18.05.10
"In keinem anderen Land hängt Bildung so stark von der sozialen Herkunft ab wie in Deutschland. 1,5 Millionen junge Menschen in unserem Land haben keinen Berufsabschluss. Etwa drei Millionen Minderjährige leben in armen Familien. Wenn wir nicht wollen, dass diese Kinder später die Eltern armer Kinder werden, müssen wir in Bildung investieren - und zwar von klein auf", sagte Kerstin Griese, Vorstand Sozialpolitik im Diakonischen Werk der EKD, am Donnerstag beim ökumenischen Kirchentag in München.
Der Staat habe die Aufgabe, die Länder und Kommunen so auszustatten, dass sie Kindern und Jugendlichen ausreichende Angebote zur Verfügung stellen können: qualifizierte kostenfreie Kinderbetreuung schon für die ganz Kleinen, in den Schulen genügend Lehrerinnen und Lehrer und auch Soziallpädagogen. Kinder, deren Eltern das nicht selbst bezahlen können, brauchen Unterstützung für Sport- und Musikangebote und bei Bedarf auch für Nachhilfeunterricht. "Bildung und
Ausbildung sind keine Almosen, sondern eine wertvolle Investition in Zukunft", betonte Griese.
Dass der Sozialstaat hier nicht genug wirke, habe unlängst auch das Bundesverfassungsgericht festgestellt. Es forderte die Neuberechnung der Kinderregelsätze, weil Ausgaben für Bildung gar nicht in die Berechnung mit einbezogen seien. "Weder die Finanzkrise, noch die Griechenlandhilfe oder die Steuereinbußen darf die Bundesregierung jetzt zum Anlass nehmen, den Rotstift bei den Ausgaben für Bildung und Sozialleistungen anzusetzen", erklärt Griese.
Auf der Diakonie-Caritas Bühne beim Ökumenischen Kirchentag in München diskutieren am Donnerstag Vertreter von Diakonie und Caritas mit Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan und der Grünen Parteivorsitzenden Claudia Roth über Armutsprävention durch Bildung.