Studie zur Förderung von Kindern: Je früher, desto besser

29.04.11

Je früher der Staat in Kinder investiert, desto effizienter ist die Förderung. Das belegt die Studie "Doing Better for Families" der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Ein Viertel der Mittel geht schon in die Frühförderung

Durch einen Vergleich der familienpolitischen Daten aus den OECD-Mitgliedsländern konnte die Studie zeigen, dass Kinder in Ländern mit gezielter Förderung im Vorschulalter später weniger mit den Folgen sozialer Ungleichheit zu kämpfen haben. Sie haben im Erwachsenenalter ein höheres Einkommen und werden seltener kriminell. Zudem unterstützt eine möglichst frühe Förderung die Entwicklung von logischen Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen. Die Mitgliedsländer der OECD haben diesen Trend erkannt und ihre Fördermittel für Kinder unter sechs Jahren in den letzten Jahren aufgestockt. Der Anteil der Fördermittel für diese Altersgruppe an der gesamten Ausgaben für Familien beträgt mittlerweile ein Viertel. Doch aufgrund der Finanzierungsprobleme nach der Wirtschaftskrise plant die Hälfte der OECD-Mitglieder schon wieder Einschnitte - darunter auch Deutschland.

Mittel für Kinderbetreuung bewirken mehr als Cash


Die Autorinnen und Autoren der Studie empfehlen jenen Ländern, darauf zu achten, dass die Förderung wirklich bei den bedürftigsten Familien ankommt. In den Ländern, in denen keine Einschnitte anstehen, sollten Mittel von späteren Phasen, etwa aus der Ausbildungsförderung, in die frühkindliche Förderung umgeschichtet werden. Entscheidend für den Erfolg ist aber nicht nur die Menge, sondern auch das Einsatzgebiet der Fördermittel: In den Ländern, die ihre Förderung vor allem in familienrelevante Dienstleistungen wie etwa Kinderbetreuung investieren, leben weniger Kinder unter der Armutsgrenze. Auch das Wohlergehen des Kindes kann in diesen Ländern besser sichergestellt werden. Familien mit niedrigerem sozioökonomischen Status nehmen die Betreuungseinrichtungen allerdings OECD-weit seltener in Anspruch als wohlhabendere Familien.

Finanzielle Förderung senkt die Kinderarmut

Der größte Teil der Fördermittel fließt in den OECD-Ländern in direkte finanzielle Zuwendungen wie Kinder- und Elterngeld oder Einmalzahlungen bei der Geburt. Im Schnitt erhalten Familien 2,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) als Förderleistungen. Dabei unterscheiden sich die Sätze zwischen den Mitgliedsländern aber erheblich: Korea etwa wendet lediglich 0,5 Prozent des BIP für die Familienförderung auf, wohingegen sich Frankreich, Dänemark und Island die Spitzenposition mit 3,5 Prozent teilen. Wie die Studie zeigt, zahlt sich das aus: Je höher die staatlichen Investitionen, desto niedriger sind die Werte für Kinderarmut in den OECD-Ländern.

Deutschland: Hohe Ausgaben pro Kind


Das trifft auch für Deutschland zu: Mit 8,3 Prozent liegt die Armutsrate bei Kindern hier etwas unter dem OECD-Durchschnitt von 12,7 Prozent. Deutschland gibt mit 146.000 Euro pro Kind bis zum 18. Lebensjahr auch etwas mehr für Familien- und Bildungspolitik aus als der Durchschnitt der OECD-Länder (124.000 Euro). Als Manko nennt der OECD-Bericht: Die Öffnungszeiten von Kindergärten sind oft zu kurz und der Anteil der Kinder, die das Betreuungsangebot nutzen, ist verhältnismäßig niedrig. Auch im Grundschulalter nutzen lediglich zehn Prozent der Kinder die außerschulische Betreuung (Hort).