Erfolgreiche Veranstaltung: Höher Schneller WeiterBildung – Bundeskongress für Weiterbildungsanbieter in der Frühpädagogik.

09.06.10

„Im Herzen der Hauptstadt, mitten in Mitte“ – hier befindet sich das dbb forum, Veranstaltungsort des Bundeskongresses für Weiterbildungsanbieter in der Frühpädagogik am 31. Mai 2010 in Berlin. Unter dem Titel „Höher Schneller WeiterBildung“ waren Weiterbildungsanbieter sowie Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Praxis und Medien eingeladen, sich über Gestaltungsmöglichkeiten und Erfordernisse der zukünftigen Weiterbildung für frühpädagogische Fachkräfte zu informieren und gemeinsam zu diskutieren – und kamen dieser Einladung offensichtlich gerne nach.

Schon eine gute halbe Stunde, bevor laut Programm zu einem Begrüßungskaffee geladen war, und eine ganze Stunde, bevor Moderatorin Kate Maleike vom Deutschlandfunk ihre Eröffnungsworte an die Teilnehmer(innen) richtete, füllte sich der große Lichthof des dbb forums. Etwa 300 Interessierte aus dem heterogenen Feld der Weiterbildungslandschaft im Bereich Frühpädagogik hatten sich zum Kongress angemeldet, und schnell waren alle Plätze im Atrium des dbb besetzt.


Von der Gouvernante …
Nach dem Eröffnungsgespräch der Vertreter der Trägerinstitutionen des Projekts WiFF, Dr. Thomas Greiner (Bundesministerium für Bildung und Forschung), Günter Gerstberger (Robert Bosch Stiftung) und Prof. Dr. Thomas Rauschenbach (Deutsches Jugendinstitut, DJI), folgte ein Einführungsvortrag von Prof. Dr. Heiner Barz (Universität Düsseldorf). Er präsentierte zunächst interessante Erkenntnisse aus der allgemeinen Weiterbildungsforschung. Diese lassen sich zwar nicht alle auf den Bereich der frühpädagogischen Fort- und Weiterbildung oder die Weiterbildungsbereitschaft speziell von Erzieherinnen übertragen, denn diese ist in der Regel überdurchschnittlich hoch. Dennoch lieferte der Vortrag interessante Hinweise und Informationen – hilfreich waren insbesondere seine Ausführungen zur effektiven Zielgruppenansprache.
Teilweise auf etwas weniger Gegenliebe stieß die Bildsprache des Vortrags, zeigte diese doch Szenen aus jener Zeit, in der oft wenig angesehene und ungeliebte Gouvernanten für die Kindererziehung zuständig waren. Sicherlich war diese negative Lesart von Heiner Barz nicht intendiert. In den Reihen war aber ein Raunen zu vernehmen, als auch am Ende des Vortrages die schwarz gekleidete Gouvernante nochmals auf der Bildfläche seiner Präsentation erschien – und wohl unvermeidlich Assoziationen mit rückständigen, reaktionären Erziehungsmethoden weckte.


… zu aktuellen Zahlen
Begrüßt wurde die anschließende Präsentation von Karin Beher und Michael Walter (DJI/TU Dortmund) – taufrisch erhobene Zahlen ließen die beiden Wissenschaftler sprechen, als sie die ersten Ergebnisse der bundesweiten Befragungen der WiFF vorstellten. Da bislang keine gesicherten empirischen Daten zu Angeboten und Akteuren der frühpädagogischen Weiterbildungslandschaft in Deutschland vorlagen, wurden die Resultate mit großer Spannung erwartet und zeigten, dass sich die WiFF erfolgreich auf den Weg gemacht hat: „Mehr Transparenz schaffen“, so lautet eine der Zielsetzungen des Projektes.


Hohe Qualität: Da will jeder dabei sein
Am Nachmittag diskutierten auf dem Podium Angelika Diller (Leiterin der WiFF) und Prof. Dr. Ursula Rabe-Kleberg (Universität Halle-Wittenberg) über die Zukunft der Weiterbildung und das erstrebenswerte Ziel eines Memorandums, das Standards für Weiterbildungsangebote festlegt. Diese könnten dann im Sinne einer Selbstverpflichtung vonseiten der Weiterbildungsanbieter verbindlich werden – und damit eine hohe Qualität frühpädagogischer Weiterbildungsangebote sichern. Das Memorandum, so Angelika Diller, solle dabei „einfach so überzeugend sein, dass ohnehin jeder Weiterbildungsanbieter dabei sein“ wolle.


Ursula Rabe-Kleberg betonte zu Beginn des Gesprächs, dass Bildungsprozesse im Kleinkindbereich nicht mit einer Verschulung verwechselt werden oder Gefahr laufen dürften, dahingehend auszuarten. Frühkindliche Bildung müsse immer von den Kindern selbst initiiert sein – Erzieher(innen) seien dabei aufmerksame und einfühlsame Betreuerinnen, die den Prozess begleiten, anstatt das Kind zu belehren.


Oberstes Weiterbildungsziel sei es daher, die Erzieher(innen) handlungsorientiert und an das Setting der jeweiligen Einrichtung angepasst in die Lage zu bringen, auf die individuellen Bedürfnisse von Eltern und Kindern einzugehen.


Fünf Workshops und viel Information
Der weitere Nachmittag stand für die Teilnahme an fünf parallel veranstalteten, vertiefenden Workshops zur Verfügung:
1)    „Kompetente Weiterbildner“, geleitet von Dr. Aiga von Hippel, LMU München,
2)    „Kompetenzorientierte Weiterbildung“, der mit über 100 Teilnehmenden bestbesuchte Workshop von Dr. Anne Levin, Universitäten Potsdam und Bremen,
3)    „Qualität in der Weiterbildung“, geleitet von Daniela Kobelt Neuhaus,
4)    „Anschlussfähige Weiterbildung“, angeboten von Prof. Klaus Fröhlich-Gildhoff, EH Freiburg, sowie
5)    „Internationale Weiterbildung“ von Dr. Matthias Urban von der University of East London.


Eine Tasse Kaffee, die Möglichkeit, sich mit anderen Teilnehmer(inne)n zu unterhalten und – wichtig auf jedem Kongress: zu vernetzen – bot die anschließende Pause. Hier war auch Zeit, sich am WiFF-Infostand über das Projekt zu informieren und eigene Fragen, Ideen, Impulse oder Feedback in eine interaktive MindMap einzutragen.


Großer Applaus, große Schritte

Sehr erfreulich war das nach der Vorstellung der Workshop-Ergebnisse präsentierte „etwas andere Kongressresumee“ des Improvisationstheaters frei.wild. Da wurde etwa die Initiative zum „WiFF, WiFF“-bellenden Hund, der den „Betreuungsschlüssel“ nicht mehr aus seinem Maul loslassen wollte oder unterhielten sich zwei Besucherinnen einer Autobahnraststätte über die „Durchfahrtsstraße Weiterbildung“. Auf sehr unterhaltsame Weise und dem ein oder anderen Augenzwinkern ließen die Schauspieler so zahlreiche Inhalte, Zitate, Sprecher und sogar Versprecher („Berlin ist wieder kindergartenfrei!“) des zurückliegenden Kongresstages Revue passieren. Dafür gab es für und von allen Beteiligten großen Applaus – egal ob hinter, auf oder vor der Bühne.


Mit dieser Veranstaltung ist die WiFF ein bedeutendes Stück vorangeschritten – nämlich nicht nur angekommen „mitten in Mitte“, sondern mitten in der (fach)öffentlichen Wahrnehmung.


Die Dokumentation zur Tagung inklusiver der Inhalte von Vorträgen und Workshops ist aktuell in Bearbeitung und wird den Teilnehmer(inne)n des Kongresses zugestellt. Diese Dokumentation wird auch auf dem WiFF-Portal veröffentlicht werden.