Fachschulstudie

Studie zur Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern an Fachschulen

An den Fachschulen für Sozialpädagogik fand in den vergangenen Jahren eine enorme Expansion statt: Von 2007 bis 2013 ist die Anzahl der Personen, die eine Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher beginnen, um 72% gestiegen. Das zeigen Auswertungen des Fachkräftebarometers Frühe Bildung der WiFF. Zudem sind neue praxisintegrierte bzw. berufsbegleitende Ausbildungsformate entstanden. Veränderungen zeichnen sich auch auf der didaktisch-curricularen Ebene ab. So wurden neue Vorgaben wie das kompetenzorientierte Qualifikationsprofil und die neuen, kompetenzorientierten Lehrpläne für die fachschulische Ausbildung erarbeitet.

In den Lehrplänen nimmt das Lernen mit Fall- und Praxisbeispielen eine besondere Bedeutung ein, da die Fallarbeit die Deutungs- bzw. Reflexionsfähigkeit der angehenden Erzieherinnen und Erziehern fördert. Reflexionsfähigkeit ist nach aktuellen fachwissenschaftlichen Diskursen eine Kernkompetenz und gilt als unverzichtbar, um eine professionelle Haltung zu entfalten. Da bisher kaum empirische Daten zur Unterrichtspraxis in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern vorliegen, beleuchtet ein Team der WiFF das Thema in einer qualitativen Studie.

Gegenstand der Studie

Das Erkenntnisinteresse der ethnographischen Studie richtet sich auf die Gestaltung der Arbeit mit Fall- und Praxisbeispielen in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern. Die Studie analysiert die Performanz des Lehrens und Lernens, d.h. den praktischen Vollzug des Unterrichts an der Fachschule. Untersucht wird, wie Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte die Arbeit mit Fall- und Praxisbeispielen im Unterricht gestalten, welche Praktiken dabei zur Anwendung kommen und was jeweils zum "Fall" gemacht wird.

Forschungsdesign: Die Studie besteht aus zwei Teilstudien

  • Dokumentenanalyse: Im Rahmen der ersten Teilstudie analysieren die Forscherinnen die curricularen Vorgaben für die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung. Dabei untersuchen sie, auf welche didaktischen Konzepte und Unterrichtsprinzipien diese Bezug nehmen.
  • Ethnographische Studie: Im Rahmen der zweiten Teilstudie nehmen die Forscherinnen am unterrichtlichen Geschehen in Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen an insgesamt sechs Fachschulen beobachtend teil. Pro Fachschule werden zwei Klassen einbezogen: eine Klasse der regulären Vollzeit-Ausbildung und eine Klasse der berufsbegleitenden Ausbildungsformate. Die Forscherinnen nehmen verschiedene Situationen des Schullalltags, insbesondere die Arbeit mit Fall- und Praxisbeispielen, in den Blick. Sie protokollieren ihre Beobachtungen anhand von Audio-Aufzeichnungen und schriftlichen Notizen.

Die teilnehmenden Beobachtungen an den Fachschulen für Sozialpädagogik sind für die Zeit von September 2016 bis Juni 2017 geplant.

Anwendung der Studienergebnisse

Die Studie soll Erkenntnisse zur Arbeit mit Fall- und Praxisbeispielen im Fachschulunterricht in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern liefern. Dadurch möchte WiFF Impulse generieren, wie die Unterrichtspraxis weiterentwickelt werden kann, um die Reflexionsfähigkeit, die professionelle Haltung und das professionelle Selbstverständnis zu fördern.

Kontakt


Joanna Kratz
089/62306-237


Katharina Stadler

089/62306-336