10.12.10
Geringer Verdienst und schlechte Rahmenbedingungen bestimmen Arbeitsalltag – Leben auf Hartz-IV-Niveau und Altersarmut – Krippenprogramm in Gefahr
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat sich dafür stark gemacht, dass der „Traumjob
Erzieherin“ endlich ein Zukunftsberuf wird. „Die Realität sieht jedoch noch anders aus: Geringer Verdienst – oft auf Hartz-IV-Niveau – und schlechte Rahmenbedingungen prägen den Arbeitsalltag von
Erzieherinnen und Kinderpflegern. Die Folgen: Viele geben den Beruf schnell wieder auf – oder leiden unter chronischen Berufskrankheiten. Nach 40 Berufsjahren gibt es nicht einmal 900 Euro Rente! Der Anspruch an die Qualität frühkindlicher Bildung und die Bedingungen, unter denen
Erzieherinnen gute Arbeit leisten sollen, klaffen meilenweit auseinander“, sagte Norbert Hocke, Leiter des GEW-Vorstandsbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit, am Dienstag während einer Pressekonferenz in Berlin. Im Rahmen der Veranstaltung stellte Hocke die Ergebnisse einer GEW-Studie zur beruflichen, familiären und ökonomischen Situation der
Erzieherinnen und Kinderpfleger vor. Er warnte davor, dass die ehrgeizigen Pläne zum Ausbau der Kita-Plätze und das Krippenprogramm auf der Kippe stünden, wenn nicht schnell in diesen Bereich investiert wird. In den nächsten Jahren würden rund 50.000 zusätzliche Fachkräfte gebraucht.
„Von einem attraktiven Beruf, für den man nur werben muss, um den enormen Fachkräftebedarf zu decken, kann keine Rede sein“, unterstrich Hocke. Laut der GEW-Studie haben nur 50 Prozent der
Erzieherinnen und 30 Prozent der Kinderpfleger eine Vollzeitstelle. Insbesondere Nachwuchskräfte erhalten zudem lediglich befristete Stellen: Lediglich 49 Prozent der Fachkräfte unter 25 Jahren sind unbefristet eingestellt. Fast 20 Prozent der Berufsanfänger sind armutsgefährdet: Sie verdienen weniger als 786 Euro netto. Acht Prozent der Kinderpflegerinnen erhalten zu ihrem Verdienst Hartz IV.
Das Nettoeinkommen von
Erzieherinnen liegt 224 Euro unter dem Durchschnitt aller Erwerbstätigen. Bei den Kinderpflegerinnen beträgt der Abstand sogar 392 Euro. „Mit diesem schlechten Verdienst gewinnt man weder junge Frauen noch Männer für diese Berufe“, betonte Hocke. Ein Drittel der Beschäftigten wechselt den Beruf, bei den Männern sind es sogar 40 Prozent. Gerade die Menschen, die in den Kitas dringend benötigt werden, nämlich Männer und Frauen mit Migrationshintergrund verlassen die Einrichtungen.
Die Studie zur beruflichen, familiären und ökonomischen Situation von
Erzieherinnen und Kinderpflegern finden Sie
hier.