In dieser Rubrik finden Sie redaktionelle Beiträge und ExpertInneninterviews zu ausgewählten Themen rund um das frühpädagogische Studium und Arbeitsfeld.
Es ist kaum Geld in den Töpfen der öffentlichen Haushalte. Das lässt die Kostenträger zweimal hinschauen, was Kindertageseinrichtungen so machen und wofür sie ihre Finanzmittel verwenden. Außerdem steigt der Konkurrenzdruck: Eltern interessieren sich sehr dafür, wo sie ihr Kind unterbringen und vergleichen die Angebote.
Was folgt daraus für die Kindertageseinrichtungen? Das Herausstellen des eigenen Profils unter einer Vielzahl anderer Profile ist gefragt. "Werbung in eigener Sache" lautet die Devise - Selbstvermarktung eben. Die zentralen Begriffe dafür heißen "Öffentlichkeitsarbeit" und "Marketing".
Was genau bedeuten Öffentlichkeitsarbeit und Marketing?
Öffentlichkeitsarbeit dient in erster Linie der Pflege "öffentlicher Beziehungen", das ist auch die Übersetzung des englischen Begriffes "Public Relations", der gerne synonym verwendet wird. Getreu dem Motto "Tue Gutes und rede darüber" bestimmt die Öffentlichkeitsarbeit das Image eines Unternehmens oder einer Institution.
Marketing orientiert sich am Markt. Durch Marketingmaßnahmen kann eine Institution den Markt beeinflussen, um die eigenen, selbstgesetzten Ziele zu erreichen.
An wen richtet sich das Ganze überhaupt?
In erster Linie richten sich die entsprechenden Maßnahmen an die Erziehungsberechtigten der Kinder, die in der Kindertageseinrichtung aufgenommen werden sollen. Wer sich bunt mit all seinen Vorzügen präsentiert, hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber denen, die blass bleiben und kann besser im Wettbewerb bestehen. Das gilt genauso gegenüber weiteren Adressaten wie Trägern und an der Finanzierung beteiligten öffentlichen Verwaltungen und Mandatsträgern. Und außerdem: Manchmal ist die Einwerbung von Drittmitteln, so genanntes "Fundraising" gefragt. Da lohnt es sich zu wissen, wie man seine Einrichtung und sein Vorhaben von der besten Seite zeigt.
Was sind gängige Maßnahmen?
Welche Maßnahme ist die richtige für meine Einrichtung? Darauf gibt es keine Pauschalantwort. Grundsätzlich gilt: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt ganz klassische PR- und Marketinginstrumente, wie z.B. Flyer oder Imagebroschüren, die das Konzept der Einrichtung widerspiegeln und die wichtigsten Informationen enthalten. Weitere Möglichkeiten sind Anzeigen und Berichte in den Medien. Auch Veranstaltungen, wie z.B. ein "Tag der offenen Tür" sind eine gute Werbung für die KiTa. Das Internet hält zusätzliche Chancen bereit: Warum nicht eine eigene Homepage für die Kindertageseinrichtung erstellen? Das ist eine langfristige und effiziente Lösung, die an Aktualität nicht verliert - sofern man die Webseite regelmäßig pflegt und sie nicht zum Datenfriedhof verkümmern lässt.
Was hat das Ganze mit meinem Studium zu tun?
Warum auch KiTas Öffentlichkeitsarbeit und Marketing für ihre Einrichtung machen sollten, haben wir gerade verdeutlicht. Viele Hochschulen sehen das ähnlich und haben deshalb beides zum Bestandteil des Curriculums ihres frühpädagogischen Studiengangs gemacht.
In der Theorie etwas vermittelt zu bekommen, ist gut. Es dann während des Studiums unter Anleitung auch noch in die Praxis umsetzen zu können, ist besser. Wie Projekte zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und Marketing während des Studiums aussehen und ablaufen können, gibt es hier nachzulesen: Dr. Jürgen Rausch, Dozent im Studiengangsmodul "Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing" des Studiengangs "Pädagogik der frühen Kindheit" (B.A.) der Evangelischen Hochschule Freiburg und eine Absolventin dieses Studiengangs, Christine Heimbach, berichten über Praxisprojekte im Rahmen des Moduls.
Darüber hinaus hat uns Andreas Hirsch, Absolvent des Studiengangs "Bildungs- und Sozialmanagement mit Schwerpunkt frühe Kindheit" (B.A.) der FH Koblenz, seine Projektarbeit zum Modul "Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoring und Fundraising" zur Verfügung gestellt.
Zu den Interviews
von Sabine Vogelfänger, Januar 2010
Literatur:
Butzhammer, Sabine (2004): ABC der Mediengestaltung. Itzehoe: Verlag Beruf und Schule.
Krenz, Armin (1997): Handbuch Öffentlichkeitsarbeit. Professionelle Selbstdarstellung für Kindergarten, Kindertagesstätte und Hort. Freiburg: Herder Verlag.
Neuhaus, Benno (2004): Öffentlichkeitsarbeit und Marketing in Kindertagesstätten. In: KiTa aktuell, 7-8/2004, S. 155-157.
"Das Internet birgt viele Gefahren für Kinder" oder "Werbung beeinflusst die Kleinen": Die einfachste Lösung ist, den Kindern den Umgang mit dem Computer zu verbieten und das Fernsehen auszuschalten. Einfach, ja. Aber richtig?
Sicherlich werden Kinder durch die Nutzung von Medien auch immer beeinflusst. Aber ist das ein Grund, die Augen zu schließen und Medien, die unseren Alltag nachgewiesen schon in sehr jungen Jahren stark beherrschen, einfach von den Kindern fernzuhalten?
"Die frühe Kindheit ist Medienkindheit" (Neuss, 2005, S.59). Gerade weil Kinder schon früh mit Medien in Berührung kommen, gilt es deshalb ebenso zeitig mit der Medienerziehung zu beginnen. Wir wachsen mit Medien auf und deshalb kann man diese nicht ignorieren, sondern sollte sie Kindern rechtzeitig näher bringen und ihnen erklären, was dahinter steckt. Nur so können sich die Kleinen in der Konsum- und Medienwelt orientieren. Untersuchungen zeigen aber, dass dieses Thema in KiTas leider immer noch zu kurz kommt. So ergab z.B. eine Studie aus dem Jahr 2006 von Ulrike Six und Roland Gimmler u.a., dass ErzieherInnen Medienerziehung als einen Förderbereich mit sehr geringer Priorität beurteilen.
Was ist Medienarbeit und was genau verbirgt sich überhaupt hinter dem Begriff "Medium"?
Ein "Medium ist alles, was Informationen aller Art speichert und/oder vermittelt" (Reetze, 1993, S.2). Medien sind zum Beispiel das Fernsehen, das Internet oder auch Fotos. Medienarbeit wiederum ist die Arbeit mit Medien. Im Kindergarten bezieht sich diese insbesondere auf die sogenannten „kreativen Medien“, zu denen zum Beispiel das darstellende Spiel oder die Sprache gehören. Meistens erfolgt die Nutzung von Medien im Kindergarten passiv, das heißt nur rezeptiv. Damit Kinder Medien durchschauen können, müssen sie diese aktiv nutzen, zum Beispiel in Form eines Fotoprojektes, bei dem sie sich gegenseitig aufnehmen.
Man kann Medien auch als Erinnerungshilfe einsetzen. "Wie viele Elefantenbabys gab es letztes Jahr im Zoo?" Eine Fotodokumentation zum Thema "Ein Besuch im Zoo", die zusammen mit den Kindern erstellt wurde, ruft schöne Erinnerungen hervor und motiviert zugleich zu einer neuen Unternehmung. Und über die Videoaufnahme des lustigen Clowns vom letzten Kindergartenfest kann noch ein Jahr später gelacht werden.
Warum sollte Medienarbeit ein zentraler Bestandteil eines frühpädagogischen Studiums sein?
Medienarbeit im Kindergarten ist ein sehr wichtiges Thema, weil Kinder schon sehr früh mit Medien konfrontiert werden. Deshalb ist dieser Schwerpunkt auch in Modulen von vielen frühpädagogischen Studiengänge wiederzufinden. Den Studierenden wird in Lehrveranstaltungen Wissen über die praktische Medienarbeit und deren Ziele in der Kindertagesstätte vermittelt.
Wir konnten Prof. Dr. Ulrike Six, geschäftsführende Leiterin des Instituts für Kommunikationspsychologie, Medienpädagogik und Sprechwissenschaft der Universität Koblenz-Landau, für ein schriftliches Interview gewinnen.
Zudem haben wir mit Prof. Dr. Norbert Neuss, Studiengangsleiter des Studiengangs "Bildung und Förderung in der Kindheit" (B.A.) der Justus-Liebig-Universität Gießen über Inhalte der Medienbildung und die Relevanz dieses Themas für Studierende gesprochen. Zum Interview.
Zu den Interviews
von Heike Hildebrandt, Februar 2010
Literatur:
Anfang, Günther / Demmler, Kathrin (2006): Medienarbeit im Kindergarten. In: merz. medien+ erziehung, Nr. 1/2006, S. 47-52.
Neuss, Norbert (2005): Medienbildung als eigenständiges Lern- und Themenfeld. Medienbildung im Vorschulbereich. In: Medienimpulse, Nr. 51/2005, S. 59-64.
Reetze, Jan (1993): Medienwelten. Schein und Wirklichkeit in Bild und Ton. Heidelberg: Springer-Verlag.
Schäfer, Dina / Hille Astrid (Hrsg.) (2000): Medienpädagogik. Ein Lehr- und Arbeitsbuch für sozialpädagogische Berufe. Freiburg im Breisgau: Lambertus-Verlag.
Six, Ulrike / Gimmler, Roland (2007): Förderung von Medienkompetenz im Kindergarten. Eine empirische Studie zu Bedingungen und Herausforderungen der Medienerziehung. Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien NRW, Band 57. Berlin: Vistas.
In den letzten Jahren hat die Zahl der frühpädagogischen Studiengänge stark zugenommen. Gab es 2004 noch nicht einmal eine Hand voll frühpädagogischer Studiengänge, so hat man heute mehr als 60 Optionen: "Berufsbegleitendes oder Präsenzstudium?" "Hamburg oder Berlin?"– Das sind nur einige denkbare Fragen, die Studieninteressierte sich derzeit stellen können.
Und wie der Lauf der Zeit spielt, gibt es natürlich auch irgendwann AbsolventInnen dieser Studiengänge. Die Studiengänge sind zwar in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen, aber wurde auch genauso schnell eine passende Umsetzung zur Vergütung der frischgebackenen AkademikerInnen gefunden? An dieser Stelle stoppt die rasante Entwicklung und man hat das Gefühl, dass das Thema "Eingruppierung von AbsolventInnen der Frühpädagogik" im wahrsten Sinne des Wortes noch in den Kinderschuhen steckt.
Trotz der gestiegenen Anforderungen an frühpädagogische Fachkräfte hat sich nämlich in Sachen Eingruppierung nicht viel getan.
Klingt so, als würde sich niemand für die Vergütung der AkademikerInnen im frühpädagogischen Bereich einsetzen? Falsch!
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) macht sich u.a. für eine bessere Bezahlung in diesem Bereich stark. Bernhard Eibeck, Referent für Jugendhilfe und Sozialarbeit beim GEW-Hauptvorstand, hat für uns Stellung zum Thema "Akademisierung der ErzieherInnenausbildung – Konsequenzen für die Eingruppierung?" genommen und fasst die neusten Entwicklungen in diesem Bereich zusammen.
Auch die "Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e.V." (BAG-BEK e.V.) setzt sich für die Vergütung des frühpädagogischen Fachpersonals ein. Neben den Arbeitsgruppen "Studiengangsentwicklung" und "Forschung", hat die BAG-BEK e.V. die Arbeitsgruppe "Berufspolitik" hervorgebracht, die sich u.a. mit genau dieser Thematik beschäftigt.
Wir haben mit Prof. Dr. Helmut Lechner, Vorsitzender der AG Berufspolitik der BAG-BEK e.V. und Studiengangsleiter des Studiengangs "Bildung und Erziehung im Kindesalter" (B.A.) der Hochschule München ein Interview zu den Forderungen der BAG-BEK e.V. geführt.
Zu Interview und Stellungnahme
von Heike Hildebrandt, März 2010
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl frühpädagogischer Studiengänge, die inhaltlich sehr unterschiedlich ausgerichtet sind:
Möchte man z.B. im Bereich der Leitung arbeiten, empfiehlt es sich, einen Studiengang, der sich genau auf diesen Bereich konzentriert, zu wählen. Neben Studiengängen, die sich auf die Pädagogik der Kindheit spezialisieren, gibt es auch noch profilbildende Studiengänge, solche, die mit der Sozialen Arbeit verknüpft sind, und welche, mit denen man auch als GrundschullehrerIn tätig werden kann.
Die Akademisierung der ErzieherInnenausbildung schreitet mit großen Schritten voran, die Meinungen hierzu gehen allerdings auseinander. Wir möchten uns in diesem Monat mit zwei Artikeln, "Die Kita-Lüge" von Jeanette Otto und "Maurer sollen Kitas retten" von Alke Wierth, beschäftigen.
"Die Kita-Lüge" oder "Buddelt Frau Otto auf der Suche nach Argumenten nur selber sinnlos im Sand?"
Im Juli letzten Jahres erschien in der ZEIT zum Thema "Akademisierung der ErzieherInnenausbildung" der Artikel "Die Kita-Lüge" von Jeanette Otto, welcher für Empörung in den Reihen der Frühpädagogik sorgte.
Unter anderem kritisierte Otto stark die Vielfältigkeit frühpädagogischer Studiengänge. Anstatt die Mannigfaltigkeit der Studiengänge als eine Chance zu sehen, ist die Rede davon, dass den Hochschulen Ausbildungsrichtlinien fehlen würden und dass jede Hochschule für sich experimentiere. Ilse Wehrmann nimmt im Artikel dazu Stellung und fordert sogar einen "Staatsvertrag für frühkindliche Bildung", der die Startchancen deutscher Kinder vereinheitlicht. Auch Thomas Rauschenbach, Direktor des deutschen Jugendinstituts (DJI), fordert eine solche Vereinheitlichung.
Neben der Vielfalt der Studiengänge kritisiert Otto zudem die Gründe, die die Akademisierung der ErzieherInnen vorangetrieben haben, wie z.B. die Erkenntnisse aus Pisa und der Hirnforschung. Sie sieht in dieser Lebensphase vielmehr Kinder, die nur sinnlos im Sand buddeln. Da fragt man sich, ob Frau Otto in Ihrem Text nicht manchmal selber sinnlos nach Argumenten -sofern überhaupt vorhanden- im Sand buddelt. Weitere Kritikpunkte sind, dass nur die wenigsten AbsolventInnen der jungen Studiengänge in die Kita gehen würden, zudem seien die ProfessorInnen der Frühpädagogik "Drittligaprofessoren", zum Teil aus anderen Fachbereichen und in manchen Fällen angeblich ohne Promotion.
Studierende des Studiengangs "Erziehung und Bildung im Kindesalter" (B.A.) der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg haben sich in einer Stellungnahme kritisch mit dem Artikel von Jeanette Otto auseinandergesetzt.
"Maurer sollen Kitas retten" oder "Häuserbau zukünftig aus Lego?"
Wo wir doch gerade beim Thema "Akademisierung der ErzieherInnenausbildung" sind: Wie wär es denn, wenn statt der -von Drittligaprofessoren entlassenden- Absolventen, die mit Kindern den ganzen Tag nur spielen und malen, ein Maurer den Kindern mal zeigen würde, wie man Häuser aus Lego baut?
Das wär doch eine schöne Idee, hat sich wohl auch Bildungssenator Zöllner gedacht. Er schmiedet Pläne, gegen den Personalmangel in Berlin in Zukunft auch HandwerkerInnen nach einer Prüfung als ErzieherInnen einzusetzen. So können diese dann wahrscheinlich ihre Bauvorhaben den Kleinen mit Lego präsentieren. Zöllner sieht den Einsatz von HandwerkerInnen keinesfalls als Notlösung, sondern findet es pädagogisch sinnvoll, dass die Erfahrungen einer anderen Berufsgruppe so weitergegeben werden können.
Den Artikel "Maurer sollen Kitas retten" von Alke Wierth finden Sie im Archiv der taz.
Zur Stellungnahme
von Heike Hildebrandt, April 2010
Eigentlich sind alle fertig angezogen für den Ausflug. Nur die dreijährige Lena trotzt und will partout keinen Waldspaziergang mit ihrer KiTa-Gruppe unternehmen, was sie dadurch deutlich macht, dass sie sich unter lautem Gebrüll auf den Boden wirft.
Ein fiktives Szenario, aber trotzdem kein unrealistisches. Was jetzt? Das Kind alleine in der Einrichtung zu lassen, geht nicht. Den Spaziergang abzusagen, auch nicht.
Warum führt Lena sich überhaupt so auf? Und was bedeutet es, Kindern passgenaue Angebote zu machen, um sie in ihrer Entwicklung zu fördern? Denn genau das ist eine von vielen Aufgaben, die eine frühpädagogische Fachkraft erfüllen soll. Ganz schön knifflig, wenn man bedenkt, dass Kleinkinder ihre Bedürfnisse und das, was sie bewegt, manchmal völlig anders mitteilen, als wir das von Erwachsenen kennen. Abgesehen von der Schwierigkeit, die Gründe für kindliches Verhalten richtig zu deuten, besteht die Gefahr, das Kind zu über- oder unterfordern. Um dem vorzubeugen, ist entwicklungspsychologisches Wissen hilfreich.
Was ist Entwicklungspsychologie?
Die Entwicklungspsychologie beschäftigt sich mit dem Entwicklungsprozess des Menschen über die gesamte Lebensspanne von der Zeugung bis zum Tod. Die verschiedenen Theorien kreisen vor allem um die Fragen:
Die Säuglings- und Kleinkindforschung ist ein Schwerpunkt der Entwicklungspsychologie, gerade in dieser Zeit passiert unheimlich viel. Sie gibt Aufschluss darüber, an welchem Punkt des Entwicklungsprozesses ein Kind gerade steht und Hinweise dazu, wie eine Bezugsperson es dabei optimal unterstützen kann. Aus diesem Grund ist die Entwicklungspsychologie Bestandteil vieler frühpädagogischer Studiengänge.
Entwicklungspsychologie im frühpädagogischen Studium
Wie die Entwicklungspsychologie konkret in einen frühpädagogischen Studiengang eingebunden wird und was AbsolventInnen daraus für die Praxis mitnehmen, hat uns Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff von der Evangelischen Hochschule Freiburg erklärt. Das Gespräch können Sie sich als Podcast anhören.
Prof. Dr. Dr. Hartmut Kasten vom Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) in München hat über die Bedeutung der Entwicklungspsychologie für die Förderung von Kindern gesprochen. Das Interview ist im Portal nachzulesen.
Zu den Interviews
von Heike Hildebrandt und Sabine Vogelfänger, Mai 2010
Literatur:
Berk, Laura E. (2005): Entwicklungspsychologie. München: Pearson Studium.
Fröhlich-Gildhoff, Klaus/Mischo, Christoph/Castello, Armin (2009): Entwicklungspsychologie für Fachkräfte in der Frühpädagogik. Köln, Kronach: Carl Link Verlag.
An der Universität in Gießen gibt es sie, die Alice Salomon Hochschule Berlin hat schon eine, die PH Ludwigsburg und andere auch – was denn eigentlich? Die Rede ist von Lernwerkstätten und ModellkiTas.
Um den steigenden Anforderungen und neuen Situationen im Joballtag besser gewachsen zu sein, ist ein wissenschaftlicher Hintergrund für FrühpädagogInnen essenziell. Aber: Die AbsolventInnen sollen nach ihrem Studium nicht völlig vergeistigt in die Berufswelt einsteigen, sondern vielmehr durch das Studium, eng verknüpft mit viel praktischer Arbeit, eine forschende Haltung ausbilden.
Damit die Studierenden lernen, fachliche, methodische, soziale und personale Kompetenzen aus dem Studium in der Praxis anzuwenden, zu überprüfen und ggf. zu modifizieren (vgl. Balluseck H.v./Nentwig-Gesemann, 2008, S. 30), müssen sich die Hochschulen etwas einfallen lassen. Die Verantwortlichen von Studiengängen, die direkt an einen Schulabschluss anschließen, vielleicht noch ein bisschen mehr als die KollegInnen, die berufsbegleitende oder -intergrierende Varianten leiten, da sich deren Studierende automatisch in der Praxis befinden. Die Hochschulen schicken ihre Studierenden daher während des Studiums regelmäßig an den Lernort Praxis, d.h. in KiTas oder andere Institutionen. Häufig sind ganze Semester dafür eingeplant, andere haben durchgängig einen Praxistag pro Woche eingerichtet. Nicht nur für die Studierenden sind Praxisphasen und -projekte wertvoll, umgekehrt können die Einrichtungen ihre Fragen und Probleme auf diese Weise unmittelbar in die Hochschulen transportieren.
Lernwerkstätten und ModellkiTas bieten gute Möglichkeiten zur Praxisforschung. Diese zwei Modelle, die nicht ausschließlich, aber eben auch der Verknüpfung von Theorie und Praxis dienen, möchten wir Ihnen vorstellen.
ModellkiTa
Eine ModellkiTa ist eine KiTa, die eine Kooperation mit einer Hochschule hat. Das bedeutet, dass diese Hochschule Projekte oder Studien in der Einrichtung durchführt und dort Verfahren ausprobieren kann. Einblicke in eine derartige Kooperation gibt Prof. Dr. Dagmar Bergs-Winkels von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg in unserem Interview. Sie ist Studiengangsleiterin des Studiengangs "Bildung und Erziehung in der Kindheit" (B.A.) und hat die KiTa "CampusKinder" mit Kollegen und Studierenden gegründet, entwickelt und umgesetzt.
Lernwerkstatt
Eine Lernwerkstatt ist im weitesten Sinne ein Raum mit inspirierenden Materialien und Gegenständen, die zur Auseinandersetzung und zum Lernen einladen. Studierende können dort experimentieren und so entweder gleich an sich selber, aber auch an KiTa-Gruppen vor Ort, Lernprozesse erforschen und neue Lernideen entwickeln. Prof. Dr. Axel Jansa leitet den Studiengang "Bildung und Erziehung in der Kindheit" (B.A.) an der Hochschule Esslingen und erklärt im Interview, wie er und andere DozentInnen die dort vorhandene Lernwerkstatt in ihre Lehre einbinden.
Zu den Interviews
von Sabine Vogelfänger, Juni 2010
Literatur:
Balluseck, H. v./Nentwig-Gesemann, I. (2008): Wissen, Können, Reflexion. Die Verbindung von Theorie und Praxis in der Ausbildung von ErzieherInnen. In: Sozial Extra 3/4 2008, S. 28-32.
Nentwig-Gesemann, Iris (2007): Forschende Haltung. Professionelle Schlüsselkompetenz von FrühpädagogInnen. In: Sozial Extra 5/6 2007, S. 20-22.
In Europa ist Mehrsprachigkeit gefragt, Sprache ist Teil der kulturellen Vielfalt. So empfiehlt der Europarat den BürgerInnen Europas, drei Sprachen sprechen zu können. Diese Aussage mag bei manchen LeserInnen Erinnerungen an erste Konfrontationen mit einer Fremdsprache in der 5. Klasse hervorrufen, an unliebsames Vokabeln und Grammatik pauken. Das bleibt SchülerInnen auch heute nicht ganz erspart, aber in Sachen Fremdsprachenerwerb hat sich einiges getan: Er beginnt nämlich mittlerweile viel früher und das aus guten Gründen.
Fremdsprachenerwerb so früh wie möglich fördern
Es gibt die Erkenntnis, dass Kinder eine Fremdsprache weitaus leichter lernen, je früher sie damit beginnen. Die Voraussetzungen sind ausgesprochen günstig, kleine Kinder sind neugierig, kommunikationsbereit und imitieren gerne. Aufgrund dieser Tatsachen und um dem Anspruch der Mehrsprachigkeit Rechnung zu tragen, hat sich der Fokus immer mehr in Richtung frühen Fremdsprachenerwerb verschoben. Seit einigen Jahren lernen Grundschulkinder daher in vielen deutschen Bundesländern ab der dritten Klasse Englisch, in wenigen ab der ersten Klasse. Kritik zur „foreign language“ in der Primarstufe gibt es aber auch, hauptsächlich dahingehend, dass viele LehrerInnen noch nicht richtig für die Vermittlung einer Fremdsprache an Kinder im Grundschulalter ausgebildet sind. Die Didaktik unterscheidet sich massiv von der, mit der LehrerInnen Kinder an weiterführenden Schulen unterrichten. Kleinere Kinder lernen eine neue Sprache am besten spielerisch, Lesen und Schreiben der Fremdsprache sollen auch bei GrundschülerInnen nicht im Vordergrund stehen. Stattdessen soll der frühe Fremdsprachenunterricht Interesse am Sprachenlernen wecken und den Blick für fremde Kulturen öffnen.
Was lernen Studierende, die speziell für den Fremdsprachenerwerb im frühen Kindesalter ausgebildet werden?
Prof. Dr. Marita Schocker-von Ditfurth von der Pädagogischen Hochschule Freiburg ist Leiterin des Fern-/Kontaktstudiengangs "E-Lingo – Didaktik des frühen Fremdsprachenlernens", einem Kooperationsprojekt zwischen den Pädagogischen Hochschulen Freiburg und Heidelberg und der Justus-Liebig-Universität Gießen im Auftrag der Landesstiftung Baden-Württemberg. Wie der Name verrät, bildet der Studiengang für die Vermittlung von Fremdsprachen speziell im Kindergarten- und Grundschulalter aus und schließt somit eine Lücke. Im Interview erklärt die Projektleiterin, was den Studiengang inhaltlich auszeichnet und wie die AbsolventInnen Kinder didaktisch an die Fremdsprache heranführen.
Wie sieht der bilinguale Alltag in einer KiTa aus?
Eigentlich könnte der Fremdsprachenerwerb doch flächendeckend noch früher beginnen, also schon im Kindergartenalter und nicht erst in der Grundschule. Von den Kinderbetreuungseinrichtungen in Deutschland ist bisher aber nur ein verschwindend geringer Anteil mehrsprachig ausgerichtet, nämlich ca. 680. Wir haben eine dieser Einrichtungen, die englische Kay International Pre-School in Bonn, besucht und ihren Alltag einen Vormittag lang begleitet. Über die Vorteile der bilingualen Bildung, Erziehung und Betreuung von 3 bis 6-Jährigen haben wir mit Dr. Helga Kay, Leiterin und Mitbegründerin der Pre-School, gesprochen und Einblicke darin erhalten, wie die Kinder vor Ort konkret Englisch lernen. Nachzulesen gibt es das alles in einer Reportage.
Zu den Interviews und der Reportage
von Sabine Vogelfänger, Juli 2010
Literatur:
Legutke, Michael/Müller-Hartmann, Andreas/Schocker-v. Ditfurth, Marita (2009): Teaching English in the Primary School. Stuttgart: Klett Verlag (Reihe: Uni Wissen)
Bunse, Sabine/Hoffschildt, Christiane (2008): Sprachentwicklung und Sprachförderung im Elementarbereich. München: Olzog Verlag
Internetquellen:
Verein für Frühe Mehrsprachigkeit an Kindertageseinrichtungen und Schulen e.V. (2009): Bilinguale Kitas in Bundesländern. www.fmks-online.de/download.html (Stand: 23.06.2010)
Goethe-Institut: Nürnberger Empfehlungen zum "Frühen Fremdsprachenlernen"
www.goethe.de/lhr/prj/nef/deindex.htm (Stand 23.06.2010)
"Inklusive Pädagogik" ist in aller Munde, u.a. befassen sich derzeit mehrere Tagungen und ganze Themenkomplexe in frühpädagogischen Fachzeitschriften damit. Ein Grund dafür ist die in Deutschland seit 2009 in Kraft getretene Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Mit der Entwicklung der Konvention ist auch das Konzept "Inklusion", das es eigentlich schon länger gibt, verbreitet worden.
Inklusive oder integrative Pädagogik – ist das nicht das Gleiche?
Was bedeutet Inklusion für die Pädagogik überhaupt auf inhaltlicher Ebene? Auch wenn das Wort ursprünglich aus der Behindertenpädagogik stammt und aktuell immer noch gerne auf Menschen mit Handicap begrenzt wird: Die Definition bezieht sich eigentlich auf viel mehr. Inklusive Pädagogik zielt darauf ab, alle Menschen gleichermaßen in das gesellschaftliche Leben einzubeziehen und daran teilhaben zu lassen, ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer kulturellen oder sozialen Herkunft, körperlicher oder geistiger Einschränkungen etc. Das ist auch die Grenzziehung zur integrativen Pädagogik, die dem Begriff nach bedeutet, Minderheiten in ein schon bestehendes System aufzunehmen. Mit der Unterschiedlichkeit in den Zielen der beiden pädagogischen Richtungen schließen sich auch die Konsequenzen für die (früh)pädagogische Praxis an. Inklusion zieht einen Reformprozess der Konzeptionen von bestehenden Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsinstitutionen und ein Umdenken auf allen Ebenen des täglichen Zusammenlebens nach sich, um das Recht aller Kinder auf gemeinsame Bildung und Erziehung umzusetzen. Ist das überhaupt zu realisieren? Und wie am besten ansetzen?
Was bedeutet das für die Praxis?
Für die Fachkräfte im frühkindlichen Bereich, sei es nun mit oder ohne akademischem Hintergrund, folgt daraus, sich neben vielen anderen neuen oder wachsenden Anforderungen, die ihr Berufsalltag mitbringt, mit inklusiver Frühpädagogik auseinanderzusetzen. Zwei Qualifizierungswege möchten wir an dieser Stelle vorstellen.
Petra Wagner leitet das Projekt "Kinderwelten" im Institut für den Situationsansatz/Internationale Akademie gGmbH an der Freien Universität Berlin. Sie und ihr Team schulen Fachkräfte in frühpädagogischen Einrichtungen und Träger, Kinder vorurteilbewusst zu bilden, betreuen und erziehen. Wie diese Fortbildungsmaßnahmen aussehen, wie Einrichtungen gestaltet sein müssen, damit sie gute Rahmenbedingungen für inklusive Frühpädagogik bieten und was inklusive Frühpädagogik konkret ausmacht, beschreibt Frau Wagner in einem Interview.
Prof. Dr. Sabine Lingenauber ist Leiterin des Studiengangs "Frühkindliche inklusive Bildung" an der Hochschule Fulda, einem der ersten Studiengänge mit diesem Schwerpunkt. Sie hat in einem Interview Stellung dazu genommen, was ihren Studiengang im Verhältnis zu anderen frühpädagogischen Studiengängen ausmacht und was sich gesamtgesellschaftlich ändern müsste, um inklusiver Frühpädagogik noch besser gerecht zu werden.
Zu den Interviews
von Sabine Vogelfänger, September 2010
Literatur:
Eibeck, Bernhard (2010): Index für Kindertagesstätten. Inklusion: Das Recht eines jeden Kindes. In: Kita aktuell HRS 7/8 2010, S. 153-154
Frühauf, Theo (2010): Von der Integration zur Inklusion – ein Überblick. In: Frühe Kindheit 2/2010, S. 13-17
Internetquellen:
Initiative "Alle Inklusive": www.alle-inklusive.de (Stand 25.08.2010)
Verena, 26 Jahre, ist staatlich anerkannte Erzieherin und plant, in Kürze zu ihrem Freund nach Paris ziehen. Ihren Beruf würde sie auch in der neuen Heimat gerne ausüben.
So einfach ist das aber nicht: Zum einen gibt es in Frankreich kaum klassische Kindergärten, wie sie bei uns gängig sind. Zum anderen kann Verena dort nicht in ihrem eigentlichen Berufsstatus arbeiten, sondern "nur" als Assistentin einer französischen Erzieherin. Das liegt in den unterschiedlichen Ausbildungsniveaus in Deutschland und Frankreich begründet.
Frühpädagogische Studienabschlüsse verbessern die Chancen im Ausland
Die neuen Studienangebote in Deutschland sind u.a. deswegen entstanden. Befürworter dieser Höherqualifizierung im frühpädagogischen Bereich nennen als einen der Hauptgründe für ihre Meinung, dass das Ausbildungslevel der hiesigen Fachkräfte im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern weit hinter dem Standard zurück gelegen hat. Die Studiengänge sind daher für sie ein Indikator dafür, dass den hohen Ansprüchen frühkindlicher Erziehung, Bildung und Betreuung nun auch hier Rechnung getragen wird. Ein Studium verbessert außerdem die Chancen auf die Arbeit als frühpädagogische Fachkraft im Ausland, da dort die entsprechende Ausbildung in der Regel auf Hochschulebene statt findet.
Der Ausbildungsweg von französischen Fachkräften
Wie sind denn Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen in anderen Ländern eigentlich ausgebildet? Ein Beispiel, das im Fachdiskurs gerne als Vorbild für das Thema "vorschulische Bildung" herangezogen wird, ist Frankreich. Die pädagogischen Orientierungen in den verschiedenen Institutionen der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung unterscheiden sich ziemlich von den deutschen. Das gilt auch für die Ausbildung der entsprechenden Fachkräfte, wobei sich die Systeme durch die Akademisierung in Deutschland zumindest annähern.
Prof. Dr. Rahel Dreyer lehrt an der Alice Salomon Hochschule Berlin und forscht u.a. über die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung in Deutschland und Frankreich. Sie arbeitet außerdem in einem europäischen Kooperationsprojekt des IUFM Lyon zur Forschung und Weiterbildung von Erziehungs-, Bildungs- und Lernprozessen im Bereich der frühen Kindheit mit. Im Interview gibt sie einen Überblick über den Ausbildungsweg frühpädagogischer Fachkräfte in Frankreich und die institutionelle Bildung und Betreuung von Kindern bis 6 Jahren.
Julia Gottuck ist Mitarbeiterin des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) in Berlin. Das DFJW organisiert in verschiedenen Programmen den Austausch von Jugendlichen und Fachkräften wie beispielsweise GrundschullehrerInnen und ErzieherInnen zwischen beiden Ländern. In einem Interview berichtet sie von landestypischen Unterschieden, die sich in der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung bemerkbar machen und Erfahrungen, die ErzieherInnen während ihres Austauschs gesammelt haben.
Zu den Interviews
von Sabine Vogelfänger, Oktober 2010
Literatur:
Dreyer, Rahel (2010): Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung in Deutschland und Frankreich. Strukturen und Bedingungen, Bildungsverständnis und Ausbildung des pädagogischen Personals im Vergleich. Hamburg: Verlag Dr. Kovač.
Staatsinstitut für Frühpädagogik (2009): Fachpersonal in Kindertageseinrichtungen der Europäischen Union: Ausbildungen und Arbeitsfelder (Bericht des seepro-Projekts).
Internetquellen:
Sueddeutsche.de: Auf gleicher Augenhöhe.
www.sueddeutsche.de/karriere/erzieher-auf-gleicher-augenhoehe-1.560064 (Stand: 27.09.2010)
In Japan ist die Schulzeit kein Zuckerschlecken – die Medien sprechen in diesem Zusammenhang gerne von "Prüfungshölle". Dort hindurch müssen in erster Linie SchülerInnen aus der Mittel- und Oberstufe. Aber auch die Jüngsten bleiben nicht ganz davon verschont, wenn es beispielsweise um die Aufnahme in eine Elite-Grundschule geht. Tatsächlich soll die nämlich schon die Chancen verbessern, später einmal an eine Spitzen-Universität zu kommen.
Wie stellt sich vor diesem Hintergrund die frühpädagogische Arbeit im "Land der aufgehenden Sonne" dar? Und wie sieht der Alltag von Kindern in Kindergarten und KiTa aus?
Frühpädagogik in japanischen Kindergärten
Überraschenderweise bietet sich dem westlichen Besucher, der mit dem gerade beschriebenen Vorverständnis von der japanischen Schule im japanischen Kindergarten erscheint, offenbar ein ganz gegenteiliges Bild. Ein kurzer Einblick: Dem kindlichen Freispiel kommt eine hohe Bedeutung im pädagogischen Prozess zu, und die Förderung der Lebenskompetenz ist das oberste Ziel des japanischen Kindergartens. Die "Gruppe" nimmt dabei einen wichtigen Platz ein.
Frühpädagogische Fachkräfte in Japan
Lernen hat in Japan einen hohen Stellenwert und ist ein gesellschaftliches Ideal. Es beginnt nicht erst ab der Grundschule und endet mit dem Abschluss der Berufsausbildung, sondern ist ein andauernder Prozess über das ganze Leben hinweg. Die Japaner sehen die frühe Kindheit als besonders erfolgreiche Bildungsphase an. Kindergärten sind demnach Bildungsinstitutionen. Sie nach außen hin zu repräsentieren, übernehmen angesehene Persönlichkeiten. Die Qualifizierung des Fachpersonals findet, wie auch die von LehrerInnen an Grund- und weiterführenden Schulen, an Hochschulen statt. Der berufliche Abschluss lautet "Kindergarten Teacher".
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat in Abstimmung mit dessen japanischem Partner, dem Ministerium für Bildung, Kultur, Wissenschaft und Technik (MEXT) einen Fachkräfteaustausch im Bereich der frühkindlichen Bildung durchgeführt. Teilnehmer waren u.a. Andreas Wildgruber und Eckehard Zühlke, die von ihren Eindrücken berichten:
Andreas Wildgruber ist wissenschaftlicher Referent im Staatsinstitut für Frühpädagogik (ifp) in München. Er hat das Verständnis von Bildung, Erziehung und Lernen in japanischen Kindergärten bzw. Kitas vor Ort beobachtet. Das und welche Rolle die Gruppe dabei spielt, hat er in unserem Interview erklärt.
Eckehard Zühlke ist Direktor des evangelischen Fröbelseminars des Diakonischen Werkes in Kurhessen-Waldeck. Das Fröbelseminar bildet sozialpädagogische Fachkräfte aus und ist darüber hinaus am Verbundstudiengang "Bildung und Erziehung in der Kindheit" (B.A.) beteiligt. In unserem Interview erläutert Herr Zühlke den Ausbildungsweg frühpädagogischer Fachkräfte in Japan und die Bedeutung des Lernorts Praxis.
Zu den Interviews
von Sabine Vogelfänger, November 2010
Literatur:
Schubert, Volker (2005): Pädagogik als vergleichende Kulturwissenschaft. Erziehung und Bildung in Japan. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Internetquellen:
Fritz, Martin (2008): Von der Schule lernen wir. (http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EAD9B616F218C4ECEBCFB1C050A95BFC8~ATpl~Ecommon~Scontent.html, Stand 26.10.2010)
Izumi-Taylor, Satomi; Pramling Samuelsson, Ingrid; Steele Rogers, Cosby (2010): Perspectives of Play in Three Nations: A Comparative Study in Japan, the United States, and Sweden.(http://ecrp.uiuc.edu/v12n1/izumi.html, Stand: 22.10.2010)
Wildgruber, Andreas (2008): Lebenskompetenz fördern - zwischen Orientierung am Individuum und Orientierung an der Gruppe. S. 23-30. Teilnehmerbericht des IJAB. www.ijab.de/downloads/l%C3%A4nderfachprogramme/japan/Teilnehmerberichte_08_1551_08_JAN.pdf (Stand 26.10.2010)
Zühlke, Eckehard (2008): Japan – Lebenskompetenzen von Kindern fördern - Versuch einer Annäherung. S. 5-22. Teilnehmerbericht des IJAB. www.ijab.de/downloads/l%C3%A4nderfachprogramme/japan/Teilnehmerberichte_08_1551_08_JAN.pdf (Stand 26.10.2010)
Es gibt zu wenige männliche frühpädagogische Fachkräfte in Kitas und Kindergärten. Das haben nicht nur Erziehungswissenschaftler längst erkannt, sondern mittlerweile auch die Bundesregierung. Wohl auch unter dem Gesichtspunkt, dass es durch den Ausbau an frühkindlichen Bildungs- und Betreuungsplätzen an Personal mangeln wird und alleine schon aus diesem Grund verstärkt potenzielle MitarbeiterInnen akquiriert werden müssen, möchte Familienministerin Schröder einen Teil der entstehenden Lücken mit mehr Männern schließen. Ein neues Umschulungsprogramm soll daher Männern ab 2011 ermöglichen, sich innerhalb von zwei Jahren zum Erzieher umschulen zu lassen.
Man mag zu der verkürzten Ausbildungszeit für diesen anspruchsvollen Job bei gleichzeitig erwünschter Anhebung des Qualifikationsniveaus durch frühpädagogische Studiengänge stehen, wie man will: Fakt ist, dass der Männeranteil in allen Berufen, die sich um die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern drehen, verschwindend gering ist. Das gilt übrigens nicht nur für Kita und Kindergarten, auch in Grundschulen und weiterführenden Schulen überwiegt der Frauenanteil. Zu fragen ist, was den Kindern aus pädagogischer Sicht bei einem solch ungleich gewichteten Geschlechterverhältnis verloren geht. Zu fragen ist auch, was die Gründe dafür sind, dass Männer sich offenbar nicht wirklich für die Arbeit in den genannten Bereichen begeistern können.
Verhuschtes Klima durch hohen Frauenanteil?
Wolfgang Bergmann, Erziehungswissenschaftler und Autor, beschreibt in einem Interview mit Spiegel-Online die Konsequenzen einer von Frauen dominierten Erziehungs- und Bildungsumgebung. In Kindergärten und Schulen gäbe es ein "verhuscht-weibliches Klima", das die soziale und kognitive Entwicklung von Jungen hemme. Deshalb müsse man dort die Türen für mehr Männer öffnen. Wo der Vorteil dabei auch für Mädchen liegen könnte, beschreibt er allerdings nicht.
Prof. Dr. Holger Brandes ist Direktor des Instituts für frühkindliche Bildung an der Evangelischen Hochschule Dresden und Leiter des Bachelorstudiengangs "Elementar- und Hortpädagogik". Er zeigt in einem Interview Indizien auf, warum mehr Männer einer frühpädagogischen Einrichtung gut tun könnten – wohl gemerkt im Konjunktiv.
Prof. Dr. Stephan Höyng ist Projektleiter der Koordinationsstelle "Männer in Kitas", deren Arbeit zum Ziel hat, mehr männliche Frühpädagogen in die Kitas zu bringen. Außerdem war er Koordinator der Studie "Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten", die die Hintergründe der geringen Anzahl an männlichem Personal in den Einrichtungen beleuchtet hat. Einen Auszug der Ergebnisse gibt es in unserem Interview nachzulesen.
Zu den Interviews
von Sabine Vogelfänger, Dezember 2010
Deutschlandradio Wissen hat einen aktuellen Podcast zum Thema online gestellt.
Literatur:
Helbig, Marcel (2010): Lehrerinnen trifft keine Schuld an der Schulkrise der Jungen. Berlin: WZBrief Bildung.
Owen, Charlie (2003). Men's Work? Changing the gender mix of the childcare and early years workforce. Facing the Future policy paper #6. London: Daycare Trust.
Internetquellen:
FAZ.net: "Mehr männliche Erzieher für Kindertagesstätten" www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EE40395200DB24E048AFFEB20C1E2183A~ATpl~Ecommon~Scontent.html (Stand 24.11.2010)
Spiegel-online.de: Böse Buben "Wohlfühl-Kuschel-Pädagogik geht Jungs gewaltig auf die Nerven" www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,545037,00.html (Stand 24.11.2010)
400 Millionen Euro stellt die Bundesregierung von 2011 bis 2014 zur Verfügung, um kleine Kinder mit sprachlichem Förderbedarf besser zu unterstützen. Bis zu 4.000 Einrichtungen sollen zu so genannten Schwerpunkt-Kitas "Sprache und Integration" ausgebaut werden. Nicht nur für die Bundesregierung ist Sprachförderung ein großes Thema – es war und ist auch Gegenstand vieler Fachtagungen und Expertisen.
Die GEW hat das jüngst ins Leben gerufene Programm des BMFSFJ mit dem Namen "Offensive Frühe Chancen" begrüßt, da es auch die Schaffung neuer Stellen vorsieht: Die von der Bundesregierung geförderten Einrichtungen können zusätzlich jeweils eine Fachkraft halbtags einstellen, welche in besonderer Weise zur Sprachförderung qualifiziert sein soll.
Aber sollte die Kompetenz "Sprachförderung" nicht direkt von Beginn an als ein Schwerpunkt in der Ausbildung frühpädagogischer Fachkräfte angelegt sein, wenn der Spracherwerb von Kindern sich so entscheidend auf ihren späteren Bildungsweg auswirkt, wie ständig proklamiert wird? Und wie ist das Thema eigentlich aktuell in den frühpädagogischen Studiengängen umgesetzt?
"Sprachförderung" als Studieninhalt
Viele frühpädagogische Studiengänge sehen Lehrveranstaltungen zum kindlichen Spracherwerb und zur Sprachförderung vor. Richtige Schwerpunktsetzungen sind jedoch seltener. Zwei Studiengänge mit einem hohen Anteil Lehre zur "Sprachentwicklung" und "Sprachförderung" im Curriculum sind die Evangelische Hochschule Berlin und die Pädagogische Hochschule Karlsruhe. Warum sie im Gegensatz zu anderen Hochschulen diese Bereiche stärker gewichten, haben die Studiengangsleitungen im Interview erklärt.
Prof. Dr. Petra Völkel ist Leiterin des Bachelorstudiengangs "Elementare Pädagogik" an der Evangelischen Hochschule Berlin. Im Interview legt sie dar, warum Sprachförderung nicht erst bei Auffälligkeiten einsetzen sollte und weshalb Sprachförderung in das Lehrangebot eines frühpädagogischen Studiengangs gehört.
PD Dr. Ulrich Wehner ist Leiter des Bachelorstudiengangs "Sprachförderung und Bewegungserziehung" an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Warum die Hochschule das Thema Sprachförderung sogar in ihrer Namensbezeichnung aufgenommen hat und was die Studierenden konkret im Hinblick auf Sprachförderung lernen, erklärt Herr Wehner in unserem Interview.
Zu den Interviews
von Sabine Vogelfänger, Januar 2011
Internetquellen:
BMFSFJ.de: "400 Millionen Euro für Sprach- und Integrationsförderung in Schwerpunkt-Kitas" (Pressemitteilung vom 02.11.2010) www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=163878.html (Stand 20.12.2010)
GEW.de: "Sprechen statt testen" (Pressemitteilung vom 03.11.2010) www.gew.de/GEW_Sprechen_statt_testen.html (Stand 20.12.2010)
Ein kleiner Auszug aus den Aufgaben einer Redakteurin: Regelmäßig nach neuen Studiengängen zu recherchieren, die es an immer mehr Hochschulen gibt, gehört auch dazu. Bei insgesamt 409 staatlichen und privaten Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland ist das gar nicht so einfach, und so hat die Suche mitunter etwas von einer "Schnitzeljagd". Manchmal gibt es nur einen Hinweis, zum Beispiel durch eine Aussage in einem Interview oder durch ein Stellenangebot, dass an Hochschule xy in absehbarer Zeit ein frühpädagogischer Studiengang entsteht. Oder auch an einer Fachschule, was den Rechercheradius noch einmal erweitert. Etwas genauer – nicht wirklich an einer Fachschule, sondern an einer "Hochschule in Gründung". Es entscheidet sich nämlich der ein oder andere Fachschulträger mittlerweile dazu, eine eigene Hochschule anzusiedeln, um akademisches Personal für frühpädagogische Einrichtungen ausbilden zu können.
Warum entscheidet sich ein Fachschulträger dazu, eine Hochschule zu gründen?
In den 1970er und 1990er Jahren gab es in Deutschland geradezu einen "Gründungsboom" von privaten Hochschulen. In den 1970er Jahren haben sich einige höhere Fachschulen im Zuge der Hochschulreformen zu Hochschulen umgegründet. Derzeit scheinen die Hochschulgründungen eher eine Folge der mangelnden Aufnahmekapazitäten bereits bestehender Hochschulen zu sein, die den Bedarf an akademischen Fachkräften nicht mehr abdecken können. Aber warum nicht einfach direkt bei den Institutionen nachfragen? Gesagt, getan. Vor allem hat uns interessiert, aus welchen Gründen ein Fachschulträger einen frühpädagogischen Studiengang anbietet, ob die Fachschulausbildung neben der akademischen Ausbildung bestehen bleiben soll und wenn ja, warum. Und nicht zuletzt, wie sich die Studiengänge von einer ggf. weiter bestehenden Fachschulausbildung unterscheiden werden.
An der Fliedner Fachhochschule in Gründung am Standort Düsseldorf soll zum Wintersemester 2011/12 der Studiengang "Bildung und Erziehung in der Kindheit" (B.A.) in Vollzeit und berufsbegleitend starten. Die Kosten für das Studium werden bei 350,00 Euro monatlich liegen. Dr. Marianne Dierks ist Bereichsleiterin des Fachbereichs Bildung und Erziehung an der Kaiserswerther Diakonie und Rektorin der Fliedner Fachhochschule in Gründung. In einem Interview erläutert sie die Beweggründe der Kaiserswerther Diakonie, eine eigene Hochschule für den Bereich Pflege und Elementarpädagogik ins Leben zu rufen.
Auch das Pädagogische Kolleg Rostock gründet eine Hochschule. Darüber spricht PD Dr. Silke Pfeiffer, pädagogische Leiterin des Pädagogischen Kollegs Rostock und der Pädagogischen Akademie Rostock, in einem Interview. Sie ist außerdem verantwortlich für die Studiengänge "Interdisziplinäre frühkindliche Bildung und Erziehung" (B.A.) und "Frühkindliche Inklusive Bildung und Erziehung" (B.A.), die in Präsenzform zum Wintersemester 2011/12 an der zukünftigen Sozialpädagogischen Hochschule Rostock (SHR) beginnen sollen. Zum Wintersemester 2012/13 ist darüber hinaus ein Fernstudiengang geplant. Die Kosten für das Studium werden bei 290,00 Euro monatlich für AbiturientInnen liegen.
Zu den Interviews
von Sabine Vogelfänger, Februar 2011
Literatur:
Brauns, Hans-Jochen (2003): Private Hochschulen in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme. Berlin. pdf
Internetquellen:
destatis.de: www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/BildungForschungKultur/Hochschulen/Hochschulen.psml (Stand 27.01.2011)
In meinem Studiengang sind einige Seminare zur "Zusammenarbeit mit Eltern" vorgesehen. Warum soll ich mich als angehende frühpädagogische Fachkraft jetzt schon damit beschäftigen? Das ergibt sich doch in der Praxis bestimmt von selbst, wenn ich mich in der Arbeit mit Kindern gut auskenne.
Wir wissen nicht, ob sich Studierende im ersten Semester diese Fragen tatsächlich stellen. Könnte aber sein, oder? Denn möglicherweise erschließt nicht jedem auf den ersten Blick, warum er sich bereits im frühpädagogischen Studium intensiv mit dem Thema auseinandersetzen sollte, wenn er doch eigentlich erst einmal für die Arbeit mit Kindern fit gemacht werden möchte.
Die Zusammenarbeit mit Eltern war und ist ein wichtiges Thema, das nicht nur durch den Ausbau der Betreuung von Kindern unter drei Jahren weiter an Bedeutung gewinnt. Eltern haben vor dem Hintergrund von Bildungsdebatten und hohen Anforderungen an ihre Erziehungskompetenzen häufig mit Unsicherheiten zu kämpfen, ob und was sie denn nun alles "richtig" oder "falsch" machen. Darüber hinaus wirken sich Schwierigkeiten und Belastungen, wie beispielsweise der Verlust des Arbeitsplatzes, Trennung, Armut, massiv auf Familien aus.
Frühpädagogische Fachkraft = "eierlegende Wollmilchsau"?
Von frühpädagogischen Fachkräften wird gefordert, schwierige familiäre Entwicklungsbedingungen für Kinder in deren Sinne so gut wie möglich auszugleichen und gleichzeitig wichtige Ansprechpersonen für die Eltern in unterschiedlich gelagerten Problemfeldern zu sein. Mit den Herausforderungen umzugehen, die diese Rollen mit sich bringen, will gelernt sein. Ideal ist, wenn die Ausbildungsinstitutionen die professionelle Zusammenarbeit mit Eltern gleich in ihre Lehre einbinden. Die Evangelische Hochschule Freiburg hat in Zusammenarbeit mit anderen Hochschulstandorten im Rahmen der PiK II-Phase ein Curriculum "Zusammenarbeit mit Eltern" entwickelt, getestet und evaluiert. Ziel ist, erprobte Unterrichtsmaterialien und bewährte Methoden für die Aus- und Weiterbildung zur Verfügung zu stellen.
Um in der Praxis befindliche Fachkräfte in der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zu schulen, gibt es darüber hinaus Fortbildungsangebote und Publikationen.
Dr. Inés Brock ist u.a. Referentin und Ausbildungsleiterin bei der Bundesarbeitgemeinschaft Familienbildung und –beratung e.V. Sie erklärt in einem Interview, warum es die Bundesarbeitsgemeinschaft gibt und wie deren Angebot einer Zusatzausbildung "ElternberaterIn" für Fachkräfte aussieht.
Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann ist Leiterin des Studiengangs "Bildung und Erziehung im Kindesalter" (B.A.) an der Alice Salomon Hochschule Berlin, ein Standort, der in die Erprobung des Curriculums der EH Freiburg eingebunden war. Einige AbsolventInnen der ASH haben uns gegenüber geäußert, dass sie sich durch gezieltes Training im Studium besonders gut auf die Zusammenarbeit mit Eltern vorbereitet gefühlt hätten. Frau Nentwig-Gesemann erläutert dies in einem Interview.
Xenia Roth leitet das Referat "Kindertagesbetreuung" im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur in Rheinland-Pfalz. Sie hat das "Handbuch Bildungs- und Erziehungspartnerschaft – Zusammenarbeit mit Eltern in der Kita" geschrieben. In einem Interview spricht sie über die Chancen und Voraussetzungen einer gelingenden Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachkraft.
Zu den Interviews
von Sabine Vogelfänger, März 2011
Literatur:
Strätz, Rainer (2011): Viele junge Familien haben es heute bestimmt nicht leicht. In: KiTa spezial 1/2011. S. 39-41
Internetquelle:
Textor, Martin (2010): Erziehungspartnerschaft mit Eltern unter Dreijähriger. www.kindergartenpaedagogik.de/2084.html (Stand 23.02.2011)
Ostern rückt näher – viele Kinder denken da zuerst an Schokohasen und bunte Eier, manchmal sogar an einen ganzen Stapel anderer Geschenke. Aus der Sicht von Kinderaugen und vielleicht auch des Einzelhandels ein völlig verständlicher Blickwinkel. In diesem Zusammenhang ein kleiner Auszug aus einer amerikanischen Fernsehserie: Mutter und Vater diskutieren am Heiligabend, ob man nun erstmals seit langer Zeit wieder in die Kirche gehen solle. Die etwa 10-jährige Tochter, sichtlich genervt, unterbricht den lebhaften Dialog mit folgenden Worten: "Müssen wir jetzt unbedingt über Religion reden? Es ist doch schließlich Weihnachten!"
Ja, Aufklärung über die eigentliche Bedeutung religiöser Feierlichkeiten ist zuweilen nicht nur bei Kindern nötig. Aber wie bitte erklärt man als frühpädagogische Fachkraft nun die Sache mit der Auferstehung oder dass nicht jedes Kind im Dezember Weihnachten mit seiner Familie feiert? Neben den ganz praktischen Überlegungen, wie eine Fachkraft in ihrem Arbeitsalltag mit religiösen Themen umgeht, sie an die Kinder vermittelt oder sich deren Fragen stellt, gibt es noch eine ganze Reihe anderer Gründe, warum sich jemand, der seine berufliche Zukunft in der Arbeit mit Kindern sieht, mit Religionspädagogik auseinandersetzen sollte. Dazu nachgefragt haben wir bei einer Expertin und einem Experten, die an der Qualifizierung von frühpädagogischen Fachkräften mit Fokus auf die Religionspädagogik beteiligt sind.
Elke Alsago, Diakonin und Sozialpädagogin, ist Leiterin des Studiengangs "Soziale Arbeit und Diakonie – Frühkindliche Bildung" (B.A.) an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie Hamburg. Der Studiengang qualifiziert MitarbeiterInnen aus dem Feld der frühkindlichen Erziehung, Bildung und Betreuung im Hinblick auf religionspädagogische Aspekte weiter. Im Interview spricht Frau Alsago darüber, warum die Hochschule den Studiengang eingerichtet hat und was die Studierenden dort lernen.
Prof. Dr. Matthias Hugoth ist Theologe und Pädagoge. Er war Referent beim Deutschen Caritasverband sowie beim Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK). Er ist Professor für Erziehungswissenschaft und Elementarpädagogik an der Katholischen Hochschule Freiburg und leitet dort auch den Studiengang "Management von Erziehungs- und Bildungseinrichtungen" (B.A.). Als Autor der Publikation "Handbuch religiöse Bildung in Kindergarten und Kita" erklärt er im Interview, wie religiöse Bildung in der Kita umgesetzt werden sollte und warum sich Studierende frühpädagogischer Studiengänge mit Religionspädagogik befassen sollten.
Zu den Interviews
von Sabine Vogelfänger, April 2011
Literatur:
Biesinger, Albert/Schweitzer, Friedrich/Edelbrock, Anke (2008) (Hrsg.): Mein Gott - Dein Gott. Interkulturelle und interreligiöse Bildung in Kindertagesstätten. Weinheim: Beltz Pädagogik (Stiftung Ravensburger Verlag).
Ein Foto vom ersten Schultag mit der obligatorischen Tüte in der Hand hat wohl bei den Meisten seinen Platz. Erinnern wir uns einmal zurück an den eigenen Schulstart: Da standen wir nun, stolz und mit Zahnlücke vor der Kamera posierend, in froher Erwartung auf all die neuen Dinge, die da kommen mochten (bei der Einschulung allerdings noch mit elterlicher Rückendeckung). Die Ernüchterung folgte beim ein oder anderen möglicherweise schon am nächsten Tag, denn plötzlich für eine Weile am selben Platz sitzen, lernen und Hausaufgaben erledigen zu müssen – so reizvoll dann wohl doch nicht für jedermann.
Gelingende Übergänge beeinflussen die Bildungsbiografie
Seit dem frühkindlichen Bildungsprozess auch in Deutschland mehr Bedeutung beigemessen wird, ist das Thema Übergang von der Kita zur Grundschule stärker in den Fokus der bildungspolitischen Betrachtung gerückt. Die Kultusministerkonferenz und Jugend- und Familienministerkonferenz sehen die Anschlussfähigkeit zwischen den Bildungssystemen als Säule für das gelingende Aufwachsen von Kindern und eine positive Entwicklung ihrer Bildungsbiografie. Aus diesem Grund hat sich die Jugend- und Familienministerkonferenz 2009 in einem Beschluss für eine gemeinsame Konzeptualisierung von Elementar- und Primarbereich ausgesprochen und Leitsätze sowie Handlungsempfehlungen zur Gestaltung der Zusammenarbeit der beiden Institutionsformen formuliert, deren Grundlagen sie schon in den gemeinsamen Beschlüssen von 2004 gelegt hatten. Was heißt das nun für angehende FrühpädagogInnen bzw. KindheitspädagogInnen?
In schriftlichen Interviews haben wir zwei Expertinnen gebeten, uns Fragen zu beantworten, die sich um den Übergangsprozess von der Kita in die Grundschule sowie die Ausbildung von Fachkräften drehen.
Prof. Dr. Ursula Carle ist Ansprechpartnerin der Studiengänge „Fachbezogene Bildungswissenschaften (B.A.)" und "Master of Education Grundschule" an der Universität Bremen. Die AbsolventInnen des Bachelors befinden sich durch ihr Profil an der Schnittstelle zwischen Kita und Grundschule, da der Studiengang für die Arbeit im Elementar- und Primarbereich ausbildet und der Master für den GrundschullehrerInnenberuf daran anschließt. Im Interview zeigt Frau Carle die Relevanz einer professionellen Begleitung des Kindes von der Kita in die Grundschule auf.
Renate Niesel ist wissenschaftliche Referentin am Staatsinstitut für Frühpädagogik und hat dort zahlreiche Forschungsprojekte zum Thema durchgeführt. Sie und ihre KollegInnen haben den Transitionsansatz nach Cowan auf den Übergang von Kindergarten zu Grundschule übertragen. Den Begriff der Schulfähigkeit und die Notwendigkeit zur Kooperation zwischen den Bildungsinstitutionen erläutert sie im Interview.
von Sabine Vogelfänger, Juni 2011
Literatur:
Carle, Ursula/Grabeleu-Szczes, Dana/ Levermann, Simone (Hrsg.) (2007): Sieh mir zu beim Brückenbauen: Kinder in Bildungs- und Übergangsprozessen wahrnehmen, würdigen und fördern. Berlin, Düsseldorf: Cornelsen Scriptor.
Niesel, Renate/Griebel, Wilfried/ Netta, Brigitte (Hrsg.) (2008): Nach der Kita kommt die Schule: Mit Kindern den Übergang schaffen. Freiburg: Herder.
Internetquellen:
kmk.org: Den Übergang von der Tageseinrichtung für Kinder in die Schule sinnvoll und wirksam gestalten – Das Zusammenwirken von Elementarbereich und Primarstufe optimieren www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2009/2009_06_18-Uebergang-Tageseinrichtungen-Grundschule.pdf (Stand 22.06.2011)
Bedeutet eine Standardabweichung, dass das Verhalten eines Kindes sich auffällig von allen anderen Kindern unterscheidet? Und ist Median der sommersprossige 4-Jährige aus der Nachbargruppe?
Auch wenn die beiden Begriffe aus der empirischen Sozialforschung sich so eigentlich schon ganz gut in den praktischen Alltag einer Kita einfügen würden, ist der Zusammenhang – Sie ahnen es – ein etwas anderer. Wer ein frühpädagogisches Studium aufnimmt, muss sich je nach Studienort mit Methoden der empirischen Sozialforschung auseinander setzen. "Was soll ich denn damit. Ich will mit Kindern arbeiten, da kommt es doch auf pädagogisches Know How an!" sagt sich möglicherweise der Ein oder Andere. Zum Kompetenzerwerb für die Arbeit im frühpädagogischen Bereich durch ein Studium gehört Wissenschaftlichkeit dazu. Das Studium soll die Studierenden befähigen, im zukünftigen Berufsalltag situationsübergreifend auf komplexe Herausforderungen zu reagieren, weil sie in der Lage sind, mit theoretischem Wissen die Praxis zu reflektieren und Handlungsableitungen zu bilden. Dazu ist es nötig, Theorien und Methoden kritisch beurteilen und anwenden zu können. Die Studierenden sollen z.B. auch lernen, zur Qualitätssicherung Evaluationen durchzuführen, das heißt, Prozesse und Methoden zu beschreiben, zu analysieren und zu bewerten. Das alles ist ein Teil der Studienziele, die darauf vorbereiten, den Anforderungen im frühpädagogischen Berufsfeld später angemessen begegnen zu können. Der Umgang mit empirischen Forschungsmethoden ist für einige Studiengangsleitungen ein Kriterium der Wissenschaftlichkeit in den Studiengängen.
Was ist empirische Sozialforschung?
Empirische Sozialforschung heißt, soziale Tatbestände systematisch zu erfassen und zu deuten (vgl. Atteslander 2003: 3). Es gibt dafür die so genannten qualitativen und quantitativen Verfahren. Die qualitativen Methoden zielen auf die Erhebung und Auswertung von nicht-standardisierten Daten ab, z.B. offenen Interviews, während es bei den quantitativen Methoden kurz gesagt darum geht, statistische Zahlen und deren Zusammenhänge zu interpretieren, z.B. zu Bildung und sozialer Herkunft. Die Methoden bieten jeweils verschiedene Möglichkeiten und haben gleichsam ebenso unterschiedliche Reichweiten.
Prof. Dr. Dörte Weltzien leitet den Studiengang "Pädagogik der frühen Kindheit (B.A.)" an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Der Studiengang sieht u.a. die Vermittlung empirischer Forschungsmethoden und deren Anwendung in Projekten vor. Frau Weltzien legt in unserem Interview dar, warum ihre Studierenden das lernen und wie Forschungsprojekte dazu aussehen können.
Zum Interview
von Sabine Vogelfänger, September 2011
Literatur:
Atteslander, Peter (2003): Methoden der empirischen Sozialforschung. Berlin: de Gruyter.
Vogelfänger, Sabine (2010): Frühpädagogische Bachelorstudiengänge in Deutschland aus Sicht von Studiengangsleitungen. Ergebnisse einer Interviewstudie. München: DJI.