Die soziale Spaltung im Bildungssystem NRW wächst

21.04.10

DGB und GEW ziehen eine kritische Bilanz zur Bildungspolitik der Landesregierung 2005 bis 2010.

Zentrale Ergebnisse einer heute veröffentlichten wissenschaftlichen Studie: Die Soziale Spaltung prägt das Bildungssystem NRWs in wachsendem Ausmaß. Der mit der Studie beauftragte Essener Bildungswissenschaftler Prof. em. Klaus Klemm kam nach Auswertung der verfügbaren Daten für die zentralen Bildungsbereiche zu einem besorgniserregenden Befund. Während bei den mittleren und höheren Qualifikationsniveaus Fortschritte zu verzeichnen seien, blieben Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus sozial schwächeren Familien "abgehängt wie eh und je". Klemm wörtlich: "Sie finden angesichts knapper Angebote kaum Zugang zu frühkindlicher Bildung und wechseln häufiger in anspruchsärmere Bildungswege wie den der Haupt- oder Förderschule."

Die "PISA-Risikogruppe" sei wegen Klassenwiederholung und fehlendem Hauptschulabschluss besonders von Arbeitslosigkeit bedroht und hätte kaum Weiterbildungschancen. Im internationalen Vergleich hinke NRW immer noch hinter den OECD-Durchschnittswerten hinterher. Mit der heute auf der Landespressekonferenz in Düsseldorf vorgelegten Bilanz des 2005 verfassten "Bochumer Memorandums" verbinden die Gewerkschaften ein deutliches Warnsignal und verlangen einen Kurswechsel in der Bildungspolitik. "Das Abschieben einer großen Gruppe junger Menschen in Ausbildungs- und Erwerbslosigkeit widerspricht den Zielen einer Gesellschaft, die sich auf Gleichheit und Gerechtigkeit gründet", erklärte dazu die stellv. Landesvorsitzende des DGB, Dr. Sabine Graf. Die Quote der jungen Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung verharre auf unverändert hohem Niveau. Angesichts der demografischen Entwicklung verschärfe die fehlende Ausbildung junger Menschen den wachsenden Facharbeitermangel und wirke als Wachstumsbremse.