30.06.10
"Es ist nichts weniger als ein Skandal, dass der Bildungserfolg der Kinder in Deutschland nicht nur von der sozialen Herkunft ihrer Eltern abhängt, sondern auch noch von ihrem Wohnort", kommentiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die Ergebnisse der gestern von der Bertelsmann Stiftung vorgelegten Studie "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2010".
Demnach investiert das Land Berlin mit 4.150 Euro mehr als doppelt soviel in die Bildung
der 0-6 Jährigen wie das Schlusslicht Schleswig-Holstein und selbst finanzstarke Bundeslän
der wie Bayern und Baden-Württemberg landen am unteren Ende des Investitionsvergleichs in frühkindliche Bildung und Erziehung.
"Das legt den Finger erneut auf die Wunde
der fö
deralen Zuständigkeit
der Län
der im Bildungsbereich", kritisiert Stadler. "Es gelingt nicht, die vom Grundgesetz gefor
derten gleichwertigen Lebensbedingungen umzusetzen." Die Ausgaben
der Bundeslän
der für Angebote von Kitas und Tagespflege sind laut Bertelsmann-Studie höchst unterschiedlich. "Von Chancengerechtigkeit kann da keine Rede sein", rügt
der AWO Bundesvorsitzende.
Eine solche soziale und fö
derale Selektion im Bildungsbereich habe alarmierende Folgen, wie auch
der jüngst vorgelegte Län
derleistungsvergleich zeige. "Zum wie
derholten Mal ist empirisch nachgewiesen, was je
der Praktiker weiß: Nicht die Kin
der versagen, son
dern das deutsche Bildungssystem!", betont Stadler. "Unserem Bildungssystem gelingt es insbeson
dere nicht, Kin
der aus Einwan
dererfamilien ihren Begabungen entsprechend zu för
dern und zu bilden."
In diesem Zusammenhang weist die AWO auch die For
derung
der Integrationsbeauftragten
der Bundesregierung zurück, dass eingewan
derte Eltern mit ihren Kin
dern gefälligst Deutsch sprechen sollen, wozu sie
der Besuch eines Integrationskurses befähige. Abgesehen davon, dass diese Annahme abwegig ist, werden damit die Herkunftssprachen als Übel und Hin
dernis für den Bildungserfolg von Einwan
dererkin
dern hingestellt, kritisiert Stadler.
"Gute Kitas vermitteln gute Sprachkenntnisse und beides ist entscheidend für den Bildungserfolg aller Kin
der, insbeson
dere aus sozial benachteiligten Familien", unterstreicht
der AWO Bundesverband.