildungsstätten repräsentiert.
Dagmar Friedrich sieht angesichts der wachsenden Bedeutung der frühkindlichen Bildung und Erziehung kontinuierlichen Weiterbildungsbedarf der frühpädagogischen Fachkräfte. Das neue Kinderbildungsgesetz in Nordrhein-Westfalen macht den Weiterbildungsbedarf in den Bereichen U3, Sprachförderung und Weiterentwicklung zu Familienzentren besonders deutlich. Aber auch das Anliegen, Kinderpflegerinnen nach 2011 eine Perspektive im Arbeitsfeld bieten zu wollen, stellt Fragen nach der Weiterqualifizierung der im Arbeitsfeld bereits tätigen Personen.
Weiterbildungsbedarf sieht Eckehard Zühlke auch in den verschiedenen Bereichen des Bildungsplanes. Als Qualifizierungsansatz berichtet er vom Verbundstudiengang beim Fröbelseminar, bei dem in vier Jahren die Erzieherinnenausbildung und ein Bachelorstudiengang gleichzeitig absolviert werden können, von einem geplanten berufsbegleitenden Aufbaustudiengang und von einem hessischen Modellprojekt zur Modularisierung der Fachschulausbildung.
Jörg Freese thematisiert die Rahmenbedingungen, in dem er als Herausforderung für das Gelingen des Projektes die Frage aufwirft, wie das Thema der Qualität in die Köpfe und Herzen der Verantwortungsträger außerhalb der Gruppe der Fachexperten – der Bürgermeister, Landräte, Kreis- und Gemeindevertreter – gebracht werden kann.
Auch Frank Jansen als Trägervertreter problematisiert, dass hochwertige Weiterbildung in der Praxis verpufft, wenn sich an den Rahmenbedingungen – schlechter Personalschlüssel, zu viel Teilzeit, zu wenig Team- und zu wenig Verfügungszeit, um das Gelernte zu reflektieren und umzusetzen – nichts ändert. Er kritisiert, dass es in Deutschland keine länderübergreifende Verständigung über Qualitätsanforderungen und –standards in Kindertageseinrichtungen gibt.

Dem widerspricht Andreas Hilliger und verweist auf den KMK- und JMK-Beschluss zu Grundsätzen elementarer Bildung von 2004, der zumindest eine Verständigung über die bildungspolitischen Herausforderungen im Kita-Bereich darstellt. Bezüglich der Rahmenbedingungen, spricht er von einem Spagat zwischen den erhöhten Erwartungen und den strukturellen Voraussetzungen, der zu realisierennoch nicht richtig ausbalanciert sei. Eine Verständigung hierüber sowie über das Qualifikationsniveau der Fachkräfte hält er für wichtig, aber nicht loslösbar von der Kostenfrage.
Eckehard Zühlke erinnert an den PiK-Orientierungsrahmen und die Bildungspläne der Länder als vorliegende Referenzrahmen. Er mahnt aber an, noch genauer zu bestimmen, was genau der Gegenstand der Diskussionen und Entwicklungen ist und von welcher Perspektive aus dieser betrachtet wird: aus der institutionellen Perspektive, die die Zugehörigkeit zu Krippe, Kita oder Grundschule in den Blick nimmt, oder aus der kindbezogenen Perspektive, die eine bestimmte Altersgruppe fokussiert.

Aus dem Publikum meldet sich Christa Preissing zu Wort, die auf die Ergebnisse der Nationalen Qualitätsinitiative hinweist. Die bereits geführten Diskussionen auf Bundes-, Länder- und Verbandsebene zu Schlüsselkompetenzen sollten nicht vergessen werden.
Petra Strehmel bestätigt, dass ihre Studierenden zwar viele Impulse aus dem Studium mit in die Praxis nehmen, aber einiges unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht umsetzen können. Ihr Wunsch an die Weiterbildungsinitiative ist, zum einen die Erfahrungen der neuen Studiengänge bezüglich der Motivation und der Barrieren zum Studium, der Lernprozesse, der Berufseinmündung und der Umsetzung in der Praxis zur Kenntnis zu nehmen. Zum anderen hält sie es für wichtig, Weiterbildung nicht nur als individuellen Prozess zu sehen, sondern Modelle zu entwickeln und zu erproben, wie Weiterqualifizierung in Organisationsentwicklungsprozesse mit Modulen und Prüfungen eingebettet werden kann. Zu bedenken gibt sie auch den Mangel an Nachwuchs, der die Lehre im Weiterbildungsbereich übernehmen soll.
Für Frank Jansen wäre eine Leistung der Weiterbildungsinitiative, wenn sie zu mehr Transparenz und einer Systematisierung des Weiterbildungsmarktes führen würde. Ein Überblick über Inhalte und Methoden sowie Ergebnisse von Effektstudien hält er für eine hilfreiche Orientierung bei der Planung von Weiterbildungsangeboten. Dem schließen sich Dagmar Friedrich und Jörg Freese an, die sich ebenfalls von einer Bestandsaufnahme bzw. einem kontinuierlich aktualisierten Überblick über das, was bundesweit läuft, eine Unterstützung ihrer Arbeit erhoffen.
Eine Diskussion über das Verhältnis von frühpädagogischen Basiskompetenzen und bestimmten Spezialisierungen und damit implizit übder die Zusammensetzung der Teams von Fachkräften in Kitas entbrennt zwischen Frank Jansen, Andreas Hilliger und Eckehard Zühlke.
Nach Petra Strehmel illustriert eine solche Kontroverse auch den Forschungsbedarf der in diesem Feld noch herrscht. Der Umgang mit und die Vermittlung von neuen Forschungsergebnisse ist für sie auch ein Thema, welches sich WiFF annehmen sollte.

Die Schlussworte haben die drei Initiatoren Dr. Stefan Luther vom BMBF, Günter Gerstberger von der Robert Bosch Stiftung und Prof. Dr. Thomas Rauschenbach vom DJI. Thomas Rauschenbach beendet die Veranstaltung mit dem Plädoyer, dass die Gunst der Stunde und die enorme politische Rückendeckung genutzt werden müssen, um den frühkindlichen Bereich hinsichtlich Status und auch Bezahlung der Fachkräfte denen der Grundschule anzunähern. Für ihn hat die Weiterbildungsinitiative zwar einen Fokus auf Weiterbildung, zielt aber auch auf die Weiterentwicklung des gesamten Feldes.

