
Prof. Dr. Holger Brandes ist Direktor des Instituts für Frühkindliche Bildung an der Evangelischen Hochschule Dresden und Leiter des dortigen Bachelorstudiengangs "Elementar- und Hortpädagogik". Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Rolle von Männern und Vätern in der Erziehung.
Welche Gründe sprechen aus pädagogischer Sicht für männliche frühpädagogische Fachkräfte in Kitas, die ja zurzeit noch unterrepräsentiert sind?
Aus meiner Sicht ist das wichtigste Argument, dass es heutzutage keinen Sinn mehr macht und den pädagogischen Vorstellungen der Väter und Mütter nicht mehr entspricht, wenn man diesen Arbeitsbereich alleine Frauen überlässt. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass unser Vaterbild sich verändert hat. Das heißt, wir haben heute ein Idealbild vom "spielenden Vater", das es in der Vergangenheit so nicht gegeben hat. In der Vergangenheit war es noch völlig nahe liegend zu sagen: "Frauen müssen die professionelle Arbeit machen, wenn es um jüngere Kinder geht, Männer haben mit sehr kleinen Kindern nichts zu tun oder haben keinen Zugang zu ihnen". Das war früher die vorherrschende Meinung, mittlerweile haben sich die Ansichten grundlegend verändert. Heute geht man davon aus, dass Kinder davon profitieren, wenn sie in allen Lebensbereichen – und damit eben auch in der Kita – Umgang mit beiden Geschlechtern haben.
Wie in anderen Alltagsbereichen auch ist es in der Pädagogik vermutlich so, dass Männer das Gleiche machen oder machen können wie Frauen – sie machen es aber auf andere Weise. Dazu gibt es eine Reihe von Hinweisen, z.B. aus der Bindungsforschung, wo man ein anderes experimentelles Setting genommen hat als für die Frauen, um bei Vätern eine sensible Haltung zu identifizieren. Man muss jedoch sagen, dass wir im Bereich der professionellen frühpädagogischen Arbeit hierzu keine belastbaren Ergebnisse haben, es gibt bislang schlicht keine belastbare Forschung dazu. Natürlich hat es eine hohe Plausibilität, wenn wir davon ausgehen, dass es für die Kinder positiv ist, wenn Männer sich in der Bildung und Erziehung mehr engagieren. Bezogen auf Väter gibt es auch Studien aus den USA, die das belegen. Was das professionelle Arbeitsfeld angeht, gibt es jedoch erst einmal nur Vermutungen.
Wir nehmen auch an, dass Männer die Strukturen von pädagogischen Teams und Einrichtungen verändern. Es gibt eine Reihe von Hinweisen hierauf, die ich zum Beispiel von Kita-Leiterinnen bekommen habe. Sie berichten, es würde sich etwas verändern, sobald Männer in ihrer Einrichtung tätig wären. Das ist aber vermutlich unterschiedlich in den einzelnen Einrichtungen und sehr von den konkret handelnden Personen abhängig.
In der Verallgemeinerung lassen sich auch solche Erfahrungen bislang aber nur begrenzt belastbar belegen. Wir haben es in diesem Bereich mit den berühmten feinen Unterschieden zu tun, also teilweise Unterschieden, die sehr subtil sind. Es geht auf jeden Fall nicht darum, dass Männer etwas in den pädagogischen Prozess einbringen würden, was Frauen nicht auch tun könnten. Wir müssen also unsere alten Geschlechterklischees sicherlich korrigieren, etwa beispielsweise die Vorstellung, dass Männer für grobmotorisches Spielen und Technik zuständig sind und Frauen für Feinmotorik und Rollenspiel.
Um wissenschaftlich fundierte Ergebnisse zu den genannten Hypothesen zu erhalten, beginnen wir jetzt im November mit einem neuen Forschungsprojekt im Auftrag des BMFSFJ. Wir machen eine Tandemstudie, bei der wir männliche und weibliche ErzieherInnen, die zusammen in einer Gruppe arbeiten, in verschiedenen Settings beobachten. Dabei versuchen wir, über Videodokumentation und deren Auswertung kontrolliert und in Details zu erfassen, was in genau definierten pädagogischen Situationen, sowohl mit einzelnen Kindern als auch einer ganzen Gruppe, Männer anders machen als Frauen. Bislang gibt es kein vergleichbares Projekt, was erlaubt, pädagogische Fachkräfte unterschiedlichen Geschlechts in konkreten pädagogischen Situationen kontrolliert zu vergleichen. Zudem werden wir das Ganze mit einer Kontrollgruppe von Frauentandems vergleichen. Denn man kann davon ausgehen, dass es auch unter Frauen so etwas wie eine Arbeitsteilung im Rollenverhalten gibt. Es ist also zunächst unklar, ob unterschiedliche Herangehensweisen in einer Situation mit dem Geschlecht der Akteure zu tun haben oder ein reines und vom Geschlecht unabhängiges Aushandlungsprodukt sind. Vielleicht findet man ja in reinen Frauentandems ähnliche Unterschiede wie in gemischt-geschlechtlichen Tandems. Um das herausfinden zu können, werden wir eine größere Anzahl Tandems (20 Männer-Frauen-Tandems und 10 Frauentandems) in verschiedenen Kitas vergleichen, um zu verallgemeinerbareren Aussagen zu kommen.
Was würden Sie Männern, die an einem Studium der Frühpädagogik interessiert sind, mit auf den Weg geben?
Es ist nach wie vor auch in unseren Studiengängen so, dass wir schon glücklich sind, wenn wir in einem Jahrgang zwei oder drei Männer gegenüber etwa 40 Frauen haben. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei 2,4 % Männern, die als Erzieher in Kitas bzw. im Kindergartenbereich arbeiten. Im Moment ist es bei den frühpädagogischen Studienanfängern nur geringfügig besser. Das heißt, wir haben nach wie vor relativ wenige Männer, die diese Studiengänge studieren. Ein Grund wird vermutlich darin liegen, dass die frühpädagogischen Studiengänge sich erst einmal etablieren müssen, das ist abzuwarten. Grundsätzlich denke ich aber, dass diese Studiengänge für Männer eine andere Attraktivität besitzen als die alten Fachschulausbildungen, weil Männer sich vom Studium andere Berufsperspektiven versprechen. Für Männer ist es nach meiner Beobachtung immer noch viel stärker eine Frage als für Frauen, ob sie das ihr Leben lang machen können. Sie fragen sich: "Was ist, wenn ich 40 oder 50 Jahre alt bin? Mache ich dann den 'Daueropa' in der Einrichtung?" Diese Perspektive finden die meisten Männer nicht sonderlich attraktiv. Von daher ist ein Studium als Grundlage des Berufes grundsätzlich interessanter. Es ist aber, wie gesagt, immer noch so, dass wir eine deutliche Schieflage in den Bewerbungen haben.
Gründe, in das Berufsfeld einzusteigen, gibt es allerdings auch für Männer viele: In der Frühpädagogik zu arbeiten, ist anspruchsvoll und wichtig, man kann außerdem viele positive Rückmeldungen bekommen. Mit den Kindern zu arbeiten macht sicherlich sehr viel Spaß. Aber es ist völlig klar, dass es nach wie vor ein Beruf ist, in dem man mutig und selbstbewusst sein muss, um ihn auszuüben. Gegenüber Männern wird nämlich gerne nachgefragt, ob sie nicht etwas Besseres gefunden hätten oder ihnen nichts Besseres eingefallen ist. Sie sind nach wie vor damit konfrontiert, dass die Arbeit als frühpädagogische Fachkraft im Alltagsbewusstsein noch als typischer Frauenberuf etabliert ist. Das wird sich auch nur langsam ändern. Die Basis dafür ist dadurch geschaffen, dass sich das Vaterbild verändert hat. Bis das aber auch zu einer Veränderung des Berufsbildes führt, ist es noch ein Schritt. Männer, die dennoch frühpädagogische Fachkraft werden wollen, sind "Pioniere". Sie können ein neues Feld betreten und mit gestalten. Die Chancen, in diesem Bereich eine Stelle zu bekommen, sind außerdem enorm hoch.

Prof. Dr. Stephan Höyng lehrt an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin. Er ist Projektleiter der Koordinationsstelle "Männer in Kitas", die von der Bundesregierung gefördert wird. Ziel der Koordinationsstelle ist es, mehr männliche Frühpädagogen in Kitas zu bringen. Prof. Dr. Höyng war außerdem Koordinator der im Juli 2010 veröffentlichten Studie "Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten".
Was sind die Hintergründe für die aktuell geringe Anzahl von männlichen frühpädagogischen Fachkräften in Kitas?
Seit es Kindergärten gibt, waren fast nur Frauen darin aktiv. Schon Fröbel fand eine ausgewogene Geschlechterverteilung unter den Erziehern wichtig und suchte deshalb Männer für seine ersten Kindergärten. Aber er fand keine und stellte deshalb nur Frauen ein. Der Hintergrund für das Ausbleiben von Männern wird in der bis heute vorherrschenden Vorstellung von Männlichkeit liegen. Diese ist in quasi allen Aspekten unvereinbar mit Frühpädagogik. Man verbindet mit Frühpädagogik etwa persönliche Fürsorge, Nähe. Mit Männlichkeit dagegen verknüpft man die Fähigkeit zur Distanz, zu kämpfen, Konkurrenz. Ich glaube, dass solche Vorstellungen viel dazu beitragen, dass Männer oder Jungen sich von diesem Berufsfeld fernhalten. Solche Männlichkeitsklischees in der Art: "Ich will nicht kuschelig sein, ich will stark und wild sein" helfen Jungen zwar scheinbar bei der Ablösung von ihrer Mutter und von der Kindheit. Aber sie entwickeln damit auch ein einseitiges und verzerrtes Bild von Männlichkeit, mit dem sich Jungen von Fürsorglichkeit und Bezogenheit und von allem, was mit Kümmern, mit Zärtlichkeit zu tun hat, entfernen. Und genau das vermuten sie im Berufsfeld der Frühpädagogik.
Ich stelle mir Jugendliche oder junge Menschen in der Entscheidungssituation für eine Ausbildung vor. Für Jugendliche mit einer sozialen Orientierung ist die Bezahlung für den angestrebten Beruf eher von untergeordneter Bedeutung. Zu Lohndifferenzen zwischen verschiedenen Berufsfeldern können viele noch gar nichts sagen. Es kommt vielmehr darauf an, wie über das Berufsfeld im pesönlichen Umfeld gesprochen wird. Es spielt eine Rolle, wie Berufe anerkannt werden, wie die Bezahlung wahrgenommen wird.
Auch die Vorstellungen über die Tätigkeiten in einem Beruf sind wichtig. Die Arbeit in Kitas und Kindergärten ist lange Zeit vom Bild der Betreuung und Fürsorge dominiert worden. Erst seit wenigen Jahren wird stärker thematisiert, dass Erziehung eine fachliche Arbeit ist, in der viele Grundlagen für das Aufwachsen eines Menschen gelegt werden. Durch mehr fachliche Diskurse kann sich das Berufsfeld vom Image des "einfach nur Fürsorglichen" entfernen, das Männer daran hindert, erzieherische Berufe zu ergreifen. Wenn ich davon ausgehe, dass die Akademisierung die fachliche Debatte fördert und entwickelt, dann dürfte diese langfristig auch das Interesse von Männern am Berufsfeld steigern. Allerdings zeigt sich dies bislang noch nicht: Wir haben in einer ersten Befragung einen Bundesdurchschnitt von etwa 8 % Männern in diesen Studiengängen erhoben (Link zur Studie). Allerdings gibt es neben Hochschulen, die gar keine männlichen Studierenden haben, auch Hochschulen, die 16 - 17 % Männer aufweisen. Es wäre nun interessant zu sehen, welche Faktoren zu einem höheren Männeranteil führen und inwiefern diese übertragbar auf andere Hochschulen sind.
Ich denke, dass ein frühpädagogisches Bachelor-Studium nicht nur für Leitungsfunktionen qualifiziert, sondern auch für die direkte Arbeit mit Kindern. BachelorabsolventInnen sollten fachlicher fördern, Bedarfe und Begabungen bei Kindern genauer diagnostizieren können als Fachkräfte mit Fachschulausbildung. Allerdings sollte auch die Perspektive der Qualifizierung für Leitung nicht verloren gehen. Unsere Befragungen haben ergeben, dass Männern, die schon einige Jahre in Kindertagesstätten arbeiten, berufliche Weiterentwicklung und Aufstiegsperspektiven sehr wichtig werden. Wenn zu wenige Weiterentwicklungsperspektiven vorhanden sind, orientieren sie sich in andere Berufsfelder. Berufliche Perspektiven sind eine Voraussetzung, damit Männer im frühkindlichen Berufsfeld verbleiben. Ich bin momentan allerdings ersteinmal damit beschäftigt, Männer überhaupt für dieses Tätigkeitsfeld zu interessieren. Um die Verhältnisse langfristig zu verändern, werden wir als Koordinationsstelle auch schauen, wie Männer zum Bleiben bewogen werden können.
Was müsste Ihrer Ansicht nach geschehen, um den männlichen Anteil in Kitas zu erhöhen?
Zuerst einmal müssen wir erklären, warum wir uns für eine Erhöhung des Männeranteils einsetzen: Die Fähigkeiten zu erzieherischen Tätigkeiten sind bei Frauen und Männern im Grunde gleichmäßig verteilt. Aber Fähigkeiten müssen früh angeregt und gefördert werden. Auch wenn noch viel zu wenig Jungen zu erzieherischem Tun angeregt werden, muss man erst einmal festhalten, dass Männer das im Prinzip genauso gut können. Männliche Jugendliche sind nicht nur dazu begabt, Mechatroniker zu werden, obwohl das immer noch der beliebteste Ausbildungsberuf bei Jungen ist. So manche Jungen wählen aus Angst vor negativen Reaktionen ihres Umfelds die von ihnen erwarteten Berufe, wären aber möglicherweise viel glücklicher und besser, wenn sie einer Begabung für das frühpädagogische Arbeitsfeld nachgehen würden.
Die zweite Begründung für mehr Männer im frühpädagogischen Bereich ist eine pädagogische. Hier gibt es für Männer in der Frühpädagogik gerade viel Rückenwind durch eine breite Akzeptanz eines neuen Vaterverständnisses. Väterlichkeit wird inzwischen viel stärker als "Erziehen und aktives Begleiten" verstanden und nicht mehr nur als "Ernähren" begriffen. Wenn Väter und Mütter in der Erziehung ihrer Kinder aktiv sind, können Jungen sich selbst auch im pädagogischen Berufsfeld besser vorstellen. Das fachliche Argument, dass Kinder Männer wie Frauen in ihrem erzieherischen Umfeld brauchen, wird inzwischen auch von breiten Kreisen mitgetragen. Dabei ist mir wichtig, dass Kinder eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen in den Institutionen de Erziehung erleben können. Dieses Vorbild wäre allerdings keines für Gleichstellung, sondern für Geschlechterhierarchie, wenn die überwiegende Zahl der Männer in Führungspositionen und die meisten Frauen in der direkten Arbeit mit Kindern tätig sein würden.
Wesentliche Punkte, sozusagen "Stellschrauben" an denen wir arbeiten müssen, um Männer für den Beruf zu begeistern, sind meiner Meinung nach:
Die Berufspraktika sind eine ganz wichtige Form, in der Jungen dieses Feld kennen lernen können. Leider bricht der Zivildienst weg, der für Männer bislang ein ganz zentraler Zugang zu sozialen Berufen war. Wir müssen uns jetzt andere Möglichkeiten einfallen lassen, damit Jungen diesen Bereich kennen lernen und spüren können: "Da habe ich gewisse Fähigkeiten, das kann ich gut." Ohne organisierten Kontakt zur Praxis können Jungen zu selten die vorherrschenden Bilder von Männlichkeit ablegen und sich in diesem Beruf vorstellen.
Außerdem ist es wichtig, Wege in dieses Berufsfeld hinein und auch wieder heraus deutlich zu machen. Wir müssen zeigen, wie man über eine Ausbildung vom Sozialassistenten über die Fachschulausbildung als Erzieher zum Fachhochschulstudium kommt. Eine gestufte Ausbildung bietet Perspektiven und es muss erleichtert werden, damit man die nächst höhere Bildungsstufe erreichen kann. Da geht es um Anrechnung von Leistungen oder Erfahrungen, die man bereits hat. Und nicht nur auf dem direkten Wege: recht viele Männer, die in den Beruf kommen, sind Quereinsteiger oder Umsteiger, die auch schon interessante Qualifikationen mitbringen.
Man muss nicht 40 Jahre als Erzieher arbeiten. Überall wird davon gesprochen, dass man nicht mehr in demselben Beruf in Rente geht, in dem man angefangen hat. Um das Berufsfeld attraktiver zu machen, müssen Weiterentwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Interessierten muss klar sein, welche weiteren Arbeitsfelder erreichbar sind, wenn man schon 10, 15 Jahre in der Kindertagesstätte gearbeitet hat. So wären Übergänge in Bereiche der Sozialverwaltung oder in die Arbeit mit älteren Menschen denkbar. Und zwar für Männer und Frauen, die irgendwann sagen: "Ich will etwas anderes" oder auch "Ich kann nicht mehr".
Wir müssen daran arbeiten, das Berufsbild fachlich zu vertiefen, denn über die Fachlichkeit können wir zeigen, dass dort vielfältige Aufgaben gemeistert werden. Kindertageseinrichtungen müssen Konzepte entwickeln, die offenlegen, wie sie ihre pädagogischen Aufgaben angehen wollen. Dazu gehört auch, die Organisationsstrukturen bzw. die Arbeitskultur in den Einrichtungen zu gestalten. So kann es sein, dass Männer andere Themenschwerpunkte anbieten würden, kontroverser diskutieren, anderes erkunden würden. Dies kann nicht automatisch erwartet werden, sollte aber willkommen sein. Man muss prüfen, wie man es schaffen kann, dass in bestehende Arbeitskultur jetzt Männer hinein kommen, ohne dass Frauen das Gefühl bekommen, ihnen wird etwas weg genommen, also zum Beispiel, weil Sportliches jetzt automatisch der neue männliche Kollege macht. Weder Männer noch Frauen sollen befürchten müssen, dass ihnen geschlechtstypische Bereiche einfach zugewiesen werden. Nur so kann eine Einbindung von Männern in Frauenteams erfolgreich sein. Dazu kann es sehr hilfreich sein, in Kitas Fortbildungen zu geschlechterbewusster pädagogischer Arbeit durchzuführen. Die fachlichen Mitarbeiter der Koordinationsstelle bieten solche Fortbildungen an.
Was würden Sie einem Mann mit auf dem Weg geben, der sich für ein frühpädagogisches Studium interessiert?
Als ein Exot an seinem Studienplatz muss er manchmal eine dicke Haut entwickeln. Es ist schwerer, bei sich zu bleiben, wenn man immer besonders auffällt, weil man zu einer Minderheit gehört. Alles, was man sagt und tut, wird genauer registriert, man kann nicht in der Masse untergehen. Ich denke, Männer sollten das Studium nutzen, indem sie auf ihre Minderheitensituation aufmerksam machen und sich dafür einsetzen, dass diese reflektiert wird. Das heißt, sie sollten einfordern, Geschlechterverhältnisse im Beruf zu thematisieren. Mehrheiten thematisieren die Themen von Minderheiten in der Regel ungern. Dafür müssen die Männer selber sorgen. Die Reflexion nutzt Männern und Frauen gleichermaßen, denn es ist für alle Studierenden eine wertvolle pädagogische Kompetenz, das Geschlechterverhältnis kritisch reflektieren zu können.
Was ist das Projekt "Männer in Kitas"?
Die Koordinationsstelle "Männer in Kitas" ist an die Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin angegliedert. Hier arbeitet ein Team aus mehreren Experten daran, den Männeranteil in Kindertagesstätten langfristig zu erhöhen, indem neue männliche Fachkräfte hinzu kommen und in den Kitas bereits tätige Fachkräfte gebunden werden. Wir wollen an den Stellschrauben drehen, die ich eben genannt habe. Wir beraten Akteure in der Frühpädagogik von Trägern über Netzwerke von männlichen Erziehern bis hin zum Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Referat für Gleichstellung von Männern und Jungen des Familienministeriums fördert die Koordinationsstelle mit sehr viel Engagement. Zu Beginn des nächsten Jahres werden in den meisten Bundesländern Modellprojekte starten, die in einer lokalen Vernetzung mit verschiedenen Institutionen, wie Trägern, kommunalen Verwaltungen, Kitas, Ausbildungsstätten, Strategien erproben, um den Anteil der männlichen Fachkräfte in ihrem Einzugsgebiet zu erhöhen. Wir unterstützen diese Netzwerke und versuchen weitere Akteuere für das Vorhaben zu gewinnen, übrigens auch Hochschulen.