Kompetenzorientierung in der Weiterbildung - Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte

Weiterbildungsinitiative
Frühpädagogische Fachkräfte - Lernort Praxis

 
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Mentorinnen und Mentoren am Lernort Praxis

Für angehende Kita-Fachkräfte sind Kindertageseinrichtungen ein wichtiger Lernort. Was und wie dort gelernt wird ist allerdings bislang weder festgelegt noch systematisch mit den Ausbildungsinhalten an Fach- und Hochschule verzahnt. Diejenigen, die Fachschülerinnen und -schüler, Studierende kindheitspädagogischer Studiengänge  und Quereinsteigende in der Praxis anleiten, übernehmen eine wichtige Rolle, sind jedoch nicht eigens für diese Tätigkeit ausgebildet. Welche Kompetenzen benötigen Mentorinnen und Mentoren und wie können diese durch Weiterbildung vermittelt werden? Welche Potenziale hat die Kita als Lernort und Ausbildungsinstanz? Wie kann die Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen und Fach- bzw. Hochschulen gut gestaltet werden? Beim WiFF-Fachtag "Mentorinnen und Mentoren am Lernort Praxis - Qualifizierung künftiger Fachkräfte in der Kita" am 10. Oktober 2014 in Dresden beleuchteten Referentinnen und Referenten aus Wissenschaft und Praxis diese Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven. Zudem wurde der neue WiFF Wegweiser Weiterbildung Band 8 zu diesem Thema vorgestellt.

Impressionen

Potenziale des Lernorts Praxis nutzen

Professorin Dr. Anke König, Leitung der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, macht deutlich: Lebenslanges Lernen geht einher mit einer Pluralisierung der Lernorte und einer zunehmenden Individualisierung des Lernens. Zu Krippe, Kita, Schule und Hochschule kommen zum Beispiel Hort, Nachhilfe, Musikunterricht, Sport und Weiterbildungen hinzu. Daraus ergibt sich ein hohes Potenzial, die unterschiedlichen Lernkulturen für die eigene Subjektbildung zu nutzen. Sie plädierte dafür, diese heterogenen Lernorte daher besser zu verknüpfen. Dazu gehöre es, die unterschiedlichen Orte und Praxen der Bildung wertzuschätzen, klare Ziele für die Verknüpfung zu definieren und Sensibilität dafür zu entwickeln, wie voneinander und miteinander gelernt werden könne. Im Rahmen der Verknüpfung der Lernorte Schule (Fachschule/-akademie und Hochschule) mit dem Lernort Praxis heißt das, für diese Arbeit Zeitressourcen zur Verfügung zu stellen. Denn der Lernort Praxis birgt die Chance, Wissen und Können in Verbindung mit Handlungsanforderungen zu setzen.

Präsentation von Prof. Dr. Anke König

Anregung aus der betrieblichen Ausbildung

Lernen in der Praxis ist in Deutschland fester Bestandteil der dualen Berufsbildung und gehe auf zwei Grundideen zurück, sagt Professor Dr. Eckart Severing vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung: Betriebe wissen selbst am besten, welche Personen mit welchen Qualifikationen sie benötigen. Die Industrie führe zudem an, dass Arbeitsprozesse zu komplex und veränderlich seien, um in Lehrpläne übersetzt und schulisch vermittelt werden zu können. Die Vorteile für die Unternehmen lägen auf der Hand: Auszubildende lernen was relevant ist, erlangen berufliche Handlungsfähigkeit, arbeiten ab dem zweiten Lehrjahr produktiv mit und werden durch die betriebliche Sozialisation gebunden. Viele Argumente sprechen auch dafür, dass Kitas den Lernort Praxis mitgestalten, wenngleich nicht alles auf die Frühe Bildung übertragbar ist.

Präsentation von Prof. Dr. Eckart Severing

Workshops

Workshop 1: Das Kompetenzprofil "Mentorin/Mentor am Lernort Praxis" und die Initiative "Lernort Praxis"

WiFF verfolgt mit dem Kompetenzprofil "Mentorinnen und Mentoren am Lernort Praxis" das selbe Ziel wie das Bundesprogramm "Lernort Praxis" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ): Kitas als Lernort für Nachwuchskräfte zu stärken. Während WiFF damit die dialogische Feedbackkultur in der Beziehung der Mentorin bzw. des Mentors zur anzuleitenden Person betont, organisiert und koordiniert die Mentorin bzw. der Mentor im Bundesprogramm die Praxisanleitung im Kita-Alltag ohne selbst Teil des Teams zu sein. In der Diskussion waren sich die Teilnehmenden einig: Für eine professionelle Anleitung von Praktikantinnen und Praktikanten müssen auch entsprechende Stellenprofile (Zeitressourcen, Vor- und Nachbereitungszeit) geschaffen werden - unabhängig von deren Bezeichnung.

Workshop 2: Bildungs- und Entwicklungsprozesse beurteilen – Erfahrungen aus der Praxis

Die Bewertung von Nachwuchskräften in der Kita wird in den Bundesländern verschieden praktiziert. Die endgültige Benotung nimmt allerdings immer die Fach- oder Hochschule vor. Sinnvoller wäre es, diese kooperativ zu gestalten. Darauf müssen Mentorinnen und Mentoren mit Weiterbildung vorbereitet werden. Diskutiert wurden zudem der Begriff der Mentorin bzw. des Mentors sowie ihre Bedeutung für die Weiterentwicklung des Lernorts Praxis und für die alltägliche Arbeit in der Kindertageseinrichtung. 

Workshop 3: Qualifizierungswege in die Kita – Herausforderungen für Mentorinnen und Mentoren

Eine der größten Herausforderungen für den Lernort Praxis sind die heterogenen Qualifizierungswege für das Arbeitsfeld Kita. Denn die Formulierung von Lernzielen erfolgt an den verschiedenen Bildungsorten sehr unterschiedlich. Die Ergebnisse einer WiFF-Studie zeigen: Gerade die Kooperation zwischen den Lernorten bewerten die befragten Mentorinnen und Mentoren mittelmäßig und sehen großen Verbesserungsbedarf in der Begleitung der Praktikantinnen und Praktikanten durch beide Seiten. Auf Basis dieser Informationen erarbeiteten die Teilnehmenden in Gruppen, was für eine gelingende Kooperation zwischen den Lernorten wichtig ist. Hervorgehoben wurden das Selbstverständnis der Einrichtung als Ausbildungsort, die Einbindung von Leitung, Team und Träger sowie das Vertreten der eigenen fachlichen Position durch die Mentorin bzw. den Mentor.


Workshop 4: Handlungsanforderung Reflexion im Mentoring

Welche Kompetenzen und didaktischen Mittel benötigen Mentorinnen und Mentoren, um die eigene pädagogische Praxis selbstreflexiv zu gestalten und Reflexionsprozesse bei Praktikantinnen und Praktikanten anzubahnen? Die Teilnehmenden des Workshops waren sich einig, dass die Fähigkeit zur systematischen Reflexion nicht pauschal vorausgesetzt werden kann. Wichtig seien insbesondere die Haltung der Mentorin bzw. des Mentors ihrem Beruf und der Praktikantin bzw. dem Praktikanten gegenüber: Die Mentorin bzw. der Mentor sollte bereit zur Weiterentwicklung sein, die eigene Biografie reflexiv bearbeiten und gegenüber der Praktikantin bzw. dem Praktikanten wertschätzend auftreten.

Vergleich mit europäischen Nachbarländern

Pamela Oberhuemer, Expertin für internationale Frühpädagogik, stellte fest, dass in vielen europäischen Ländern die praktische Ausbildung in der Kita zur Zeit neu bewertet wird und dem Lernort Praxis sowie Mentorinnen und Mentoren mehr Bedeutung beigemessen werden. Im Auftrag von WiFF hat sie Konzepte der fachpraktischen Ausbildung in Dänemark, England, Finnland, Italien, Island, Norwegen und Schweden untersucht und mit dem deutschen System verglichen. Sie hob einige interessante Ergebnisse hervor: Nur in Norwegen gibt es verbindliche Vorgaben für die Qualifikation der Mentorinnen und Mentoren. Für ihre Tätigkeit bezahlt werden sie in allen Ländern außer in Italien und Deutschland. In Dänemark und Deutschland gebe es in der Ausbildung Praxisphasen über mehr als sechs Monate oftmals mit dem Effekt, dass die Praktikantinnen und Praktikanten als "Ersatzfachkräfte" eingesetzt und nicht als Lernende betrachtet werden.

Präsentation von Pamela Oberhuemer

Workshops

Workshop 5: Qualifizierungsansätze für Mentorinnen und Mentoren

Anhand einer tätigkeitsbegleitenden Qualifizierung für Quereinsteigende im Land Brandenburg wurde die Rolle von Mentorinnen und Mentoren vorgestellt. Darüber hinaus haben die Teilnehmenden Erfahrungen rund um die Entwicklung des Lernorts Praxis ausgetauscht. Diskutiert wurde unter anderem, ob und wie stark die Mentorinnen und Mentoren ihre Arbeit vorab inhaltlich strukturieren sollen.

Workshop 6: Lernort Praxis: Bildungstheoretische und berufspädagogische Zugänge zu einem Begriff, der Konjunktur hat

Die Kita ist nur dann als Ausbildungsort geeignet, wenn sie über eine entsprechende Verordnung und eine Fachkraft zur Anleitung der Praktikantinnen und Praktikanten verfügt, sagte Sigrid Ebert. Die Psychologin und Organisationsentwicklerin plädiert dafür, dass Träger geeignete Einrichtungen als Ausbildungspartner für Fach- und Hochschulen definieren. Die Kita wiederum solle geeignete Praktikantinnen und Praktikanten auswählen, die sich bewusst mit den Schwerpunkten der Einrichtungen auseinander setzen.

Workshop 7: Perspektiven der Organisationsentwicklung in der Kita

Als erster grundständiger kindheitspädagogischer Fernstudiengang integriert der „B.A. Bildung & Erziehung“ (BABE) der Hochschule Koblenz systematisch das Lernen in der Praxis in die akademische Ausbildung. Die Studierenden sind in einer Einrichtung angestellt und erarbeiten Theoriewissen in Blockseminaren sowie im internetgestützten Selbststudium. Ein zwischen Hochschule, Studierendem und Einrichtung vereinbarter Ausbildungsplan legt jeweils die Lernziele für das Semester fest. Ob die Kitas bei diesem Modell zu sehr belastet werden, wurde von Workshop-Teilnehmenden kritisch diskutiert.