"ELTERN-INSM-Kindergartenmonitor 2010: Gebühren-Dickicht und Ungerechtigkeit in Deutschland 2010": Große Unterschiede bei den Elternbeiträgen für Kita-Betreuung

30.07.10

Osten und Norden teurer als Westen und Süden / Kindergartengebühren sind aber im Schnitt gesunken

Von null bis 3.696 Euro reichen die Kindergartengebühren für ein und dieselbe
Modellfamilie in Deutschland. Die Ergebnisse der gestern in Berlin vorgestellten
Studie „Kindergartenmonitor 2010“ offenbaren erhebliche und teilweise nicht nachvollziehbare Unterschiede bei den Elternbeiträgen in Deutschland. Es zeigte sich
zudem, dass die Kindergartengebühren gegenüber der Erhebung 2008 im Schnitt
um bis zu 16 Prozent gesunken sind.

Auftraggeber dieser Studie sind die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und die Zeitschrift ELTERN. Für die Untersuchung haben Wissenschaftler der IW Consult GmbH jetzt zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren die Höhe der Kindergartengebühren in den 100 größten Städten Deutschlands verglichen. Die Experten ermittelten die Jahresgebührenhöhe in vier verschiedenen Kategorien: für Modellfamilien mit einem mittleren (45.000 Euro) und einem höheren (80.000) Jahres-Brutto-Einkommen, sowie für Modellfamilien mit einem Kind im Alter von 4 Jahren und mit zwei Kindern im Alter von 3,5 und 5,5 Jahren. Die Gebührenhöhe bezieht sich auf die jeweilige Mindestbetreuungszeit – in der Regel ist dies eine Halbtagsbetreuung.

Neun deutsche Städte erheben keinerlei Gebühren mehr.
Neun Städte bieten für alle untersuchten Modellfälle Beitragsfreiheit: Düsseldorf,
Hanau, Heilbronn, Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz, Salzgitter, Trier.
Im ersten Kindergartenmonitor vor zwei Jahren war Heilbronn die einzige Stadt, die
Beitragsfreiheit für alle drei Kindergartenjahre gewährte.

Eltern in Bremen, Cottbus, Potsdam, Tübingen zahlen höchste Beiträge
Teuerstes Pflaster für eine Durchschnittsverdiener-Familie (45.000 Euro Jahres-
Brutto) mit einem Kindergartenkind (4 Jahre) ist Bremen: Hier fallen jährlich 1.752
Euro Gebühren an. Für Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern wird es in Cottbus
besonders teuer: 2.672 Euro im Jahr für die Mindestbuchungszeit. Wer 80.000 Euro
Brutto verdient und zwei Kinder im Rahmen der Mindestbuchungszeit betreuen lässt,
muss mit 3.696 Euro in Potsdam und Tübingen die höchsten Elternbeiträge bezahlen.
Durchschnittsbeitrag für Normalverdiener: 814 Euro für ein Kind.

Im Schnitt aller 100 untersuchten Großstädte zahlen Normalverdiener für ein vierjähriges Kind 814 Euro und für zwei Kinder (3,5 und 5,5 Jahre) 935 Euro.
Familien mit gehobenem Einkommen (80.000 Euro Jahres-Brutto) müssen 1.280 Euro
beziehungsweise 1.468 Euro aufbringen.

„Der INSM-ELTERN-Kindergartenmonitor soll für Transparenz in einer unübersichtlichen Gebührenlandschaft sorgen“, erklärte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellen gahr zur Vorstellung der Studie. Für Laien seien Preisvergleiche praktisch unmöglich, weil die Gebührensatzungen und Berechnungsmethoden vielfach zu komplex seien. Pellengahr forderte die Kommunen auf, „für jedermann nachvollziehbare Gebührentabellen zu veröffentlichen“: „Die Bürger haben ein Recht auf diese Information.“ „Der Gebühren-Dschungel hat sich gegenüber unserem ersten Kindergartenmonitor leider nicht gelichtet. Eltern empfinden besonders die Preisunterschiede als zutiefst ungerecht“, kritisierte Oliver Steinbach, stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift ELTERN. „Auch deshalb gibt es immer noch Vier- und Fünfjährige, die keinen Kindergarten besuchen. Das muss sich ändern.“

Die hier untersuchten Modellfamilien müssen nach den Berechnungen der Wissenschaftler im Schnitt zwischen 1,6 und 2,1 Prozent ihres Bruttoeinkommens für die Halbtags-Kindergartenbetreuung aufwenden – im Extremfall sind es bis zu 5,9 Prozent bei einer Zweikindfamilie mit mittlerem Einkommen.

Eltern in Nord- und Ostdeutschland sind benachteiligt.
Weitere Trends der Studie: In den ostdeutschen Städten ist die Kindergartenbetreuung im Schnitt teurer als in den westdeutschen. Vor allem Normalverdiener mit zwei Kindern sind betroffen. Die Zwei-Kind-Modellfamilie muss im Durchschnitt 417 Euro mehr zahlen als ihr Pendant in den alten Ländern.
In den Städten der südlichen Bundesländer sind die Kindergartenbeiträge für alle untersuchten Modellfamilien im Schnitt günstiger als in Städten der nördlichen Länder. In den Kommunen der nördlichen Bundesländer sind nach Einkommen gestaffelte Beiträge verbreiteter als im Süden.

Eine gute Nachricht: Im Schnitt sind die Gebühren für das Kindergartenjahr
2009/2010 gegenüber 2007/2008 gesunken – um rund 16 Prozent bei der Zweikind-
Modellfamilien der mittleren Einkommensklasse, um 12 Prozent bei der Zweikind-
Modellfamilie der hohen Einkommensklasse.