
Elke Alsago, Diakonin und Sozialpädagogin, ist Leiterin des Studiengangs "Soziale Arbeit und Diakonie – Frühkindliche Bildung" (B.A.) an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie Hamburg, der MitarbeiterInnen aus dem Feld der frühkindlichen Erziehung, Bildung und Betreuung im Hinblick auf religionspädagogische Aspekte weiterqualifiziert.
Warum gibt es zusätzlich zu Ihren Studiengängen "Soziale Arbeit und Diakonie" den Studiengang "Soziale Arbeit und Diakonie – Frühkindliche Bildung"?
Dieser Studiengang ist relativ neu, es gibt ihn seit letztem Herbst. Er ist aufgrund einer Initiative der konfessionellen (evangelischen und katholischen) Träger in Hamburg entstanden. Sie haben sich einen Studiengang für ihr Personal gewünscht, der diese in ihrem Feld der frühen Bildung weiterqualifiziert; für die Kindertagesstätten, für Familienbildungsstätten, Eltern, Schulen, Beratungsstellen, Fachberatung, Fortbildung, also für den ganzen Bereich der frühen Bildung, der bislang nicht unbedingt abgedeckt wurde im Bereich Soziale Arbeit und Diakonie. Das ist schon ein spezielleres Feld, das der besonderen Qualifikation bedarf und das gab es vorher hier nicht. Die Träger sind deshalb an die Hochschulen herangetreten und haben gefragt, ob sie solch einen Studiengang entwickeln können. Das Diakonische Werk genauso wie der Caritasverband hat an der Entwicklung mitgearbeitet und beide haben versucht Inhalte, die sie wichtig fanden, unterzubringen.
Was lernen Ihre Studierenden im Hinblick auf die Religionspädagogik im Elementarbereich?
Wir haben den Schwerpunkt Entwicklungs- und Bildungsprozesse von Mädchen und Jungen. Das ist erst einmal allgemein gehalten, was die Entwicklung von Mädchen und Jungen sowohl entwicklungspsychologisch aber auch in der Einrichtung als auch im Bereich der außerinstitutionellen Bildung betrifft, also den Lernwelten oder der anderen Bildungsorte der Kinder. In jedem Modul, was wir in diesen Feldern anbieten, gibt es eine Vertiefung, die sich auf den Bereich der Religionspädagogik oder der Diakonie bezieht. Zum Beispiel da, wo es um die Entwicklung und die Bildung von Kindern geht, gibt es einen Baustein, der heißt "Religiöse Entwicklung von Kindern". Und im Bereich der pädagogischen Ansätze geht es erst um die allgemeinen Ansätze der Frühpädagogik, aber es gibt dann auch noch einen speziellen Baustein Religionspädagogik bzw. religionspädagogische Ansätze. Zusammenfassend kann man sagen, es gibt immer diesen allgemeinen Teil und den Vertiefungsteil in das religionspädagogische Feld. Auch wenn es um außerinstitutionelle Bildung geht, geht es um diverse Lern- und Bildungsorte von Kindern, aber eben auch um die Kirchengemeinde oder den evangelischen Kindergarten.
Die religiöse Perspektive soll eine Rolle spielen, die Religionspädagogik im Allgemeinen. Das ist gar nicht so sehr gebunden an evangelische, katholische oder wie auch immer Religionspädagogik, sondern an eine interkulturelle Pädagogik. Es geht darum, Religionspädagogik multiperspektivisch anzulegen. Beim Thema "Religiöse Entwicklung" geht es deshalb auch um die Entwicklung von muslimischen Kindern, es findet also eine religiöse Entwicklung im Allgemeinen statt. Ohne zu sagen, es gibt eine spezielle evangelische religiöse Entwicklung. Davon gehen wir erst einmal nicht aus, sondern wir gehen davon aus, dass jeder Mensch eine religiöse Entwicklung erlebt und die schauen wir uns an. Man kann das natürlich auch auf das Feld der Kindertagesstätte spezifizieren und wie man in einer konfessionellen Kindertagesstätte mit Interkulturalität umgeht. Das ist natürlich für uns eine Frage, und die erörtern wir dann in den verschiedenen Kontexten der Studierenden: Wie ist das im Kontext einer katholischen Einrichtung, wie ist das im Kontext einer evangelischen Einrichtung, wie ist das im Kontext einer AWO-Einrichtung oder einer Einrichtung der Vereinigung hier in Hamburg? Die Studierenden kommen aus allen Gebieten der Frühpädagogik, sie sind nicht nur aus dem konfessionellen Kontext und auch da muss man schauen, wie in den verschiedenen Kontexten mit dieser Interkulturalität umgegangen wird.
Wer kann sich für Ihren Studiengang bewerben, also ErzieherInnen, egal ob evangelisch oder katholisch?
Sie sollten in der Regel einer AcK-Kirche (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland e. V.) angehören. Das heißt aber, wenn uns jemand anderes sehr gut begründet, warum er bei uns studieren will – StudienbewerberInnen müssen sowieso begründen, warum sie bei uns studieren wollen – und wenn jemand, der nicht zu einer ACK-Kirche gehört, das gut begründet, steht einem Studium auch nichts im Wege.
Zurzeit ist es so, dass die evangelischen Träger nur Mitarbeiter christlichen Glaubens einstellen. Das heißt aber nicht, dass bei uns nur Personen christlichen Glaubens studieren können. Das sind schon zwei verschiedene Sachen. Unsere Studierenden arbeiten nicht nur in konfessionellen Einrichtungen.. Diese interkulturelle Perspektive oder interreligiöse Perspektive, die gibt es in jeder Einrichtung. In jeder Einrichtung gibt es Kinder und Familien mit den verschiedensten religiösen Hintergründen. Das vertiefen wir hier. Es ist so, dass wir christlich gebildete Sozialarbeiter/Sozialpädagogen ausbilden. Das heißt aber nicht, dass sie diese Überzeugung unbedingt haben müssen. Sie bekommen diese Perspektive in ihrem Studium mit, aber ob sie das glauben oder nicht, dass ist ihre eigene Entscheidung.
Das ist ja ein berufsintegrierender Studiengang. Wie sehen denn Praxisprojekte aus, die die Studierenden mit in ihre Einrichtung nehmen?
Das ist abhängig von den Fragstellungen der Studierenden selbst. Unsere Didaktik ist so aufgebaut, dass wir von den Fragestellungen der Studierenden ausgehen. Diese entwickeln sie hier weiter. Wir versuchen dann, ein Forschungsdesign zu entwickeln, wie die oder der Studierende diese Fragestellung für sich in der Praxis ergründen und beantworten kann. Die Fragestellungen ergeben sich aus dem Spannungsfeld Theorie und Praxis. Wenn eine Studierende eine religionspädagogische Fragestellung in einem Seminar hat, die ihr unter den Nägeln brennt, und sie sagt, das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen oder das sehe ich bei mir in der Praxis ganz anders, dann versuchen wir, daraus eine Fragestellung zu entwickeln und sie zu erforschen. Unser Ziel ist der Theorie-Praxistransfer. Es geht immer darum, die Theorie mit der Praxis in eine Spannung zu setzen und das eine an dem anderen zu messen. Das erfordert natürlich, dass die Erfahrungen aus der Praxis in die Theorie einfließen.

Prof. Dr. Matthias Hugoth ist Theologe und Pädagoge. Er war Referent beim Deutschen Caritasverband sowie beim Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK). Er ist Professor für Erziehungswissenschaft und Elementarpädagogik an der Katholischen Hochschule Freiburg und leitet dort auch den Studiengang "Management von Erziehungs- und Bildungseinrichtungen" (B.A.).
Warum sollten Studierende eines frühpädagogischen Studiengangs sich mit Religionspädagogik befassen?
Ich würde sagen, es sind zwei Perspektiven, aus der sich die Gründe für diese Thematik ableiten lassen. Einmal vom Kind her, weil die pädagogische Arbeit mit Kindern im frühen Kindesalter den Sinn hat, ihnen den Zugang zu allem zu verschaffen, was die Lebenswelt von Menschen anbelangt, auch zu dem, was den Menschen "wichtig und heilig" ist. Diese Welt, in die Kinder hineinwachsen, ist von vielen Themen, Wissens- und Lebensbereichen bestimmt, unter anderem auch von Religion. Was nicht heißen soll, dass Menschen religiös sein oder einer Religion angehören müssen. Aber in der Welt, in der wir Menschen leben, ist Religion präsent – wenn auch mit unterschiedlicher Intensität. So ist für viele Kinder Religion in der unmittelbaren Erlebenswelt gegenwärtig in Gebäuden und anderen Dingen – ob da beispielsweise eine Kirche steht oder eine Moschee, ob es sonntags Glockengeläut gibt oder ob ein Friedhof in der Nähe ist, ein Wegkreuz etc. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von ursprünglich religiösen Festen, die Kinder erleben oder mitfeiern, die aber von vielen Eltern und ErzieherInnen unterschiedlich gedeutet werden, zum Beispiel Ostern als das Frühlingsfest oder Weihnachten als das Fest der Liebe und des Beschenkens. Die Kinder sollen das Recht haben, die ursprüngliche Bedeutung dieser Feste zu erfahren und zu wissen, was sich wirklich dahinter verbirgt und warum die meisten Menschen in unserem Land einen religiösen Sinn mit diesen Festen verbinden. Das heißt, in der Lebenswelt der Menschen kommt auch im liturgischen oder festlichen Bereich Religion vor.
Es ist außerdem so, dass sich die Kinder auch mit existenziellen Fragen befassen - etwa nach gut und böse, nach dem Woher und Wohin des Lebens, was kommt nach dem Tod und so weiter. Aber auch mit der Frage, ob sie neben den Eltern und anderen Erwachsenen sonst noch jemand beschützt. Oder: Warum bezeichnen sich die einen Kinder als Christen, andere als Moslems und wieder andere zu keiner Religion zugehörig oder als nichtgläubig?
Es lassen sich auf solche Fragen durchaus unterschiedliche Antworten geben und viele Menschen finden die Antworten in ihrer Religion. Man kann Kindern daher nicht sagen: "Wir lassen bei euren Fragen Religion außen vor". Die Kinder sollten wissen, dass es neben dem menschlichen Erfahrungswissen auch Antworten aus dem Bereich von Religion gibt. Menschen haben außerdem für ihre Lebensführung religiöse Vorzeichen gewählt, sie haben sich für bestimmte, auch religiös begründete Werte und Normen als Orientierungsmarken entschieden, und auch darüber sollten Kinder etwas erfahren.
Kinder sollten schließlich wissen, dass Religion für viele Menschen eine Lebensressource ist, etwas das ihnen Kraft, Orientierung, Verbindlichkeit, Richtung und eine Spur für ihre Lebensplanung und -gestaltung und das Miteinander mit anderen Menschen gibt.
Den Kindern einen Zugang zu allen Bereichen des Lebens eröffnen zu wollen, aber den Bereich der Religion zu meiden und den Kindern vorzuenthalten, ist argumentativ schwer zu vertreten. Das heißt zusammenfassend, Kinder haben ein Recht auf Religion. Wenn man ein frühpädagogisches Studium daraufhin fokussiert, wie man mit Kindern Bildungsarbeit durchführen und gestalten kann, wie man mit Kindern lernen und ihnen Lerngelegenheiten geben kann, dann ist die Welt der Religionen ein Bereich, den sie auch kennen lernen sollten. Das wäre der eine Punkt: religiöse Bildung vom Kind aus begründet.
Auch im Blick auf die Studierenden der Elementarpädagogik empfiehlt es sich, Religionspädagogik in die Module des Studiums aufzunehmen. Dies begründet sich zum einen mit Blick auf ihr späteres Arbeitsfeld befassen. Es gibt viele Träger, die religiös orientiert sind, die größten Träger von Kitas sind die beiden Kirchen. Aber auch viele nichtkirchliche Einrichtungen praktizieren eine Bildungsarbeit, in denen auch religiöse Themen behandelt werden. Alleine schon aus dem Grund, damit sie wissen, wo sie unter Umständen einmal arbeiten werden, sollten Studierende Profile und Konzeptionen der christlichen und anderer weltanschaulich ausgerichteter Träger kennen lernen. Das Arbeitsfeld weist das Thema Religionspädagogik einfach vor, deshalb sollten die Studierenden wissen, was sie an Begründungszusammenhängen vorbringen können und sich mit Methoden auseinandersetzen. Man könnte also zweitens sagen, die Beschäftigung mit dem Thema Religionspädagogik begründet sich vom Arbeitsfeld der Fachkräfte her.
Der dritte Aspekt, der bei der Frage nach der Aufnahme der Religionspädagogik in die Curricula frühpädagogischer Studiengänge bedacht werden sollte, ist der Gedanke, dass die Studierenden auch die Möglichkeit haben sollten, für sich selber weltanschauliche und ethische Fragen zu klären – das, was ich eben über die Kinder gesagt habe, gilt ebenso für diese Frauen und Männer. Wenn es um leitende Menschenbilder geht, werden sie wahrscheinlich viele Ansätze wie Montessori oder Freinet oder sonstige kennen lernen. Dann sollten sie durchaus auch etwas über das christliche Menschenbild erfahren. Darauf haben sie ein Recht, dies gehört aber auch zu der Professionalität, die sie entwickeln wollen und sollen: dass sie wissen, welche Menschenbilder maßgebend für die Pädagogik in unserem Kulturraum waren und auch noch weithin sind.
Wie sollte religiöse Bildung in der Kita umgesetzt werden?
Es gibt erstens eine explizit religiöse Bildung, bei der religiöse Themen in die Gespräche mit Kindern eingebracht bzw. von den Kindern selbst vorgebracht werden; hier geht es um religiöse Themen im engeren Sinne. Etwa die Erschließung von religiösen Texten und Geschichten wie die Geschichten aus der Bibel oder von bedeutenden religiösen Gestalten. Man kann natürlich auch den Koran und Themen aus dem Islam dazunehmen, wenn man eine multireligiös zusammengesetzte Kindergruppe hat. Bei der expliziten religiösen Bildung geht es also darum, mit Inhalten des Glaubens und seinen Vollzugsformen vertraut zu machen, den Kindern zu helfen, diese Inhalte zu verstehen und Bezüge zu ihrem Empfinden, Denken, Erleben und Alltagsleben herzustellen.
Das zweite Bereich religiöser Bildung bezieht sich auf die verschiedenen Rituale, Bilder, Symbole, die zur Welt einer Religion gehören. Man könnte sagen, der festlich liturgische Bereich, ihn zu erschließen und selber Symbole herzustellen und sich damit vertraut zu machen.
Der dritte Bereich – der sowohl explizit thematisiert als auch implizit einfach "gelebt" werden kann -, ist das Erleben der gemeinschaftsstiftenden Funktion von Religion. Menschen kommen zusammen, weil sie an dieselbe Sache glauben, weil sie den anderen Menschen aus demselben Motiv heraus etwas Gutes wünschen usw. Das heißt, auch das Gemeinschaftserleben aus religiösen Motiven ist eine Form der religiösen Bildung.
Dann gehört zur religiösen Bildung natürlich auch der vergleichende, diskursive Bereich. Das Ziel wäre, diversitätspädagogisch unterscheiden zu können, dass es muslimische und christliche Kinder gibt, dass es andersgläubige Kinder und Eltern gibt, dass sie anders glauben, dass sie anders leben, aber dass es auch Gemeinsamkeiten gibt. Gerade im Rahmen der interkulturellen Arbeit spielt der Faktor Religion eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Ein weiterer Bereich religiöser Bildung sind die religiös motivierten Handlungsformen. Wie leben, wie handeln Christen, Muslime? Diese Frage bezieht sich auf viele Bereiche des Lebens - angefangen vom Gebetsleben über das Gemeinschaftsleben, das Familienleben usw. Auch in diesem Bereich religiöser Bildung gibt es eine explizite, direkte und eine implizite, indirekte Form der Bildungsarbeit: man kann bewusst nach Ausdrucks- und Handlungsformen des Glaubens suchen, man kann die Kinder aber auch teilhaben lassen an dem, was Erwachsene, also hier speziell die Fachkräfte, glauben und was sie für Antworten auf ihre Fragen gefunden, welches Handeln für sie als gläubige Menschen konsequent und sinnvoll ist. Es geht dann um das vorbildliche Leben und Handeln als Pädagoginnen und Pädagogen und das Mitleben und Teilhaben lassen der Kinder. So kann man etwa einfach religiöse Einrichtungen besuchen, Kirchen, Moscheen, um mit Menschen ins Gespräch zu kommt, also die kommunikative Begegnung mit Menschen außerhalb der eigenen Einrichtung. Das wären für mich Formen der religiösen Begegnung.
Gibt es manchmal vielleicht auch Schwierigkeiten beim Verständnis des religiösen Konzeptes der Erziehung, Bildung und Betreuung zwischen Fachkräften und deren Trägern?
Da gibt es weniger Schwierigkeiten, weil die Träger (katholische und evangelische) den Kindergarten als einen Lernort des Glaubens für Kinder und Erwachsene sehen. Das heißt, auch wenn Fachkräfte verschiedene Auffassungen über Inhalte des Glaubens haben, wenn sie Zweifel oder Fragen haben, die gehören natürlich dazu. Die Träger erwarten nicht, dass jemand alle Antworten parat hat und felsenfest religiös überzeugt ist. Wohl erwarten sie, dass Fachkräfte religionssensibel sind. Dass sie offen sind für die Dinge, die Religion inhaltlich und auf der Handlungs- und Symbolebene repräsentieren und dass sie mit Themen und "Gegenständen" der Religion umgehen können. Und dass sie, wenn sie Probleme mit manchen Dingen haben, ihnen manche Dinge einfach nicht zugänglich sind, Angebote an Fortbildungen und von Gesprächspartnern annehmen, dass sie also gut für sich sorgen, wenn sie mit religiösen Inhalten und Handlungsweisen nicht zu recht kommen. Das wird dann schon erwartet. Aber nicht im Sinne von: "Ihr müsst das und das glauben und wenn nicht, dann gehört ihr nicht mehr dazu", vielmehr gelten auch in kirchlichen Einrichtungen durchaus dynamische Auffassungen den Bezügen, die Menschen zur Welt des Glaubens haben.
Es kann durchaus sein, dass es manchmal auch Fachkräfte gibt, die sagen: "Ich kann im Moment mit diesem oder jenem Fest relativ wenig anfangen oder mich beschäftigen die Missbrauchfälle innerhalb der Kirche ganz existenziell" oder wie auch immer. Da muss es einen Ort geben, wo man diese Dinge besprechen oder sich Hilfe holen kann. Es ist nicht so, dass die Kirche eine Totalidentifikation mit allem, was sie lehrt und tut, erwartet. Ich kann mir schon vorstellen, wenn ein katholischer Träger, sprich eine Kirchengemeinde, eine Stelle ausschreibt und sich zwanzig katholische und evangelische ErzieherInnen beworben haben und eine katholische und evangelische sind gleich gut, dann würden sie wahrscheinlich die katholische bevorzugen, weil sie einfach einen anderen Zugang zum Brauchtum und zu den Festen und Feiern der katholischen Religion hat. Aber wenn sie sehen würden, dass eine evangelische Fachkraft die "besseren" Kompetenzen und Qualifikationen mitbringt, würden sie diese wahrscheinlich vorziehen. In Diaspora-Gegenden, wo die katholische Bevölkerung in der Minderheit ist, ist das sowieso kein Problem, da haben sie immer gemischte Teams.
Schließlich: Auch ErzieherInnen, die "religiös unmusikalisch" sind, können durch ihre kritischen Anfragen an Sinn und Bedeutung religiöse Inhalte und Vollzugsformen, können durch das Formulieren ihrer Sicht der Dinge das Gespräch über die Themen, die Mensch und Religion betreffen, auf eine ganz eigene, originelle und auch gewinnbringende Weise voranbringen.