
Dr. Jürgen Rausch lehrt an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Er ist Studiengangsleiter des Masterstudiengangs "Sozialmanagement" und hat im Studiengang "Pädagogik der frühen Kindheit" (B.A.) das Modul "Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing" begleitet. In unserem Interview berichtet er über Ablauf und Ziele der Praxisprojekte, die im Rahmen des Moduls durchgeführt wurden.
Warum sollen sich Studierende der Frühpädagogik mit Öffentlichkeitsarbeit und Marketing für Kindertageseinrichtungen befassen?
Ein Grund ist, dass im sozialen Bereich die Haushaltsmittel immer schon knapp waren und zukünftig auch nicht üppiger sein werden. Der zweite Grund folgt der Überlegung, die Leistung, die man vollbringt, auch zu kommunizieren, also in der Öffentlichkeit transparent zu machen. Darüber hinaus ist das Ganze verbunden mit dem Anspruch an Qualität. Die Anspruchsnehmer sind fixiert auf den Qualitätsbegriff, den möchte man sehen, den möchte man abrufen können. Das gibt Eltern ein Stück weit Sicherheit. So scheint mir das also durchaus relevant zu sein, unter dem Gesamtbegriff "Marketing", vielleicht auch "Sozialmarketing", Maßnahmen zu ergreifen, um die eigene Einrichtung in der Öffentlichkeit zu präsentieren und zum anderen einen kompensatorischen Faktor vorzuhalten, wenn es um die Drittmittelbeschaffung geht.
Wie vermitteln Sie Ihren Studierenden die notwendigen Kompetenzen?
Wenn wir es jetzt konkret an unserem Modul festmachen, dann sind das Inputveranstaltungen, um unseren Studierenden zunächst die Grundkenntnisse z.B. des Projektmanagements zu vermitteln. Wir führen die Studierenden im Seminar "Projektmanagement" in eine Situation, in der sie Bildungseinrichtungen, Kindertagesstätten und Kindergärten mit einem unternehmerischen Auge betrachten müssen. Das Wort "Management" impliziert das ja auch schon. Dann kommt diese Option "Projekt" dazu, irgend etwas Befristetes mit einer klaren Zielsetzung, man will etwas erreichen. Ähnlich machen wir das auch mit "Öffentlichkeitsarbeit" und "Marketing". Es gibt also die Inputveranstaltungen, die aber verzahnt sind, die nicht als geschlossene Einheiten laufen, sondern immer unter der Bezugnahme »Was könnte das Projektmanagement mit Öffentlichkeitsarbeit und Marketing zu tun haben«. Den Studierenden wird nach unseren Beobachtungen relativ schnell deutlich, dass das eine nicht ohne das andere geht.
Im konkreten Fall haben wir an die Studierenden den Auftrag gerichtet, in eine Einrichtung zu gehen, diese erst einmal kennen lernen, anzufragen, was denn für ein Bedarf in der Einrichtung gegeben ist. Das waren beispielsweise Sachen wie »Wir bräuchten so kleine Fotoapparate, damit die Kinder fotografieren können«. Die nächsten brauchten Sonnensegel für die Außenanlage. Wieder andere wollten eine Sitzgruppe auf dem Freigelände haben.
Der erste Schritt war also, die Bedarfe abzufragen und festzuhalten. Dann sind die Studierenden mit ihren Ergebnissen wieder in die Lehrveranstaltung gekommen. Die Studierenden haben reflektiert, inwieweit diese Dinge tatsächlich über Drittmittel finanziert werden müssen, oder ob es Aufgabe des Trägers ist, für Abhilfe zu sorgen. Nachdem wir feststellen konnten, dass die genannten Sachen mehrheitlich nicht zur Standardausstattung einer Kindertageseinrichtung gehören, war klar, es braucht einen anderen Finanzierungsweg. Dann kam wieder der Input durch die Lehrenden an die Studierenden, wie man in der Sozialwirtschaft Drittmittel akquirieren kann, entweder Sachleistungen oder Geldmittel, um diese Bedarfe, die da angemeldet wurden, auch umsetzen zu können und das auch noch relativ zeitnah. Da war natürlich klar, wenn man Material, Geld oder Arbeitsleistungen von Personen außerhalb der KiTa oder des Kindergartens haben möchte, dann ist es erforderlich, das geplante Vorhaben attraktiv zu präsentieren. Ich muss ja den Bedarf, den ich erkannt habe, jemandem so kommunizieren, dass dieser die Notwendigkeit oder diesen Wunsch mittragen möchte, sich angesprochen fühlt und bereit ist, sich zu engagieren, entweder mit Sachleistungen, Geld oder auch mit Arbeitsleistungen. So ging der Auftrag an die Studierenden, in die Einrichtungen zu gehen, mit den Einrichtungsleitungen zu sprechen und eine Präsentation ganz gezielt für diese Einrichtung zu erarbeiten, und zwar mit Realbezug. Das heißt, die Einrichtung sollte tatsächlich die Projektleistung und Präsentation der Studierenden dafür einsetzen können, ihren Bedarf zu realisieren. Als Fallbeispiel sei folgende Situation genannt: »Wir brauchen ein Sonnensegel, da wir sonst nur einen Teil der Außenanlagen im Sommer nutzen können. Das verhindert, dass drei Kindergartengruppen gleichzeitig rausgehen. Auf Dauer ist das für uns nicht haltbar. Wie kommen wir zu einem Sonnensegel, das 4500,- Euro kostet?« Das Spannende für die Studierenden waren dann Fragen wie »Wie präsentieren wir den Kindergarten, die Einrichtung, wie stellen wir den Bezug her zu dem Bedarf "Sonnensegel" und wie bringen wir das in eine schöne Präsentation, die andere für das Vorhaben begeistert«?
Da setzt der Charme des Moduls an, das vernetzt organisiert ist sowie Theorie und Praxis zusammenführt. Die TeilnehmerInnen des Moduls haben erstmal eine Projektskizze erstellt, aus der hervorgeht, was sie überhaupt erreichen wollen. Das ist der Bezug zum Projektmanagement. Hier werden die Verantwortlichen definiert, hier wird beschrieben, was gemacht wird, hier wird eine Zeitleiste erstellt und es werden Meilensteine bestimmt, die erreicht werden sollen. Zum Beispiel "Besuch in der Kindertagesstätte", "Bilder machen", "Kostenvoranschläge einholen", "Elternversammlung einberufen", "dem Elternbeirat das Projekt vorstellen", "eine PowerPoint-Präsentation erstellen" oder "eine Website erstellen", auf der das Projekt eingestellt werden kann. Und die Studierenden haben, über die Projektskizze hinaus, die beschriebenen Meilensteine versucht umzusetzen. Das ist durchweg sehr gut gelungen und hat gezeigt, dass sich Studierende für diese Form, Theorie und Praxis zu verzahnen, begeistern können. Sie haben also Kostenvoranschläge eingeholt oder die Kindertagesstättenleitung aufgefordert, sie einzuholen. Sie haben sich Gedanken im Sinne von Sponsoring gemacht, z.B. einen Werbedruck der Herstellerfirma auf das Sonnensegel zu drucken, um vielleicht dadurch Rabatt zu bekommen usw. Das alles ist dann eingeflossen in diese Projektbeschreibungen und in die Präsentationen.
In welcher Form haben die Studierenden ihre Lern- und Arbeitsergebnisse vorgestellt?
Zum Schluss mussten die Studierenden uns, also den Lehrbeauftragten der Hochschule, stellvertretend für mögliche Geldgeber oder Sachmittelgeber, ihr Projekt vorstellen und hier wurde dann der Bezug zum Fundraising-Modul hergestellt. Sie haben uns das präsentiert, haben uns auch als mögliche Geldgeber angesprochen, haben die Ausgangslage und Perspektiven und Notwendigkeiten aufgezeigt, warum, weshalb und – bleiben wir noch einmal bei dem Beispiel Sonnensegel – welcher Zugewinn hier für die Einrichtung gewährleistet oder welcher qualitative Mehrwert zu erwarten wäre und wie das Engagement dafür konkret aussehen könnte. Ob wir uns hier engagieren müssen durch Arbeitsleistung, ob wir Geld spenden oder sammeln sollten, um das Sonnensegel kaufen zu können. Es gab individuelle Ansätze zur Umsetzung des Auftrags, zur Präsentation in die Öffentlichkeit. Mit der öffentlichen Präsentation wurde die Lehrveranstaltung hier an der Hochschule abgeschlossen. Danach sind die Studierenden mit unserer Rückmeldung nochmal in die Einrichtungen gegangen und haben ihnen dieses Material zur Verfügung gestellt. Wie wir gehört haben, kam es in der ein oder anderen Einrichtung auch tatsächlich zu einer erfolgreichen Umsetzung.
Das war für uns eine schöne Erfahrung und hat uns motiviert, die Praxisprojekte mit diesen Einrichtungen vor Ort weiter fortzuführen und ihnen zukünftig wieder die Möglichkeit zu geben, die Ressourcen und das Know-How der Studierenden für ihre Projekte abzurufen.

Christine Heimbach aus dem Studiengang "Pädagogik der frühen Kindheit" (B.A.) der Evangelischen Hochschule Freiburg berichtet über ihr Praxisprojekt im Modul "Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing".
Zu den Inhalten Ihres Studiums gehörte ein Praxisprojekt zum Thema "Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing".
Bitte beschreiben Sie dieses Praxisprojekt in der Konzeption, Durchführung und im Ergebnis.
Wir haben im Rahmen der Vorlesung ein Fundraisingkonzept erstellt, wie ein Kindergarten Gelder bzw. Möglichkeiten bekommt, um ein Sonnensegel im Außenbereich zu erhalten. Das Projekt wurde allgemein gehalten und gab Vorschläge zur Durchführung. Somit wurde es nicht wirklich durchgeführt, sondern sollte als Leitfaden für die Einrichtung dienen.
Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Projekt gekommen?
Es wurde gemeinsam mit der Einrichtung überlegt, was sie Neues benötigen. So wurde schnell klar, dass ein Sonnensegel im Außenbereich gebraucht wird, damit die Kinder im Sommer nicht der prallen Sonne ausgesetzt werden. Die Einrichtung hatte sich bereits verschiedene Kostenvoranschläge eingeholt, die wir dann in unsere Überlegungen mit einbezogen haben.
Welche theoretischen Grundlagen wurden Ihnen für das Projekt an die Hand gegeben?
In der Veranstaltung konnten wir Einblick in den Bereich erhalten und verschiedene Vorgehensweisen kennenlernen, die uns dann ermöglichten, ein eigenes Praxisprojekt zu entwickeln. Dazu gehörten natürlich auch einschlägige Literaturhinweise. Diese können aus unserem Praxisprojekt entnommen werden.
Gab es Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung und wenn ja, welche?
Es gab für uns keine Probleme bei der Umsetzung, da wir lediglich einen Leitfaden für die Einrichtung erstellt haben und als Arbeitsgruppe bereits eingespielt waren.
Welchen Nutzen hatte das Praxisprojekt für Ihren Beruf?
Das Praxisprojekt hatte einen großen Nutzen für meinen Beruf, da es einfach Tatsache ist, dass viele Einrichtungen in diesem Bereich nicht viel Gelder zur Verfügung haben und man somit auf Alternativen wie zum Beispiel gezieltes Fundraising angewiesen ist, um Neuerungen umsetzen zu können.
PowerPoint-Folien zum Projekt