Kompetenzorientierung in der Weiterbildung - Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte

Weiterbildungsinitiative
Frühpädagogische Fachkräfte - Kompetenzorientierung in der Weiterbildung

 
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Teilzeitmodelle in der Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher

Ergebnisse einer WiFF-Befragung von Studierenden an Fachschulen für Sozialpädagogik

Immer mehr Fachschulen für Sozialpädagogik bieten berufsbegleitende Ausbildungsgänge in Teilzeit an. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass die Studierenden bei einer sozialpädagogischen Einrichtung angestellt sind und dort von Beginn an arbeiten. Mittlerweile entscheiden sich 20% der angehenden Fachkräfte für diese Form der Ausbildung. WiFF hat Studierende schriftlich und mündlich befragt, um herauszufinden, wie sie die neuen Ausbildungsmodelle wahrnehmen und bewerten.

Wer entscheidet sich für eine berufsbegleitende Ausbildung?
Noch in Ausbildung oder schon Kita-Fachkraft?
Wie werden die Studierenden am Lernort Praxis begleitet?
Über die WiFF-Ausbildungsstudie

Wer entscheidet sich für eine berufsbegleitende Ausbildung?

20.08.2015

Um mehr Personen für eine Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher zu gewinnen, bieten Fachschulen für Sozialpädagogik zunehmend berufsbegleitende Ausbildungsgänge in Teilzeit an. Anders als bei der Vollzeitausbildung, arbeiten die Studierenden von Beginn an in einer Einrichtung und werden dafür regulär bezahlt. Die finanzielle Absicherung soll einen Anreiz für den Wechsel in das Arbeitsfeld Kita schaffen. Gelingt es den berufsbegleitenden Modellen neue Zielgruppen für die Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher zu erschließen? Mit dieser Frage hat sich WiFF im Rahmen einer Ausbildungsstudie (weitere Informationen siehe unten) befasst.

Kaum Unterschiede bei der Schulbildung

Bei der Schulbildung unterscheiden sich Schülerinnen und Schüler in Voll- und Teilzeit kaum: die meisten haben eine Mittlere Reife, gefolgt von der Fach- und Hochschulreife.

Gültige N: 613 Studierende, davon 357 in Vollzeit und 256 in Teilzeit
Quelle: Kratz/Stadler 2015

Teilzeit-Studierende haben Berufserfahrung

84% der Teilzeit-Studierenden haben zuvor eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen, 80% waren bereits erwerbstätig. Bei den Studierenden in Vollzeit verfügen 66% über ein Studium oder eine Ausbildung, 50% waren schon mal erwerbstätig.

Die Teilzeit-Studierenden konnten überwiegend aus Bereichen außerhalb der Kinder- und Jugendhilfe bzw. der Pädagogik gewonnen werden: 65% gaben an, eine nicht-pädagogische Ausbildung oder ein nicht-pädagogisches Studium absolviert zu haben. Bei den Vollzeit-Studierenden, die zuvor einen Abschluss erworben haben, trifft dies nur auf 30% zu.

Größere Altersspanne

85% der Vollzeit-Studierenden sind zwischen 19 und 29 Jahre alt; das Durchschnittsalter liegt bei 25 Jahren. Die Studierenden in Teilzeit sind durchschnittlich knapp 10 Jahre älter und die Altersspanne ist deutlich größer: 64% sind 30 Jahre und älter.  

Gültige N: 612 Studierende, davon 357 in Vollzeit und 255 in Teilzeit
Quelle: Kratz/Stadler 2015

Mehr Studierende mit Migrationshintergrund

12% der Studierenden in Teilzeit sind außerhalb der Bunderepublik geboren und 13% haben eine andere Muttersprache als Deutsch. Bei den Vollzeit-Studiereden treffen diese Merkmale jeweils nur auf 6% zu.

Etwas höherer Männeranteil

Die Teilzeit-Modelle haben nur wenig an der geschlechtsspezifischen Verteilung geändert: Bei beiden Ausbildungsformen sind weibliche Studierende in der Mehrheit. Der Männeranteil liegt mit 23% in der Teilzeit-Ausbildung nur etwas höher als bei der in Vollzeit (19%).

Mehr Diversität in berufsbegleitenden Ausbildungsgängen

Mit der berufsbegleitenden Ausbildung ist es den Fachschulen gelungen, Menschen mit vielfältigeren beruflichen und kulturellen Hintergründen anzusprechen. Die Vergütung bereits während der Ausbildung macht sie für diejenigen attraktiv, die in ihrer Berufsbiographie weiter fortgeschritten sind und über Lebenserfahrung verfügen. Die Hoffnung, mehr Männer für die Erzieherausbildung zu gewinnen hat sich nur teilweise erfüllt.  

Noch in Ausbildung oder schon Kita-Fachkraft?

06.10.2015

An der berufsbegleitenden Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher schätzen viele Studierende die Praxisorientierung. Das in der Schule Gelernte können sie direkt in den Einrichtungen anwenden oder Fragen aus der Praxis später im Unterricht diskutieren. Unklar ist, welche Rolle die Studierenden in den Einrichtungen haben. Welchen Platz nehmen sie im Personalgefüge der Kita ein? Wie gehen die Teams mit den Nachwuchskräften um? 

Teilzeit-Studierende werden auf Personalschlüssel angerechnet

Gültige N: 217 Teilzeit-Studierende im ersten Ausbildungsjahr, 141 Teilzeit-Studierende im letzten Ausbildungsjahr
Quelle: Kratz/Stadler 2015

Während Vollzeit-Studierende in der Regel nicht auf den Personalschlüssel einer Einrichtung angerechnet werden, ist das in der Teilzeit-Ausbildung übliche Praxis: In den meisten Bundesländern haben berufsbegleitend Studierende von Beginn an den Status einer Fachkraft. Mehr als zwei Drittel werden bereits im ersten Ausbildungsjahr auf den Personalschlüssel angerechnet. Im letzten Ausbildungsjahr steigt der Anteil auf knapp 80%. In welchem Umfang die Arbeitszeit zählt, ist je nach Bundesland unterschiedlich: In Berlin, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Sachsen sind es beispielsweise bis zu 100%. In Brandenburg gehen die Nachwuchskräfte mit 70% in den Personalschlüssel ein.

Zwischen Anerkennung und Erwartungsdruck

An dem Status als Fachkraft schätzen die meisten Teilzeit-Studierenden die Verantwortung sowie die Anerkennung im Team. Gleichzeitig berichten sie im Interview von einem hohen Erwartungsdruck: "Ich musste sehr schnell ganz viel lernen. Damit man auch respektiert wird. Weil die gucken ja schon alle ganz genau hin, die Kolleginnen, wie geht die mit den Kindern um, was ist das für eine, kann die was, versteht die eigentlich was die da tut […]."

Einige Teilzeit-Studierende weisen zudem darauf hin, dass die Einrichtungen nicht wissen, wie sie mit ihnen umgehen sollen und Vorgaben fehlen: "[Die Einrichtungen] suchen fertige Erzieher, aber keine Auszubildenden. Weil damit hat ja auch niemand Erfahrung […]. Eine Vollzeitpraktikantin, die hat zwei Jahre Schule, da wissen die Leute, was die weiß und was sie nicht weiß, da gibt’s auch Lehrpläne, da gibt’s Vorstellungen, wie man mit denen umgeht, kann man die mit den Kindern alleine lassen oder nicht, also es gibt Vorschriften, das gibt’s bei mir alles nicht […]."

Neue Ausbildungsmodelle erfordern neue Personalverordnungen

Bislang werden die berufsbegleitenden Ausbildungsmodelle zu wenig in den Personalverordnungen berücksichtigt. Aus der unklaren Rolle zwischen Berufsneuling und bezahlter Fachkraft resultiert Unsicherheit bei den Beteiligten. Damit Studierende und Einrichtungen profitieren, müsste sich der Status der Studierenden, ihre Aufgaben in den Kitas sowie die Anrechnung auf den Personalschlüssel im Laufe der Ausbildung verändern.

Wie werden die Studierenden am Lernort Praxis begleitet?

25.11.2015

Teilzeit-Studierende stellen sich vom ersten Ausbildungstag der Herausforderung, in den Einrichtungen mitzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Ein Fokus der Studie liegt deshalb auf der Frage, wie sie im Kita-Alltag fachlich unterstützt werden. Anders als es das Ausbildungsformat vermuten lässt, vermissen viele Teilzeitstudierende eine angemessene Begleitung am Lernort Praxis. Was sind die Gründe dafür?

Teilzeit-Studierenden steht seltener eine Mentorin oder ein Mentor zur Seite

Mehr als 20% der berufsbegleitend Studierenden geben an, am Lernort Praxis nicht von einer Mentorin oder einem Mentor betreut zu werden. Als Gründe  dafür sehen sie Schwierigkeiten in der Einrichtung wie etwa Personal- oder Zeitmangel. Ein Teil gibt jedoch auch an, dass aufgrund der Anstellung kein Mentoring vorgesehen sei. Bei den Vollzeit-Studierenden sind nur 2% ohne Praxismentorin bzw. -mentor.

Reflexionsgespräche finden spontan im Alltag statt

Gültige N: 537 Studierende (VZ: 345; TZ: 192); 537 (VZ: 345; TZ: 192); 537 (VZ: 345; TZ: 192); 553 (VZ: 352; TZ: 201); Mehrfachantworten möglich
Quelle: Kratz/Stadler (2015)


Auch bei der Gestaltung der Reflexionsgespräche zeigen sich Unterschiede: die Studierenden in berufsbegleitender Ausbildung führen mit ihrer Mentorin bzw. ihrem Mentor seltener regelmäßige Reflexionsgespräche als die Vollzeit-Studierenden. Insbesondere der Status als Fachkraft scheint für die Institutionalisierung regelmäßiger Gespräche hinderlich zu sein.

Themen der Reflexionsgespräche

Gültige N: 538 Studierende (VZ: 346; TZ: 192); 538 (VZ: 346; TZ: 192); 538 (VZ: 346; TZ: 192); 538 (VZ: 346; TZ: 192); 401 (VZ: 302; TZ: 99); 538; (VZ: 346; TZ: 192); 538 (VZ: 346; TZ: 192); 538 (VZ: 346; TZ: 192); 538 (VZ: 346; TZ: 192); Mehrfachantworten möglich
Quelle: Kratz/Stadler 2015


Sowohl bei Vollzeit- als auch bei Teilzeit-Studierenden drehen sich die Reflexionsgespräche häufig um Praxiserfahrungen. Die Vor- und Nachbereitung der Praktikumsaufgaben bzw. der pädagogischen Angebote sowie die eigene Persönlichkeitsentwicklung spielen dagegen für die Vollzeit-Studierenden eine größere Rolle. Auch im Bereich Konfliktberatung scheinen die sie ein etwas höheres Gesprächsbedürfnis zu haben. Die in der Schule vermittelten Inhalte werden dagegen häufiger von den Teilzeit-Studierenden thematisiert. Da ein Teil der berufsbegleitenden Ausbildung als Selbstlernzeit organisiert wird, ist zu vermuten, dass die Studierenden ein stärkeres Bedürfnis haben, die schulischen Inhalte zu diskutieren.

Teilzeit-Studierende beurteilen Praxisphasen kritischer

Gültige N: 567 Studierende (VZ: 353; TZ: 214), 561 (VZ: 346; TZ: 215); 569 (VZ: 353; TZ: 216)
Quelle: Kratz/Stadler 2015

Mit der Qualität des Austauschs und der Reflexion der Praxiserfahrungen mit der Mentorin oder dem Mentor sind die Studierenden insgesamt zufrieden. Kritischer als die Studierenden in Vollzeit beurteilen die in Teilzeit die Reflexion der in der Schule vermittelten Inhalte sowie die Anzahl und Regelmäßigkeit der Gespräche. Um das Potenzial der berufsbegleitenden Ausbildung - die starke Berufsorientierung - besser auszuschöpfen, müssten die Rahmenbedingungen für die Begleitung in der Praxis verbessert werden.

Über die WiFF-Ausbildungsstudie


Zielgruppe:
Studierende in Vollzeit und in berufsbegleitender Teilzeit-Ausbildung sowie Lehrkräfte an Fachschulen für Sozialpädagogik und Praxis-Mentorinnen und Mentoren in Kindertageseinrichtungen

Methode: schriftliche Fragebogenerhebung und leitfadengestützte Interviews

Zeitraum: Januar bis August 2014

Stichprobe: 622 Studierende, 13 Lehrkräfte und 11 Praxismentorinnen und -mentoren

Bundesländer: Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen


Ausbildungsmodelle: In der berufsbegleitenden Ausbildung sind die Studierenden von Beginn an in einer Einrichtung angestellt und können auf den Personalschlüssel angerechnet werden. 

Die Ergebnisse der Befragung wurden als WiFF Studie Nr. 24 "Teilzeitmodelle in der Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher" von Joanna Kratz und Katharina Stadler veröffentlicht.